VonThomas Kuzajschließen
Bremen – Wo liegen die Perspektiven für die Bremer Innenstadt, wie wird der gegenwärtige Zustand eingeschätzt? Wo liegen Stärken, wo werden Schwächen gesehen? Die Einzelhandelsvereinigung City-Initiative wollte es genauer wissen und hat etwa 2 500 Menschen dazu befragt – Bremer und Butenbremer, Kunden und Nicht-Kunden. Dabei kam ein deutliches Maß an Unzufriedenheit zur Sprache.
„Die Befragten kamen aus den verschiedenen Stadtteilen Bremens, aber auch aus dem näheren und erweiterten Umland“, hieß es bei der City-Initiative. Apropos Umland: „Für Menschen aus dem Umland ist das Auto nach wie vor mit 50,2 Prozent das wichtigste Verkehrsmittel, um in die Bremer Innenstadt zu kommen, gefolgt von der Bahn (35 Prozent).“ Autofahrer aus dem Umland sehen es deshalb kritisch, wenn ständig von einer autofreien Innenstadt und einer Reduzierung von Autostellplätzen die Rede ist – vom hygienischen Zustand mancher Parkhäuser einmal ganz abgesehen. . . Bei den Umfrageteilnehmern aus Bremen ist das Fahrrad mit 40,5 Prozent das wichtigste Verkehrsmittel, um in die City zu kommen. Auf dem zweiten Rang landete bei den Bremern ebenfalls das Auto – hier mit 23,1 Prozent.
Warum kommen Menschen in die Innenstadt? Das Stichwort „Shopping“ wird nach wie vor als Hauptgrund genannt; allen Behauptungen zum Trotz, dass Einkaufserlebnisse keine Anziehungskraft mehr hätten – das ist in City-Diskussionen immer wieder zu hören, obwohl ein Blick Richtung Weserpark oder Dodenhof das Gegenteil beweist. Einkaufen gilt als Attraktion, so sieht es auch die Mehrheit der Umfrageteilnehmer.
Shopping und Gastronomie locken Menschen in die Bremer Innenstadt
Shopping sei „der Hauptanlass“, um in die Bremer Innenstadt zu kommen, so die City-Initiative – „gefolgt von einem Gastronomie-Besuch“. Und: „Alle weiteren Gründe sind mit Abstand abgeschlagen.“ Interessant auch: „Dabei tauscht sich die Pole-Position des Anlasses bei der Unterscheidung zwischen Binnen- zu Buten-Bremern: Erstere kommen vor allem wegen des Shoppings (69,5 Prozent, Gastronomie 52,2 Prozent), bei zweiteren hat der Gastronomie-Besuch leicht die Nase vorne (54,1 Prozent, Shopping 51,2 Prozent).“
Die Shopping-Lust ist aber zugleich auch eine Last, jedenfalls mit Blick auf die Bremer Innenstadt. Denn ausgerechnet für das City-Einkaufserlebnis gab es in der On- und Offline-Erhebung schlechte Noten! Während zum Beispiel die Aussage, die Bremer Innenstadt sei für Tourismus und Sightseeing interessant, von 86 Prozent der Befragten als „voll“ oder „eher“ zutreffend bezeichnet wurde (und damit am besten bei den geschlossenen Fragen zur Bewertung der Bremer Innenstadt abschnitt), haben nur gut 18,2 Prozent der Befragten der Aussage, die Bremer Innenstadt sei ein „vielfältiger und attraktiver“ Einkaufsstandort „voll“ oder wenigstens „eher“ zugestimmt. Anders gesagt: für mehr als 80 Prozent ist die Bremer City kein attraktiver Einkaufsort. Das ist angesichts aktueller Entwicklungen vielleicht nicht vollkommen überraschend, auf jeden Fall aber sehr ernüchternd.
Kritik an Leerständen und mangelnder Sauberkeit
Weitere Kritikpunkte kommen hinzu. Nach den drei größten City-Schwächen gefragt, nannten die befragten Personen an erster Stelle Leerstände, dann folgten mangelnde Sauberkeit sowie der Punkt „unattraktive Läden und Geschäfte“. Leerstände sind kein rein bremisches Phänomen, sondern allerorten in Innenstädten zu beobachten. Doch Sauberkeit zum Beispiel ist seit vielen Jahren ein Thema – doch leider wird die Lage augenscheinlich schlimmer und schlimmer. Wer sich auf dem Weg vom Hauptbahnhof in die City über vollgepinkelte Ecken, Hinterlassenschaften von Drogenabhängigen und überall herumfliegenden Abfall geärgert hat und am Ende vor leeren und zugeklebten Schaufenstern steht, wird sich beim nächsten Mal ganz genau überlegen, ob er Geld für Bahnticket oder Parkgebühren in Bremen ausgeben möchte.
Die Umfrage-Teilnehmer jedenfalls wünschen sich mehr kleine, spezialisierte Geschäfte (70,2 Prozent), Wochen- und Frischemärkte (36,6 Prozent) und hochwertige Angebote (28,2 Prozent). Auch Marken-Shops sind begehrt. Weitere Wünsche: mehr Sitzgelegenheiten und Orte zum Verweilen (55 Prozent), mehr Grünflächen und Bäume (54,2 Prozent) sowie – Überraschung! – ein stärkerer Fokus auf Sauberkeit und Pflege des Stadtbilds (49,2 Prozent). Gewünscht werden mehr Außengastronomie (71,7 Prozent), Cafés (47,4 Prozent) sowie Lokale mit regionaler Küche (41,1 Prozent). Und prompt gab‘s die nächste Hiobsbotschaft – der Gastwirt der Mühle am Wall gab auf, er hat die „Kaffeemühle“ geschlossen. Nun wird gehofft, dass sich ein neuer Pächter findet.

