Münzfund in Bremen-Arsten

„Ein römischer Silberdenar!“: Bremer Schüler findet 1.800 Jahre alte Münze

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Kleines Fundstück, großer Wirbel. Beim Spielen hat ein Schüler in Bremen-Arsten eine 1.800 Jahre alte römische Münze gefunden. Am Freitag bekam er dafür ein öffentliches Lob.

Bremen – Ein Riesentrubel, Kamerateams treten sich förmlich auf die Füße. Davon dürfte der neunjährige Schüler Bjarne nichts geahnt haben, als er im Sommer vergangenen Jahres auf dem Areal seines Horts am Korbhauser Weg in Arsten einen kleinen und flachen Gegenstand gefunden hat. Nun, ein gutes Jahr später, sitzt Bjarne bei der Landesarchäologie im früheren Postamt 5 am Bremer Hauptbahnhof und soll von seinem Fund berichten. Denn bei dem flachen Objekt handelt es sich um eine 1.800 Jahre alte römische Münze.

Natürlich hatte Bjarne nicht nach so etwas gesucht, er hatte einfach so gebuddelt – vielleicht 20 Zentimeter tief. „Ich wusste erstmal nicht, was das ist“, sagt der Schüler, der mit seiner Familie zum Pressetermin gekommen ist. Er nahm das etwas unscheinbar wirkende, aber dennoch interessante Fundstück mit. „Zu Hause habe ich es Mama und Papa gezeigt, dann sind wir erst einmal in Urlaub gefahren.“ Eine alte Münze war es, soviel schien klar. Aber wie alt? Nach dem Urlaub schrieb Bjarne eine Mail mit Fotos an Prof. Dr. Uta Halle, Bremens Landesarchäologin. Sie bat ihn, das Fundstück zum „Tag des offenen Denkmals“ mitzubringen – zwecks genauerer Betrachtung. Beim „Tag des offenen Denkmals“ gab Bjarne die Münze einem Mitarbeiter der Landesarchäologie. Sogleich hieß es: „Ein römischer Silberdenar!“

Der römische Silberdenar in einer Schale unter dem Mikroskop. Im Vordergrund zum Größenvergleich eine römische Fibel (Gewandnadel).

Bei der Landesarchäologie wurde die Münze unter einem Mikroskop gereinigt und wissenschaftlich eingeordnet: Der Silberdenar, er stammt aus der Zeit des Kaisers und Philosophen Marc Aurel, der von 161 bis 180 regierte. 500 Jahre lang waren Denare die maßgebliche Währung im Römischen Reich. Gültig von der Provinz Britannia bis nach Syrien, von Nordafrika bis an den Rhein. Ein Gebiet, das größer war als der Euro-Währungsraum unserer Tage, wie Landesarchäologin Halle betont.

„Die Münze könnte auch aus dem Bremer Umland stammen“

Der Silberdenar, den Bjarne in Arsten gefunden hat, wiegt heute noch 2,4 Gramm. Dies deutet darauf hin, dass er zur Zeit der Münzverschlechterung unter Marc Aurel geprägt wurde, denn bei ihrer Einführung um 211 v. Chr. wogen Denare noch 4,55 Gramm. Das geringere Gewicht (durch Verringerung des Silbergehalts) sei ein sicheres Zeichen für Inflation, so Halle. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass früher nicht alles besser war als heute, selbst unter Marc Aurel nicht.

Bjarne ist mit neun Jahren bereits ein erfolgreicher Archäologe: In Bremen-Arsten hat er eine römische Silbermünze entdeckt. Lob kam von Uta Halle, Bremens Landesarchäologin.

Inflation hin, Inflation her – zum möglichen (Sammler-) Wert der Münze sagt Halle nichts, denn: „Wir machen grundsätzlich keine Wertangaben.“ Wie aber ist der römische Silberdenar überhaupt nach Bremen gekommen, nach Arsten in der Nähe der Landesgrenze? Drei mögliche Antworten gebe es auf diese Frage, sagt Halle. Handel ist die eine davon, Lohn für Söldnerdienste im römischen Heer die andere. Und die dritte? Die Münze könnte auch ein Souvenir gewesen sein, so die Archäologin. Möglicherweise ist sie auch gar nicht direkt in das Gebiet gebracht worden, das wir heute unter dem Namen Arsten kennen – vielleicht ist der Denar im Lauf der Zeiten auch mit Sand aufgespült worden. Kurzum: „Die Münze könnte auch aus dem Bremer Umland stammen“, so Uta Halle.

Lob für jungen Archäologen aus Bremen: „Bjarne hat sehr gut aufgepasst“

150 Fundstellen kennen die Archäologen im Nordwesten; Arsten findet sich durch Bjarnes Zufallsfund nun neu auf der Karte der Fachleute. Vergleichbare römische Münzen wurden auf bremischem Gebiet erst zweimal gefunden – in den 30er Jahren in Mahndorf, das damals noch zum Landkreis Verden gehörte, und 1968 in Rekum im Bremer Norden. Gut möglich, dass Bjarnes Fundstück nun in der Archäologieausstellung des Bremer Focke-Museums (Schwachhausen) landet, für die Halle zuständig ist. Sie lobt den Schüler: „Wir sind sehr glücklich, dass Bjarne so gut aufgepasst hat.“ Dafür bekam er am Freitag ein schriftliches Lob von der Landesarchäologie sowie zwei Bücher, die mit Archäologie und Bremen zu tun haben. Einen Finderlohn gibt es nicht, denn Fundstücke dieser Art gehören – so ist es gesetzlich geregelt – dem Land Bremen.

Der Schüler Bjarne bei seiner Pressekonferenz mit Bremens Landesarchäologin Uta Halle.

Aber es geht bei solchen Dingen ja stets auch um das Ideelle, womit wir wieder bei Marc Aurel wären, dem Kaiser und Philosophen. Wie hat er doch so schön gesagt? Ja: „Jeder ist nur soviel wert wie das Ziel seines Strebens.“ Von Geld keine Rede.

Rubriklistenbild: © Carmen Jaspersen/dpa (Montage)

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