Volle Mülleimer

Unmengen Abfall durch Eis: Pappbecher-Müll befeuert hitzige Debatte – Eisdielen äußern sich

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Was wäre der Sommer ohne Eiscreme? Die süße Erfrischung hat allerdings eine Kehrseite: Es entstehen Unmengen an Müll.

Hamburg – Unzählige Pappbecher stapeln sich in dem Mülleimer einer Eisdiele in der Hamburger Innenstadt. Angesichts des Sommer-Wetters ist das ein Bild, dass sich bei den meisten Eisdielen in der Hansestadt zeigt: Die hohe Nachfrage hinsichtlich der süßen Erfrischung sorgt für Unmengen an Abfall, wenn Kunden das Eis mitnehmen, aber nicht in einer Waffel verzehren wollen. Dann bleiben nur Pappbecher, die anschließend weggeworfen werden.

Müll durch Eiscreme: Pappbecher-Abfall sorgt für Frust bei Hamburgern

Bei einigen Hamburgern fallen die Unmengen Müll, die durch den Eis-Verkauf zum Mitnehmen entstehen, negativ auf. Erst kürzlich wurde in einer Eimsbütteler Facebook-Gruppe hitzig darüber diskutiert. Anlass war der überquellende Mülleimer vor Luicella‘s Ice Cream in Eimsbüttel, einer Eisdiele, die in Hamburg mehrere Filialen hat. Eine Nutzerin wies darauf hin, dass es umweltfreundlicher sei, in der Eisdiele selbst zu verzehren oder eine Waffel zu nehmen. So ließe sich Müll „einfach vermeiden“. Der Post richtete sich an jene, die dies schlichtweg nicht wissen. Gut gemeint, aber Zündstoff für eine hitzige Debatte.

Luicella‘s Ice Cream geriet kürzlich zu Unrecht in den Fokus der Müll-Kritik. Zwar fällt auch hier mehr Abfall durch Pappbecher an, als sonst, diese sind allerdings biologisch abbaubar.

Neben Nutzern, die ihrem Ärger über den Müll freien Lauf ließen, echauffierten sich darüber, dass sie Eiswaffeln nicht mögen. Andere wiesen darauf hin, dass niemand vorschreiben könne, wie sie ihr Eis essen sollen. Auch die Eisdiele Luicella‘s Ice Cream selbst geriet in den Fokus der Kritik – allerdings zu Unrecht. „Schon seit mindestens fünf Jahren sind alle unsere Becher, ob im Einzelhandel die 500 ml Variante oder die Becher für ein, zwei oder drei Kugeln im Eisladen, biologisch abbaubar, das heißt kompostierbar“, sagt Markus Deibler, Gründer und Geschäftsführer, gegenüber 24hamburg.de.

Eisdiele hat eine Lösung für Müll-Problem: Kompostierbare Pappbecher bei Luicella‘s Ice Cream

Zwar werden die meisten davon bislang noch nicht kompostiert, so Deibler. Das liege allerdings auch in der Hand der städtischen Müllentsorgung. Darauf habe das Unternehmen keinen Einfluss. „Aber irgendwie muss man ja anfangen“, so Deibler. Es halte sich außerdem ungefähr die Waage, wie viele Menschen statt zur Waffel, zum Pappbecher greifen. Doch Luicella‘s Ice Cream legt auch an anderer Stelle großen Wert auf Nachhaltigkeit: „Von Anfang an haben wir Ökostrom bezogen.“ Dabei handele es sich um reinen Strom aus erneuerbaren Energien.

„Davon verbrauchen wir so wenig wie möglich, was wir zum Beispiel mit regelmäßigen Wartungen der Kühlgeräte sicherstellen“, erklärt Markus Deibler. Rohstoffe für die Eis-Herstellung bezieht das Unternehmen regional. „Milch zum Beispiel bekommen für von Kruses Hofmilch.“ Dadurch liege möglichst wenig Strecke zwischen der Kuh und den Eisdielen. Luicella‘s Ice Cream ist nicht die einzige, die den Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit legt.

Aufgrund der hohen Nachfrage wegen der sommerlichen Temperaturen stapelt sich überall in Hamburg der Müll vor den Eisdielen. (Symbolbild)

Die Eisdiele in der Lutterothstraße Eimsbüttel Eisbüttel bietet neben Plastiklöffeln auch essbare Löffel an. Auch hier ist „die Bude bumsvoll“, so die Betreiberin Ina Junge gegenüber 24hamburg.de. In ihrer Eisdiele versuche sie schon beim Einkauf der Waren darauf zu achten, dass möglichst wenig Müll durch Verpackungen entstehe. „Wo ich‘s mache, mache ich‘s“, antwortet sie auf die Frage, an welchen Stellen sie auf Nachhaltigkeit Wert legt. Kunden können in ihrer Eisdiele auch Mehrwegbecher für Kaffee „to-go“ erwerben.

Lösung gegen Müll: Wiederverwendbare Eisbecher von Recup - 150 Eisverkäufer deutschlandweit sind dabei

Nicht alle Eisdielen in Hamburg haben die Möglichkeit, dies umzusetzen. Auch das Eiscafé Dolce & Gelato, in der Hamburger Innenstadt, hat wegen des derzeitigen Sommer-Wetters ebenfalls viel zu tun. „Hier ist die Hölle los“, sagt ein Mitarbeiter gegenüber 24hamburg.de. Auch hier werden vermehrt Pappbecher weggeschmissen, als an kühlen Tagen. Die Becher sind nicht biologisch abbaubar. Allerdings betont er 26-Jährige, dass deutlich mehr Waffeln verkauft werden. Pappbecher werden weniger gewünscht. Weitere Eisdielen konnte 24hamburg.de leider nicht erreichen. Aus einer Übersicht von recup.de geht allerdings hervor, dass einige Eis-Verkäufer Wert auf Nachhaltigkeit legen.

Deutschlandweit: So funktioniert das Mehrweg-Modell von „Recup“ – Wichtige Infos

Zunächst einmal sind alle Recup-Bechern und Schüsseln recyclebar. Jedes einzelne Produkt kann bis zu 1000 Mal wiederverwendet werden und ersetzt somit dieselbe Anzahl an Einwegbechern. Jede Rebowl kann 500 Mal verwendet werden. Eine große Hilfe, denn deutschlandweit werden laut Hersteller jährlich 5,8 Milliarden Getränkebecher im Restmüll entsorgt und werden verbrannt. Die wiederverwendbaren Becher und Schüsseln wirken dem entgegen. Auf der Website recup.de oder in einer App können alle Eisdielen, aber auch andere Partner, die über Recup-Behälter verfügen, eingesehen werden. „To-go-Genießer bestellen ihren Eisbecher oder Eiskaffee im RECUP bzw. der REBOWL und hinterlegen Pfand.“ Um das Pfand zurückzuerhalten, können Kunden die leeren Behälter bei allen über 21.000 RECUP/REBOWL-Partnern deutschlandweit wieder abgeben, so der Hersteller.

So gibt es in diversen Eisdielen, darunter auch San Remo, Eiscafé Dante und bei Nice & Creamy die Möglichkeit, die wiederverwendbare Eisbecher gegen Pfand verleihen. „An über 150 Eisdielen in Deutschland haben Kunden bereits die Möglichkeit, Eis und Eiskaffee ohne Müll in RECUP-Mehrwegbechern oder REBOWL-Mehrwegschalen mitzunehmen und so aktiv Einwegmüll zu reduzieren“, so Recup in einer Pressemitteilung. Ob in München, Köln oder Hamburg – Die leeren Behälter können bei allen Partner-Filialen deutschlandweit abgegeben werden.

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