VonMarvin Köhnkenschließen
Die Großdemonstration gegen Rechts in Hamburg war größer als angenommen. Neue Zahlen enthüllen nun wohl die tatsächliche Teilnehmerzahl.
Hamburg – Die Großdemonstration gegen Rechtsextremismus, die Mitte Januar in Hamburg wegen Überfüllung vorzeitig beendet wurde, zog weit mehr Teilnehmer an, als die Polizei ursprünglich berichtete. Eine Überprüfung, die von der Innenbehörde auf Anfrage durchgeführt wurde, ergab, dass sich am 19. Januar am Jungfernstieg und in den angrenzenden Straßen schätzungsweise mindestens 180.000 Menschen versammelt hatten. Das erklärte Kazim Abaci, Mitorganisator der Demonstration, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter und Geschäftsführer des Vereins Unternehmer ohne Grenzen, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Am Tag der Demonstration hatte die Polizei „Hamburg steht auf – Gegen Rechtsextremismus und neonazistische Netzwerke“ lediglich eine Teilnehmerzahl von 50.000 angegeben. Abaci sprach zunächst von 130.000 Demonstranten; die Organisatoren korrigierten diese Zahl später auf 80.000 Teilnehmer, basierend auf den Angaben der Polizei. Die Veranstaltung wurde aufgrund des enormen Andrangs und Sicherheitsbedenken kurz nach Beginn abgebrochen.
Ständiger Zulauf erschwerte laut Andy Grote Zählung bei Demo in Hamburg
Andy Grote, Innensenator der SPD, begründete die ursprünglich stark unterschätzte Teilnehmerzahl am Donnerstag mit der schwierigen Situation. „Das hat damit zu tun, dass wir ständig weiteren Zulauf hatten, dass es eine unübersichtliche Situation vor Ort war.“ Die herkömmliche Zählweise sei an ihre Grenzen gestoßen. Die Schätzung habe sich hauptsächlich auf die angemeldete Versammlungsfläche am Jungfernstieg bezogen, „Und alles, was sich dann noch so weiter drumherum abgespielt hat, ist dann nicht mehr vollständig in die Betrachtungen gekommen.“ fügte er hinzu.
Abaci äußerte sich beeindruckt über die neuen Zahlen: „Ich bin stolz auf die Stadt und stolz, ein Hamburger zu sein, weil das ein gigantisches Zeichen für Demokratie und Zusammenhalt ist.“ Statistisch gesehen sei jeder zehnte Einwohner an diesem Tag gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen, „Das ist historisch“ erklärte er.
Nach der Demonstration erhielt Abaci laut SPD zahlreiche Beleidigungen und Drohungen aus rechtsextremen Kreisen. Viele Teilnehmer der Kundgebung waren von den Zahlen der Polizei irritiert und fragten bei ihm nach, weshalb er die Innenbehörde per E-Mail um eine Überprüfung bat, so der Bürgerschaftsabgeordnete.
In der Antwort der Behörde, die der dpa vorliegt, wird auf Basis der Auswertung öffentlich zugänglicher Bilder eine Versammlungsfläche von etwa 60.000 Quadratmetern angenommen. „Unter Zugrundelegung eines Erfahrungswertes von drei Personen je Quadratmeter ergibt sich rechnerisch eine Größenordnung von 180.000 Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmern“, heißt es in dem Schreiben.
Überprüfung nach Demo gegen Rechts in Hamburg nur ausnahmsweise erfolgt
Die Innenbehörde wies darauf hin, dass die Überprüfung nur ausnahmsweise und „aufgrund des besonderen Charakters, der besonderen Größenordnung und des öffentlichen Interesses an der Teilnehmendenzahl“ durchgeführt wurde. „Eine nachträgliche Berechnung, wie oben dargestellt - anhand von Flächengrößen - ist polizeilich im Normalfall nicht vorgesehen.“
Abaci bezeichnete die Schätzung immer noch als „konservativ“, da die Menschen vor der Bühne am Jungfernstieg so dicht gedrängt standen, dass von mehr als drei Personen pro Quadratmeter ausgegangen werden müsse, erklärte er. „Außerdem konnten viele Menschen wegen überfüllter U- und S-Bahnen gar nicht erst bis zur Kundgebung gelangen.“
Die Demonstration wurde organisiert, nachdem das Medienhaus Correctiv über ein Treffen radikaler Rechter mit einzelnen Politikern von AfD, CDU und Werteunion in Potsdam berichtet hatte. Dort hatte Martin Sellner, ehemaliger Anführer der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, nach eigenen Angaben über das Konzept der „Remigration“ gesprochen. Wenn Rechtsextreme diesen Begriff verwenden, beziehen sie sich in der Regel darauf, dass eine große Anzahl von Menschen mit ausländischer Herkunft das Land verlassen soll - auch unter Zwang.
Die AfD hatte die berichteten Teilnehmerzahlen kurz nach der Demonstration in Frage gestellt und von Medienmanipulationen gesprochen. „Bestellte Massen demonstrieren gegen die AfD. Doch bei den in den Medien veröffentlichten Bildern fallen inzwischen zahlreiche Fälle von Bildmanipulationen auf. Warum haben sie das nötig?“, postete der vom Landesverfassungsschutz als Rechtsextremist eingestufte Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke auf der Plattform X (ehemals Twitter) in Bezug auf ein von der dpa veröffentlichtes Bild von der Demonstration. Faktenchecks widerlegten jegliche Manipulation. (dpa)
Hinweis: Der Redakteur Marvin Köhnken hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.
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