VonJörg Esserschließen
140 Millionen Euro hat der Bremer Energiedienstleister SWB in ein neues Blockheizkraftwerk am traditionsreichen Standort Hastedt investiert. Am Donnerstag wurde die Anlage eingeweiht.
Bremen – Nach gut drei Jahren Bauzeit hat der Bremer Energiedienstleister SWB am Donnerstag sein neues Blockheizkraftwerk (BHKW) am traditionsreichen Standort in Hastedt eingeweiht. Bei der Produktion von Strom und Wärme im Bremer Osten ersetzt damit zukünftig Erdgas die Steinkohle. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) bezeichnete das neue Kraftwerk als „einen Meilenstein in der Bremer Klimaschutzstrategie“. SWB-Technikvorstand Karsten Schneiker sprach von „einem Schritt zur Umsetzung der Wärmewende“.
Noch produziert der Kohleblock 15 Strom – aus Gründen der Versorgungssicherheit wegen des Ukraine-Kriegs. Die SWB will den Block im ersten Quartal 2024 vom Netz nehmen, heißt es. Zurück in die Zukunft: Rund 140 Millionen Euro hat die Bremer EWE-Tochter in die neue Anlage investiert, die technisch darauf ausgelegt ist, neben Erdgas auch Biomethan und anteilig Wasserstoff verwenden zu können. Projektpartner ist ein Konsortium der Energieunternehmen Uniper (Gelsenkirchen) und Wärtsilä (Helsinki).
Die neun Motoren des finnischen Konzerns können den Angaben zufolge modular betrieben werden. Jeder einzelne Motor mit jeweils 20 Zylindern bringt es auf eine Leistung von 16 000 PS: Damit liefert das BHKW laut SWB insgesamt 104 Megawatt elektrische Leistung und 94 Megawatt thermische Leistung für die Auskopplung von Fernwärme. Das neue Kraftwerk spart laut Schneiker pro Jahr die Einspeisung von rund 550 000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) und senkt damit die CO2-Emissionen am Standort Hastedt um etwa 70 Prozent.
Kohlendioxidausstoß sinkt um 70 Prozent
Von ebendiesem Standort aus versorgt die SWB gut 25 000 Haushalte im Bremer Osten und unter anderem das Mercedes-Werk in Sebaldsbrück mit Fernwärme. Und das soll so bleiben. Zukünftig versorgt das neue BHKW zusammen mit dem Müllheizkraftwerk in Findorff besagte Haushalte und das Automobilwerk mit Fernwärme. Schließlich befindet sich laut SWB auch der Bau der neuen Fernwärmeleitung zwischen den beiden Kraftwerksstandorten in der Schlussphase. Bis Ende dieses Jahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, hieß es.
Die SWB kalkuliert beim neuen Kraftwerk mit 3400 Vollbenutzungsstunden pro Jahr. Im Kraft-Wärme-Kopplungsprozess sollen rund 310 Gigawattstunden (310 Millionen Kilowattstunden) Wärme und 350 Gigawattstunden Strom erzeugt werden. Der Strom reiche rechnerische für mehr als 140 000 Haushalte, die Wärme für gut 22 000 Haushalte, hieß es weiter.
350 Millionen Kilowattstunden Strom
Senatorin Vogt skizzierte den Kraftwerksbau schließlich als „großen und wichtigen Schritt auf dem Weg zur Dekarbonisierung der bremischen Wirtschaft“. Das Land Bremen habe sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 die CO2-Emissionen um 60 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990 zu senken. Ende 2021 lag der Wert um 23,5 Prozent unter dem Niveau des Basisjahres, hat die jüngste Bilanz ergeben. Vogt sieht Handlungsbedarf: „Wir müssen Geschwindigkeit auf die Kette bringen.“
Ulrich Franke, Gesamtprojektleiter des Konsortiums Uniper/Wärtsilä, sagte, dass es während der dreijährigen Bauzeit „keinen meldepflichtigen Unfall“ gegeben habe. „Und wir waren mit bis zu 300 Mitarbeitern vor Ort.“
