Hoher Krankenstand

Bremer Notaufnahmen: Umland-Patienten unerwünscht

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Die Notaufnahmen der Bremer Kliniken (hier der Schockraum im Klinikum Mitte) sind überlastet. Ein Grund ist der hohe Krankenstand des Personals. Zur Entlastung möchte das Gesundheitsressort, dass Patienten aus dem Umland nach Unfällen oder medizinischen Notfällen zur Erstversorgung künftig in niedersächsische Kliniken und nicht in Bremer Krankenhäuser gebracht werden.
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Die Notaufnahmen in Bremen sind überlastet. Dagegen will die Gesundheitssenatorin etwas tun. Das betrifft beispielsweise die Erstpatienten aus dem Umland.

Bremen – Patienten aus dem Umland sollen im Umland behandelt, kranke Senioren schneller wieder ins Heim gebracht werden. So will Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) die Notaufnahmen in Bremer Kliniken entlasten. Denn die arbeiten am Limit, sagt die Senatorin.

Hohe Krankenstände in Bremer Kliniken

Aufgrund von drastisch steigenden Corona-Infektionszahlen sind die Krankenstände hoch, heißt es. Der Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) mit seinen vier kommunalen Krankenhäusern in der Stadt schaut „mit großer Sorge“ auf die nächsten Wochen. An den anderen Kliniken sieht es nicht besser aus.

Kliniken in Bremen verschieben planbare Operationen

Die Krankenhäuser seien zwar räumlich und organisatorisch auf viele weitere Patienten mit Covid-19 vorbereitet, doch fehle es schlicht an Personal. Zudem seien die Mitarbeiter (die ja nun schon fast drei Corona-Jahre hinter sich haben) „extrem belastet“, sagte Geno-Sprecherin Karen Matiszick. Rund 500 der etwa 8.000 Mitarbeiter im Verbund sind den Angaben zufolge krank. Bereits jetzt müssten geplante Operationen verschoben werden, das könnte sich in den nächsten Wochen noch verstärken.

Extrem unter Druck sind vor allem die Notaufnahmen, daher hat sich der Senat jetzt speziell mit dem Thema befasst. Er verständigte sich auf kurzfristige Maßnahmen zur Stärkung der Notfallversorgung.

Bernhard zählte aus ihrer Sicht die Knackpunkte auf: der hohe Krankenstand beim Personal, Probleme bei der Verlegung von ambulanten Patienten in Pflegeeinrichtungen und Patienten, die zur Notaufnahme kommen, obwohl sie durch die niedergelassenen Ärzte behandelt werden könnten. Bereits seit geraumer Zeit beklagen Notaufnahmen quer durch Deutschland, dass oft Menschen – salopp formuliert – mit Wehwehchen kämen, obwohl sie längst unter der Woche zu ihrem Arzt hätten gehen können. Echte Notfälle müssten daher immer wieder warten.

Gemeinsam mit verschiedenen Partnern, dazu gehören die Kliniken sowie die Rettungsdienste in Bremen und Niedersachsen, will die Gesundheitssenatorin „zeitnah Lösungen entwickeln, damit die Belastung der Notaufnahmen sinkt“, wie sie sagte. Unerwünscht, auch wenn das natürlich ganz so direkt nicht formuliert wird, sind Erstpatienten aus Niedersachsen. Bernhard will erreichen, dass sie in niedersächsische Krankenhäuser gebracht werden – nicht nach Bremen. Die Stadt ist allerdings gerade für Menschen aus dem „Speckgürtel“, beispielsweise Stuhr und Weyhe, wegen des kurzen Weges erste Wahl bei Unfällen, Herzinfarkten, Brüchen und anderen Notfällen.

Bremer Senatorin: „Notaufnahmen sind keine Anlaufstellen für alle gesundheitlichen Probleme“

Die Umland-Patienten sind das eine, Senioren das andere Thema. Sie sollen möglichst schnell wieder in ihre Pflegeeinrichtung verlegt werden, also nicht in der Klinik bleiben. Dabei gehe es nicht um schwerkranke Patienten, die zwingend auf einer Station versorgt werden müssten, sondern beispielsweise um dehydrierte Ältere, die zu wenig getrunken hätten und vorübergehend einen Tropf benötigten, machte das Gesundheitsressort deutlich.

Bernhard stellte zudem Kliniken, die Corona-Patienten versorgen, finanzielle Unterstützung in Aussicht. Mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit will sie ferner die Menschen über die Aufgaben von Notaufnahmen informieren – damit nicht jedes Wehwehchen dort landet. Die Gesundheitssenatorin drückte es so aus: „Leider werden die Notaufnahmen häufig als Anlaufstelle für alle gesundheitlichen Probleme wahrgenommen.“ Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Kliniken will Claudia Bernhard verstärkt darüber informieren, für welche Erkrankungen man wo Hilfe bekommt. Denn keineswegs kommen nur „Umländer“ ohne Not zur Notaufnahme, sondern auch reihenweise Bremer.

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