VonSebastian Petersschließen
Als Schutz vor möglichen Übergriffen an Silvester 2023/2024 werden vereinzelte Fahrzeuge der Feuerwehr mit Splitterschutzfolie ausgerüstet. Bodycams oder Dashcams bleiben aus.
Hamburg – Es waren Schlagzeilen, Bilder und Videos, die im letzten Jahr durch Deutschland gingen – Übergriffe auf Einsatzkräfte in der Silvesternacht. In Berlin haben Silvester-Krawallmacher einen Feuerlöscher auf die Frontscheibe eines fahrenden Rettungswagens der Berliner Feuerwehr geworfen. Feuerwehrkräfte in Hamburg wurden mit Feuerwerkskörpern angegriffen und verletzt. In Hamburg-Hausbruch wurden Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr sogar gezielt in einen Hinterhalt gelockt, um sie dort angreifen zu können.
Mehr Schutz für Hamburger Retter – Antrag auf Dashcams in der Bürgerschaft abgelehnt
Aufnahmen von Bodycams oder Dashcams gibt es davon allerdings nicht, weil die Feuerwehr keine hat. In einem Antrag der AFD-Fraktion in Hamburg forderten die Politiker genau diese für die Hamburger Feuerwehrleute. „Die Bodycams erhöhen nicht nur die Sicherheit der Polizeibeamten, sie sind auch wertvolle Instrumente für die Beweissicherung“, so die AFD-Fraktion in einem Antrag an die Bürgerschaft. Auch die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft fordert Dashcams für Einsatzkräfte der Feuerwehr. Bisher wurden, im Zusammenhang mit den Silvesterübergriffen in Hamburg 14 Tatverdächtige ermittelt. Das geht aus dem Antrag hervor.
Allerdings wurde der Antrag der AFD in der Hamburger Bürgerschaft von den anderen Parteien abgelehnt. Es wurde, so der stellvertretende Pressesprecher der SPD Fraktion Hamburg, ein altbekannter Versuch unternommen, unter Verwendung rassistischer Stereotypen ein verzerrtes Bild der Sachlage zu zeichnen. Es ist daher nicht verwunderlich, so Patrick Schembecker weiter, dass der Antrag weder bei Rot-Grün noch bei den übrigen Oppositionsfraktionen auf Zustimmung getroffen ist. Aber damit ist das Thema nicht vergessen.
Feuerwehr-Sicherheit: Evaluierung von Verbotszonen und Schutzmaßnahmen
Sören Schumacher, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Hamburg, sieht zwar einen erhöhten Handlungsbedarf aufgrund der Übergriffe an Silvester, allerdings sind noch keine Maßnahmen dagegen bekannt. Nach einem Antrag, der im März zusammen mit dem Koalitionspartner in die Hamburger Bürgerschaft beschlossen wurde, liegen noch keine Ergebnisse vor.
„Die Ergebnisse dieser Evaluation erwarten wir zeitnah“, so Schumacher. In dem Antrag geht es darum, die sogenannten „feuerwerksfreie Zonen“ auszuweiten und/oder weitere Verbotszonen in bestimmten Bereichen einzuführen. Hierzu sollen die Straftaten des vorherigen Jahreswechsels ausgewertet werden. „Verbotszonen für Böller und Feuerwerk an besonders stark frequentierten Orten wie dem Rathausmarkt und dem Jungfernstieg haben sich bereits in den vergangenen Jahren bewährt und das Einsatzgeschehen dort erheblich reduziert“, so Sören Schumacher gegenüber Ippen.Media.
Feuerwehr Hamburg rüstet Fahrzeuge auf – Splitterschutzfolie gegen Silvester-Krawalle
Während die Politik sich noch austauscht, welche Maßnahmen getroffen werden sollen, macht die Feuerwehr Hamburg „Nägel mit Köpfen“. Vereinzelte Fahrzeuge der Retter werden nun mit Splitterschutzfolie ausgestattet.
Nach Informationen, die Ippen.Media vorliegen, wurden 22 Fahrzeuge der Freiwillige Feuerwehren mit einer Splitterschutzfolie ausgestattet. Darunter fallen unter anderem die FF Schnelsen, FF Hausbruch, FF Lurup und auch die FF Billstedt-Horn. Auch Einsatzfahrzeuge der Berufsfeuerwehr werden mit Splitterschutzfolie ausgestattet, darunter fallen Rettungswagen und die Notarzteinsatzfahrzeuge.
Bodycams, wie die, die Polizei Hamburg schon einsetzt, wird es für die Feuerwehr Hamburg allerdings nicht geben – trotz der positiven Erfahrung der Ordnungshüter. „Der Einsatz und allein das sichtbare Tragen der Body-Cam stellt ein hervorragendes Einsatzmittel zur Deeskalation im Einsatzgeschehen dar“, so ein Beamter aus dem Vollzug. Ein weiterer sagte: „Potenzielle Gewalthandlungen und respektloses Verhalten werden bereits im Vorwege reguliert“. Ein Dritter: „Schafft Sicherheit für die eingesetzten Beamten.“
Ob eines Tages Bodycams bei der Feuerwehr eingesetzt werden, bleibt offen. Noch setzt die Feuerwehr, zusammen mit der Polizei, auf öffentliche Kampagnen, um Übergriffe auf Einsatzkräfte zu minimieren. Falls es bei der Feuerwehr doch zu Übergriffen kommen sollte, gibt es für die Einsatzkräfte ein neues und schnelleres Verfahren, um diese den Dienstherren zu melden.


