VonMartin Kowalewskischließen
Der Bremer Samba-Karneval zieht auch im Sommer Menschenmassen an. Am Sonnabend herrschte Hochbetrieb in den Wallanlagen. Und die Künstler sorgten für spektakuläre Momente.
Bremen – Das Wetter wird pünktlich gut. Die Sonne strahlt. „Vom Schatten ins Licht“ lautet das Motto des Bremer Samba-Karnevals. Der ist zu Pandemiezeiten in den Sommer und in die Wallanlagen verlegt worden. Und hier ist es auch schon richtig voll, als am Sonnabend auf der Hauptbühne gegenüber der Kunsthalle die „Inszenierung“ beginnt.
Es ist ein echtes Spektakel. Katharina Witte, von der die „Inszenierung“ stammt, steigt auf eine aufgeklappte Leiter und beginnt zu lesen. Eine Erzählung, die sich um den „Schatten“ als dunkle Seite des Menschen dreht. „Das waren noch Zeiten, als ich und mein Schatten wohlgenährt durch die Welt gingen“, heißt es am Anfang der Geschichte. Auf der Bühne: Tanz, Menschen in prallen Farben, dahinter jeweils der Schatten, Menschen in Schwarz, die auch mit Papp-Silhouetten hantieren – ein munterer Anblick. Der Schatten muss immer gehorchen und will das irgendwann nicht mehr. Er löst sich ab, was auf der Bühne tänzerisch interpretiert wird. Ohne Schatten wird das Leben trostlos. Die Stimmen sprechen aus dem Lautsprecher. „Die ist ja nackt“ oder „Wir alle haben einen Schatten und die glaubt das nicht nötig zu haben“. Auch eine gesellschaftliche Dimension wird beleuchtet. Der Schatten wird übergroß, verbindet sich mit anderen Schatten und dem großen Geld und wird gar Herrscher übers Schattenreich. Dürre kommt übers Land und Kriege. Vor der Bühne: riesige dunkle Silhouetten aus Pappe. Die Tänzer sind inzwischen verängstigt. Doch dann kommt der Schatten zurück und wird auf Normalmaß reduziert. „Wir brauchen unsere Schatten, unsere Schattenseiten um Mensch zu sein“, liest Witte. Die Darsteller auf der Bühne zeigen Harmonie mit dem Schatten.
Dahinter ist athletische Kunst von der Bremer Zirkusschule „Jokes“ zu sehen. Etwa hängt eine Turnerin über Kopf am Tuch. Das Publikum kann zum Schluss zu den Klängen der Band „Miss Hope goes Fishing“ bei einem schönen, hoffnungsvollen Lied mitsingen.
Trommelrhythmen und Stelzenläufer
Der Text stammt von dem jüdischen Autor Schalom Ben-Chorin aus dem Jahr 1942. Eine Welt vergeht im Krieg, doch ein zarter Mandelzweig weht leicht im Wind. Dieser treibt immer wieder Blüten. Das sei ein „Fingerzeig“ für das Bleiben der Liebe.
Das Karnevalstreiben kommt in Schwung und natürlich ist jede Menge Samba zu hören. Die Trommelrhythmen machen Stimmung. Die bunten Gewänder sind ein prachtvoller Anblick. Stelzenkünstler als riesige Vögel mit bunten Flügeln. Ein Mann reitet einen „Flamingo“. Das Publikum bewegt sich zwischen den fünf Bühnen, wo auch Sambagruppen unterwegs sind. Vorne bei einer Gruppe, eine Frau mit schwarzen Federn am Kostüm trägt einen Hexenbesen über dem Kopf. Es ist voll. Die künstlerische Leiterin Janine Jaeggi schätzt die Besucherzahl auf 20 000 bis 30 000.
Balanceakt am Schlappseil
Jule Schuster (24) aus Weimar zeigt eine beeindruckende Nummer am Schlappseil, geschickte Balance und ein Spagat mit Blick in Seilrichtung, das Gesicht fröhlich entspannt. Auch hängt sie einmal unter dem Seil, die Beine waagerecht wie bei einem Spagat gespreizt. Der Kopf blickt unter einem der Beine hindurch. Spektakulär: Ein Sprung vom Seil mit Salto mündet direkt in eine Rolle auf den Matten.
Über dem Wallgraben hinweg ist ein Seil zwischen zwei großen Bäumen gespannt. Darauf balancieren Artisten vom Verein „Slacklining Bremen“. Ein Artist hält sich mit den Händen über dem Seil, die Beine ausgestreckt, quer zur Verlaufsrichtung des Seils – ein Kraftakt. Der Wind sorgt für kleine Wellen auf dem Wasser, aber zeitweise bewegen sich auch die hohen Baumkronen auf dem anderen Ufer etwas. Wenn der Wind stärker wird, dann wird es schwieriger für den Artisten auf dem Seil. Er muss viele Bewegungen machen, um das Gleichgewicht zu halten. Dadurch bewegt sich auf das Seil stark auf und ab, als ein kräftiger Windstoß aufkommt.
An der Kukoon-Bühne im Bereich Kunsthalle/Altenwall sitzen Besucher. Hier gibt es auch etwas zu essen und zu trinken. Die Gruppe „SchlickSticks“ aus Bremen trommelt Samba. Pulsierende Rhythmen. Immer wieder ist dabei eine Trillerpfeife zu hören. Auch auf der Straße „Am Wall“ sind Gruppen unterwegs – es ist ein großes Areal voller Karnevals- und Samba-Stimmung.

