Chaos bleibt aus, zwei Demonstrationszüge

Mega-Streiktag in Bremen: Mit dem Taxi zur Arbeit

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Ein Gewerkschafter bläst mit einem Signalhorn zum Demonstrationszug der Eisenbahner am Hauptbahnhof.
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Busse, Straßenbahnen und Züge der Deutschen Bahn blieben im Depot, Flugzeuge am Boden. Doch der befürchtete Verkehrskollaps ist in Bremen ausgeblieben.

Bremen – Nichts geht mehr. Auf den Straßenbahnschienen, in der Luft, auf den Eisenbahngleisen. Es ist ein Mega-Streiktag. Die Gewerkschaften haben zum bundesweiten Generalstreik auf dem Mobilitätssektor aufgerufen und legen den öffentlichen Nah- und Fernverkehr lahm. Auch in Bremen heben keine Flieger ab, alle 44 geplanten Starts und Landungen sind gestrichen.

Es rattern keine Züge über die Gleise. Die Bahnen und Busse der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) bleiben in den Depots. Nur ein paar Überlandbusse nach Thedinghausen, Syke, Harpstedt und Zeven sind im Einsatz. Und die Sielwallfähre von „Hal över“.

Zurück auf die Straßen: Das Chaos bleibt aus. In den Verkehrsnachrichten wird am Morgen lediglich ein erhöhtes Fahrzeugaufkommen rund um Parkallee und Stern gemeldet. Das kommt immer mal wieder vor. Über Erdbeerbrücke und Wilhelm-Kaisen-Brücke, über den Osterdeich und die Martinistraße in der Innenstadt rollen eher wenig Autos. Die City ist leer. Bremen hat sich für den Streiktag gerüstet.

Überlandbusse und Sielwallfähre im Einsatz

Viele Pendler setzen auf den Nachbarn oder den Kumpel, der regelmäßig mit dem Auto unterwegs ist. Wer die Möglichkeit hat, nutzt das Homeoffice. Einige Firmen in Bremen ordern Taxis für ihre Mitarbeiter. Am Wochenende sind etliche Vorbestellungen eingegangen, Taxi Roland meldet, dass am Montag alle 60 Fahrzeuge des Unternehmens unterwegs sind. „Wir haben zusätzlich zu unseren festen Fahrern Aushilfen rekrutiert“, sagt ein Sprecher. Doch der ganz große Run bleibt aus. „Wir hatten einen größeren Ansturm befürchtet“, sagt Ingo Heuermann, zweiter Vorsitzender des Taxi-Rufs, dem Radiokollegen ins Mikro. „Wir laufen zwar auf Hochtouren, können das aber bisher gut bewältigen.“

Reger Andrang herrschte an den Flixbus-Bahnsteigen am Breitenweg.

Bei Flixbus sind am Vormittag fast alle Fahrten nach Berlin „bereits ausgebucht“. Bei den restlichen Verbindungen mit Abfahrt bis in die späten Abendstunden hinein ist auf der Internetseite vermerkt: „Bus fast voll.“

Taxi-Unternehmen laufen auf Hochtouren

Am Hauptbahnhof sind vereinzelte Menschen mit Koffern und Rucksäcken zu sehen. „Gute Reise“, hallt es einem verhinderten Reisenden entgegen. Das klingt an diesem Tag fast zynisch. Auch die Radio-Werbung fürs Niedersachsen-Ticket wirkt deplatziert.

Derweil ziehen am Vormittag zwei Demonstrationszüge durch die Stadt. Ein Zug, der am Flughafen beginnt, zählt Polizeiangaben zufolge rund 1 500 Teilnehmer, darunter vor allem Flughafen-Mitarbeiter und Straßenbahner. Am Hauptbahnhof beginnt der Aufzug der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit 280 Teilnehmern. Am Leibnizplatz wird auf einer Abschlusskundgebung die Kampfbereitschaft signalisiert. „Es ist Druck auf dem Kessel“, sagt ein Funktionär der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Und pocht auf eine angemessene Entlohnung für die Kollegen.

In Zahlen: Verdi fordert 10,5 Prozent mehr Gehalt für die Angestellten von Bund und Kommunen, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeberseite bietet bislang ein fünfprozentiges Lohnplus. Für die rund 2 400 Beschäftigten der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) verlangt Verdi monatlich 600 Euro mehr Bruttolohn. Eine Tarifanpassung sei dringend notwendig, um die Folgen der Inflation auszugleichen, heißt es. Die Beschäftigten fordern Anerkennung für ihre „immer schwieriger werdende Arbeit“. Für die BSAG gilt eine Art Haustarifvertrag. Verhandlungspartner ist der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV). Dessen Angebot orientiert sich am Fünf-Prozent-Angebot von Bund und Kommunen.

Gewerkschaften und Arbeitgeber trennen mehr als fünf Prozent

Und was sagen die Bremer? Noch überwiegt das Verständnis für die Arbeitsniederlegung. „Dass die Leute auf die Straßen gehen, ist richtig“, sagt ein Passant. „Man muss seine Forderungen in die Öffentlichkeit tragen.“ Doch es gibt auch Bremer, die von „überzogenen Forderungen sprechen“. Ein Mittvierziger sagt: „Der Streik trifft mal wieder die Falschen. Wer seinen Urlaub umbuchen muss, dem ist das Streikrecht schnuppe.“

Gähende Leere herrschte hingegen an der sonst stark frequentierten BSAG-Haltestelle am Bahnhof.

Die nächsten Verhandlungsrunden laufen. Am Dienstag sollen Bahnen, Züge und Busse wieder weitgehend planmäßig fahren. Am Airport ist nur der Frühflug nach Amsterdam (6.20 Uhr) gestrichen.

Mehrere zehntausend Euro kostet ein Streiktag, ergänzt eine Flughafen-Sprecherin. Bremens Airport-Chef Marc Cezanne sagt: „Wir hoffen auf einen zeitnahen Tarifabschluss, so dass die Gehälter unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angepasst werden können.“ Damit könne die Luftverkehrsbranche auch für Bewerber attraktiv bleiben.

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