Spektakel in den Wallanlagen

Premiere: Bremer Samba-Karneval erstmals als Sommerfestival

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Eleonore Brinkmann engagiert sich als Näherin für den Bremer Samba-Karneval. Im Atelier im Viertel arbeitet sie an einem Kostüm für das Spektakel am 8. und 9. Juli.
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Bremen – „Es wird alles ein bisschen anders in diesem Jahr“, sagt Janine Jaeggi von der Gruppe „Stelzen-Art“. Die Gründerin des Bremer Samba-Karnevals spielt natürlich auf die Pandemie an, die ja nun schon seit geraumer Zeit dafür sorgt, dass praktisch alles anders geworden ist. Und so steht nun eine Premiere an: Erstmals wird der Samba-Karneval nicht im Februar, sondern mitten im Sommer gefeiert – am Freitag und Sonnabend, 8. und 9. Juli, in den Wallanlagen.

Und so ist der 37. Bremer Samba-Karneval zugleich der erste Bremer Sommerkarneval. 2021 war er noch als stimmungsvolles „Lichtertreiben“ in den Herbst verlegt worden, nun soll der Sommer ihm die Bühne bereiten. Und weil es beim Karneval traditionell darum geht, die dunklen und bösen Geister zu vertreiben, heißt das Motto dieses Mal „Vom Schatten ins Licht“.

Das klingt zugleich optimistisch – und Optimisten sind sie, die Trommler, Tänzer und Stelzenläufer aus der Samba-Szene, die das Team um Jaeggi (künstlerische Leitung) und ihren Partner Martin Sasse (technische Leitung) zusammengetrommelt hat. Die Akrobaten, Masken-Künstler und DJs, sie kommen aus Bremen und dem Umland, aus Berlin und Köln, aus Hamburg und München. Und aus Dänemark, Peru und Brasilien. 55 Gruppen sind dabei, sprich: etwa 400 Schwarmgeister, Romantiker und Traumtänzer werden sich in den Wallanlagen tummeln, um den Weg vom Schatten ins Licht zu suchen.

Eine große Parade wie einst im Februar gibt es beim Sommerkarneval nicht, eher mehrere kleine Paraden und allerlei Bühnentrubel. Sasse: „Es wird laut und heftig, wir können aber auch verspielt mit feinen, leisen Tönen.“ Das Geschehen zieht sich vom Bereich hinter der Kunsthalle bis hinauf zum Theaterberg; gespielt wird buchstäblich zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Auf „Slacklines“ wagen sich Artisten in die Höhe, während Maskenwesen auf Booten durch die Wallanlagen ziehen. Alle anderen trommeln und tanzen an Land. „Es ist bis ins kleinste Detail durchgeplant, wer wann wo langgeht“, sagt Sasse. „Wenn der Zuschauer durch den Park flaniert, wird er immer irgendwo etwas Spannendes entdecken.“

Möglich sind diese Entdeckungstouren am Freitag, 8. Juli, in der Zeit von 18 bis 22 Uhr. Und am Sonnabend, 9. Juli, von 14 bis 22 Uhr. Am Sonnabend gibt es dann auch die zentrale Inszenierung, die es in normalen Samba-Jahren auf dem Marktplatz zu sehen gab. Sie beginnt um 14 Uhr auf der Hauptbühne.

Viel Flitter: Deko für die Wallanlagen im Atelier von „Stelzen-Art“.

Die Hauptbühne steht gegenüber der Kunsthalle – ungefähr in dem Bereich, in dem bis vor wenigen Tagen das „Klimacamp“ zu finden war. Das Thema der Inszenierung ist die Frage, was wohl geschieht, wenn ein Schatten sich von einem Menschen löst und ein Eigenleben beginnt. Klar, dass er am Ende wieder eingefangen werden muss. . .

Der Bremer Karneval soll das Leben feiern

All das soll auch der Pandemie etwas entgegensetzen. Und überhaupt: „Nicht nur die immer noch akute pandemische Lage zieht seit mehr als zwei Jahren einen langen Schatten über unsere Gesellschaft, sondern vor allem der Ukraine-Krieg lässt Menschen fassungslos zurück, löst Angst und Hilflosigkeit aus“, so Jaeggi. Deshalb wolle der Karneval das Leben feiern – in diesem Jahr eben als Festival und nach wie vor ohne Eintritt. Spenden aber sind höchst willkommen.

Denn die Finanzierung ist knapp, ohne das Engagement der Beteiligten wäre das Bremer Samba-Sommer-Spektakel nicht möglich. Bezuschusst wird es mit knapp 70.000 Euro aus öffentlichen Kassen (unter anderem von der Wirtschaftsförderung), so Jaeggi. Kostenlose Unterkünfte finden die Gruppen – wie in Vor-Corona-Zeiten – in Kindergärten. Die Teilnehmer bekommen weder Gagen noch Fahrtkostenerstattungen, so die künstlerische Leiterin weiter.

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