VonThomas Kuzajschließen
Bremen – Wie heißt das bedeutendste Exponat in der Gemäldesammlung des Bremer Dom-Museums? Klar, es ist der „Schmerzensmann” von Lucas Cranach d. Ä. (1472 bis 1553). Oder eben auch: „Mann in Quaal un Pien“, so der plattdeutsche Titel. Zu lesen ist der in einer neuen Produktion – es gibt jetzt „en korten Museums-Föhrer för Smartphones“, sprich: einen plattdeutschen Führer für das Dom-Museum. Zudem hat das Haus einen Rundgang für Kinder eingerichtet.
Der kostenlose Platt-Rundgang lässt sich vor dem Museumseingang im Dom per QR-Code aufs Smartphone übertragen – und schon geht‘s los. Auf gut 50 Seiten werden die Exponate des Museums vorgestellt, eingeordnet und erklärt. Diesen Service gibt es in mehr als einem Dutzend Sprachen, Englisch und Französisch zählen ebenso dazu wie Lettisch und Ukrainisch. Und nun eben auch Plattdeutsch.
Vorangetrieben haben dieses Projekt Dr. Henrike Weyh, die Leiterin des Dom-Museums, und Dr. Till Pawelek, Geschäftsführer der Stiftung Bremer Dom, die das Museum trägt. Weyh sieht den niederdeutschen Rundgang „als Zeichen, dass Plattdeutsch eine Sprache ist und nicht ein kauziger Dialekt“. Die Sprache Plattdeutsch pflegen, erhalten, benutzen – das Dom-Museum leistet jetzt einen Beitrag dazu.
Als Bremen das „Rom vun den Noorden“ war
Ein Fachmann hat den Museumstext ins Plattdeutsche übertragen: Dr. Reinhard Goltz vom Institut für niederdeutsche Sprache (INS) im Schnoor. Er hat sich das Dom-Museum extra noch einmal angeschaut, um auf Details zu achten, berichtet Weyh. „Er hat zum Beispiel gesagt, dass es im Plattdeutschen ein wichtiger Unterschied ist, ob ein Bild hängt, liegt oder steht.“ Und so schildert Goltz Bremen als „Rom vun den Noorden“ – von der Weser aus sollte einst in päpstlichem Auftrag Skandinavien missioniert werden – und beschreibt „Wandbiller“ (Fresken), „Tüüchkamer“ und historische „Kledaasch“, „de ut de Graffsteden kaamt“. Und natürlich den berühmten „Krummstaff ut Limoges“.
Jahrhundertealte Kleidung wie etwa die 800 Jahre alten Seidenstrümpfe, dazu verheißungsvoll glänzendes Silber und eine mächtige Bibel aus dem 17. Jahrhundert mit einem großen Brandloch, das der Legende nach auf einen Schuss im Dreißigjährigen Krieg zurückzuführen sein soll – das Museum steckt voller Exponate, die auch sehr junge Besucher faszinieren können. „Wir haben vieles hier, was Kinder spannend finden“, sagt Henrike Weyh. „Man muss es ihnen nur richtig verpacken.“
Bremer Dom-Museum: „Kinder sind willkommen“
Genau dies ist nun geschehen. Überall im Museum finden sich jetzt grüne Schilder und Playmobil-Figuren – der neu eingerichtete Rundgang für Kinder, der buchstäblich einen spielerischen Zugang zu den Ausstellungsstücken bietet: Maler Cranach an der Staffelei, dargestellt – eben – mit Playmobil-Utensilien. Ein Playmobil-Bischof (der ein wenig an den Nikolaus erinnert) und dazu die Erklärung: „Die Bischöfe wurden angezogen begraben, also in ihrer Kleidung und mit ihrem Schmuck.“ Eine Playmobil-Figur, die zu einer Vitrine mit historischem Spielzeug lockt, in der unter anderem Murmeln aus Ton und Kreisel aus Holz ausgestellt sind.
Erwachsene müssen sich ein wenig bücken, wenn sie dem Kinder-Rundgang folgen wollen – und das ist auch Absicht, denn er soll ja für die kleinen Besucher auf Augenhöhe sein. So stehen sie etwa beim Thema „Handel mit den Wikingern“ einem (Playmobil-)Wikinger direkt gegenüber. Um die kleinen Kunststoff-Figuren tatsächlich epochengerecht zu kostümieren und auszustatten, hat das Team des Dom-Museums nicht allein im Spielwarenhandel geschaut, sondern beispielsweise auch im Rijksmuseum Amsterdam. Denn dort werde ebenfalls mit Playmobil gearbeitet, so Museumsleiterin Henrike Weyh. Und nun hält der Playmobil-Jakobus im Bremer Dom-Museum eine kleine Muschel in der Hand, die aus Amsterdam stammt. Die Jakobsmuschel ist das Erkennungszeichen der Pilger, deren Schutzpatron Jakobus ist. „Kinder sind willkommen“, das soll die Botschaft des neuen Rundgangs durchs Dom-Museum sein, sagt Weyh.

