- VonElisabeth Gnuschkeschließen
Im Vorfeld der Bürgerschaftswahl in Bremen haben wir mit den Spitzenkandidaten der Parteien gesprochen, die in Fraktionsstärke im bremischen Parlament vertreten sind. Heute: Thore Schäck, FDP.
Bremen – Die Wahlkampagne der Bremer FDP lässt durch pfiffige Slogans aufhorchen. Mit ihrem neuen Spitzenkandidaten Thore Schäck (37) will die FDP erneut den Sprung in die Bürgerschaft schaffen. Das dürfte nicht einfach werden, denn jetzt schießt die CDU im Kampf um Stimmen gegen die Liberalen. Wie es trotzdem klappen soll und welche Themen die FDP setzt, erzählt Schäck im Interview.
Herr Schäck , warum sollte man in Bremen die FDP wählen?
Wer eine Politik möchte, die sich um die wirklich wichtigen Dinge in Bremen kümmert – wie gute Bildung, mehr Sicherheit, fließenden Verkehr und eine starke Wirtschaft mit Arbeitsplätzen –, der ist bei der FDP richtig.
Der Spitzenkandidat der CDU, Frank Imhoff, hat sich jetzt sehr kritisch gegenüber der FDP geäußert. Wie begegnen Sie dem?
Wir sind für die CDU unbequem. Sie ist in vielen Positionen grüner als die Grünen und strebt schon lange eine Koalition mit den Grünen an. Dass wir als bürgerliche Partei das kritisieren, muss der CDU nicht gefallen. Sie ist in dieser Hinsicht – als bürgerliche Partei – eine Mogelpackung.
Thema Verkehr, das ja unmittelbar auch die vielen Pendler aus dem Umland betrifft: Die FDP bekennt sich klar zu Autos, deren Anzahl nimmt stetig zu. Was würde die FDP tun, um nach den heftig kritisierten grünen Experimenten den Verkehr auf der Martinistraße wieder in Gang zu bringen?
Wir stehen als einzige Partei klar zum Auto. Wir haben rund 300 000 Autos, Tendenz steigend, die müssen auch vernünftig durch die Stadt kommen. Und Bremen muss auch aus dem Umland mit dem Auto gut erreichbar sein. Deswegen ist für uns ganz klar: Der Blödsinn auf der Martinistraße muss beendet werden, die Autos müssen dort wieder gut durchkommen können.
Heißt konkret?
Wieder zwei Fahrspuren in jede Richtung für Autos, der Extra-Radweg auf der Fahrbahn muss weg. Auf dem breiten Bürgersteig und dem alten Radweg ist jede Menge Platz für Fußgänger und Radfahrer. Die Situation ist durch den Versuch für niemanden besser geworden. Das grüne Chaos muss endlich beendet werden! Die Martinistraße ist eine der Bremer Hauptverkehrsachsen und -zufahrtsstraßen. Statt Tempo 20 sollte hier wieder Tempo 50 gelten.
Die rot-grün-rote Koalition sieht kein Problem darin, wenn 1 000 Parkplätze in der City wegfallen. Wie bewerten Sie das?
Statistische Schönrechnerei hilft uns nicht. Wir brauchen Parkplätze in der Innenstadt, damit die Menschen auch mit dem Auto vernünftig in die City kommen können.
Thema Kriminalität: Immer wieder Überfälle, auch am helllichten Tag. Einige Menschen aus dem Umland haben Bremen bereits den Rücken gekehrt, und auch etliche Bremer gehen am Abend aus Angst vor Angriffen nicht mehr ins Theater oder Kino. Wie möchten Sie dieses Problem angehen?
Das stimmt, immer mehr Menschen fühlen sich in Bremen nicht mehr sicher. Daher müssen wir schnellstens mehr Polizisten ausbilden und auch mehr Seiteneinsteiger einstellen. Vor allem aber auch muss die Polizei technisch besser ausgestattet werden. Das ginge sofort. Beispielsweise mit Tablets in den Dienstwagen könnte ein Kollege schon während der Fahrt nach einem Einsatz den Bericht schreiben. Die bereits vorhandenen Drohnen müssen endlich zum Einsatz kommen dürfen, damit Polizisten nicht mehr auf eine Feuerwehrleiter klettern müssen, um Übersichtsfotos von Unfallstellen zu machen. Weiterer Punkt: Kartenlesegeräte, damit Strafzettel gleich an Ort und Stelle beglichen werden können. Das spart viel Papierkram. Selbst bei bestehender Stärke könnten die Ressourcen also viel besser genutzt werden, wenn man eine halbe Million Euro zur Verbesserung der Ausstattung in die Hand nimmt.
Außerdem brauchen wir für mehr Sicherheit eine bessere personelle Ausstattung von Justiz und Justizvollzug, damit Straftaten schnell geahndet werden. Der gesamte Rechtsstaat muss besser ausgestattet werden, Straftäter dürfen nicht mit ihren Straftaten durchkommen.
Und wie wollen Sie das finanzieren?
Das Geld ist da! Beispielsweise könnte man statt teurer Fahrrad-Premiumrouten die Polizei besser ausstatten. Und statt langjähriger, teurer Straßenbahnprojekte sollte Bremen besser Elektrobusse fahren lassen, die schnell einsatzbereit sind und deutlich weniger kosten. Dadurch würde Geld freiwerden.
Wie stehen Sie zur Ausbildungsabgabe, die von der Bremer Wirtschaft heftig kritisiert und abgelehnt wird?
In Bremen verlässt jeder zehnte Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Viele Ausbildungsbetriebe suchen händeringend nach Azubis, finden aber keine passenden, weil dies seit Jahren oftmals schon am Lesen, Schreiben und Rechnen scheitert. Das Problem lösen wir nicht, indem ausbildungswillige Betriebe mit einer Abgabe bes-traft werden. Stattdessen müssen wir endlich mal das Bremer Bildungssystem auf Vordermann bringen, damit jeder junge Mensch die Chance bekommt, etwas aus dem eigenen Leben zu machen und seinen Weg zu gehen.
Sie haben die Bildung schon angesprochen. Fehlende Lehrer, fehlende Erzieher, und auch dem Handwerk fehlt Nachwuchs. Wie will die FDP denn hier die Lage verbessern?
Wir brauchen mehr Geld im Bildungssystem für Lehrkräfte, Erzieher und Ausstattung. Und wir brauchen mehr Eigenständigkeit der Schulen in Sachen Verwaltung, Personal und Budget. Zudem muss endlich auch der Leistungsgedanke zurückkehren – dazu gehören für uns Noten ab der 3. Klasse.
Verheerend ist, dass Tausende von Kita-Plätzen fehlen. Wenn der rot-grün-rote Senat das nicht hinbekommt, muss er zumindest die machen lassen, die das machen wollen, also private Initiativen und Eltern.
In welcher Konstellation könnten Sie sich eine Regierungsbeteiligung der FDP vorstellen?
Gespräche mit ganz links und ganz rechts schließen wir aus. Mit allen anderen gehen wir ins Gespräch. Aktuell können wir uns allerdings keine Koalition mit den Grünen vorstellen. Die Bremer Grünen in ihrer jetzigen Verfassung, mit dem Hang zum Bevormunden, Gängeln und Verbieten, sollten keine Regierungsverantwortung mehr für Bremen bekommen. Politik muss sich an der Lebensrealität der Bremerinnen und Bremer orientieren, und nicht an grüner Ideologie.
Was ist Ihr persönliches Ziel bei der Wahl hinsichtlich des Stimmenanteils für die FDP?
Mit einem stärkeren Ergebnis als 2019 wieder in die Bremische Bürgerschaft einziehen, damals haben wir 5,9 Prozent erreicht.
Bürgerschaftswahl in Bremen: Thore Schäck (FDP)
Geburtstag: 5. August 1985 in Delmenhorst, aus der Klinik ging’s direkt zurück nach Hause – nach Bremen
Ausbildung und Beruf: Abitur an der Waldorfschule, Betriebswirtschaftsstudium an der Uni Bayreuth, Wirtschaftspsychologie an der Uni Bremen, Unternehmensberater in Frankfurt/Main, später u.a. Leiter Personalbereich bei „About You“ in Hamburg, seit 2020 Unternehmer im Online-Handel mit eigener Firma und Personalmanager im Bereich Erneuerbare Energien
Partei: Schäck ist seit 2015 Mitglied der FDP und seit Oktober 2020 Landesvorsitzender der Liberalen
Wohnort: Horn-Lehe
Familienstand: verheiratet
Freizeit: Sport, Lesen, Musik
Rubriklistenbild: © Gnuschke
