VonThomas Kuzajschließen
Bremen – „Der 2022er ist ein sehr guter Jahrgang!“ Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) war voll des Lobes. „Wunderbar! Im Abgang ein bisschen mit Rosinenaroma.“ Nein, Wein war es nicht. Bovenschulte sprach am Mittwoch von einer Gebäckspezialität mit jahrhundertelanger Tradition – vom europaweit geschützten Bremer Klaben. Mit dem offiziellen Anschnitt auf dem Marktplatz hat die neue Klaben-Saison begonnen.
Schon eine Viertelstunde vor Beginn reichte die Schlange der Klaben-Liebhaber quer über den Marktplatz, der Roland machte große Augen. Hans Jürgen Schröder und Bruno Bollenbach, zwei Bäckermeister im Ruhestand, haben den Premieren-Klaben in den vergangenen Wochen geknetet und gebacken. 100 Meter Klaben standen schließlich am Stand der Bäcker-Innung bereit. Eine Scheibe kostete hier zwei Euro, ein Stück acht Euro. Verkauft wurde das Kult-Gebäck einmal mehr für einen guten Zweck. Der Erlös ist dieses Mal für den Bürgerpark gedacht.
Und so war auch Parkdirektor Tim Großmann beim Anschnitt mit von der Partie. Er freut sich sehr über das Klaben-Geld, denn der Bürgerpark braucht jeden Cent. Grund ist der Klimawandel, der immense Kosten verursacht – die nun schon über Jahre anhaltenden vergleichsweise hohen Temperaturen und die geringen Niederschläge setzen dem Bürgerpark zu.
60 Bäume des Bremer Bürgerparks „werden es nicht schaffen“
Es seien bereits 60 Bäume identifiziert worden, die nicht durch den Winter kommen werden – nicht allein in Baumgruppen, sondern auch an markanten Stellen und Sichtachsen. „Sie werden es nicht schaffen. Und wir sind mit den Sichtungen noch nicht fertig.“ Alte Buchen, ebenfalls parkprägende Bäume, haben Trockenschäden. Ob sie im nächsten Jahr wieder austreiben? Großmann mag kaum daran denken.
Das Gesicht des Parks wird sich also deutlich verändern. Der warme Oktober mit wenig Regen ließ den Rasen wachsen, so dass nun gemäht werden muss – dabei wären eigentlich Laubarbeiten dran gewesen. Zudem habe man noch dieser Tage wässern müssen, so Großmann weiter. „Bei den Immergrünen war es staubtrocken.“
Bauwerke senken sich ab: Gebäudeschäden drohen
Ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Die nun schon seit Jahren vorkommenden langen Phasen der Trockenheit lassen den Grundwasserspiegel absinken. Der Park – und mit ihm seine Gebäude – steht auf Torfgrund, der sich bei Trockenheit zusammenzieht. Folglich senken die Bauwerke sich ab, es drohen massive Gebäudeschäden.
„Ein Meteorologe hat mit gesagt, spätestens in zehn Jahren werde jeder Sommer so sein wie zuletzt“, berichtet Großmann. Er hofft, dass es anders kommt – er glaubt es allerdings nicht. Zumal Wärme und Trockenheit weit in den Herbst hineinreichen. „Es ist kein Regen in Sicht, dabei brauchen wir ihn so dringend.“ Zudem hänge an der zunehmenden Erwärmung „noch mehr dran“: „Zum Beispiel neue Schädlinge, die durch das milde Wetter einwandern.“
Bürgermeister Bovenschulte freut sich über Spenden für den Bremer Bürgerpark
Verdienstvoll also, dass die Bäcker-Innung bei der Klaben-Premiere an den Bürgerpark gedacht hat, der aus privaten Spenden und Zuwendungen finanziert wird. „Dass der Erlös an den Bürgerparkverein geht, freut mich ganz besonders“, erklärte Bürgermeister Bovenschulte. „Da finden zwei Bremer Institutionen vom Feinsten zusammen, der Klaben und der Park.“
Seefahrer brachten einst Klaben-Zutaten wie Mandeln und Kardamom nach Bremen, anno 1593 wurde er erstmals in Dokumenten des Rats erwähnt. Bovenschulte, 57, wandelte unterdessen ein Rotwein-Zitat von Wilhelm Busch ab und rief: „Klaben ist für alte Knaben eine von den besten Gaben.“ Als Bürgermeister muss er das wissen.

