Baubeginn schon im April

115 Arbeitsplätze: Stiebel Eltron baut ein neues Werk in Eschwege

+
Auf dem 34 000 Quadratmeter großen Grundstück im Eschweger Gewerbegebiet an der Thüringer Straße sollen spätestens ab dem zweiten Quartal die Bagger für das neue Werk von Stiebel Eltron rollen.
  • schließen

Die größte Industrieinvestition seit der Wiedervereinigung in Eschwege ist unter Dach und Fach. Die Unternehmensgruppe Stiebel Eltron plant die Erweiterung ihrer Kunststofffertigung.

Eschwege – Dafür haben sie ein Grundstück in unmittelbarer Nähe des bestehenden Standortes im Gewerbegebiet an der Thüringer Straße erworben. Der Kaufvertrag wurde jetzt in Holzminden von Vertretern der Stadt Eschwege und des Unternehmens unterzeichnet.

Stiebel Eltron investiert einen zweistelligen Millionenbetrag, um am Standort Eschwege seine Kapazitäten langfristig ausbauen zu können. „Kunststoff nimmt eine zunehmend wichtigere Rolle ein bei unseren Produkten – nicht nur bei den klassischen Haustechnikgeräten wie Durchlauferhitzern und Kleinspeichern, sondern auch bei Lüftungsanlagen und Wärmepumpen“, sagt Tatjana Klassen, Leiterin des Profit-Centers Haustechnik. Stiebel Eltron will nach Brancheninformationen unabhängiger vom Weltmarkt werden und einzelne Komponenten selbst produzieren. Im April hatte Stiebel den Ausbau seiner Wärmepumpen-Produktion angekündigt. Dafür wolle es 450 Millionen Euro allein in sein Stammwerk in Holzminden investieren.

Baustart schon in den nächsten Wochen

Relativ kurzfristig sollen die ersten Baumaßnahmen auf dem neuen Grundstück an der Thüringer Straße angegangen werden. „Es gibt bereits sehr weit fortgeschrittene Planungen“, so Klassen. Insgesamt wird es voraussichtlich drei Bauabschnitte geben, die nacheinander realisiert werden sollen. Stiebel startet mit einer neuen Halle für die Kunststofffertigung, ehe dann in den folgenden Jahren eine Montagehalle und eine Logistikhalle gebaut werden. ts

An der Kapazitätserweiterung in Eschwege hält Stiebel fest, obwohl „die Nachfrage nach Wärmepumpen in Deutschland seit Herbst spürbar gesunken ist und im Moment auf einem äußerst niedrigen Niveau verharrt“, wie Dr. Kai Schiefelbein, Vorsitzender der Geschäftsführung, mitteilt. Branchenprognosen zufolge steige der Bedarf an Wärmepumpen auf ca. 500 000 bis 700 000 pro Jahr in Deutschland an. „Deswegen ist es weiterhin wichtig, in den Produktionskapazitätsaufbau zu investieren“, sagt Schiefelbein. Nach Informationen unserer Zeitung plant das Unternehmen, 115 neue Arbeitsplätze in dem Werk zu schaffen.

„Die Erweiterung ist ein positives Zeichen für Eschwege“, sagt Bürgermeister Alexander Heppe, der den Kaufvertrag für die Stadt unterzeichnet hat. Die neue Kunststofffertigung soll noch 2024 realisiert werden. Der Baubeginn soll spätestens im April erfolgen. „Eine Investition in der Größenordnung wirkt positiv auf unsere Wirtschaftsregion“, sagt Dr. Lars Kleeberg von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG). Sie zeige, dass der Werra-Meißner-Kreis ein attraktiver Standort für die wirtschaftliche Entwicklung von Industriebetrieben sei.

Planungen für neues Werk von Stiebel Eltron laufen seit Monaten

Bereits im Spätsommer hatten die politischen Gremien in Eschwege den Weg für den Kauf des Grundstücks an der Thüringer Straße frei gemacht. Genannt werden durfte das Unternehmen, das Millionen in der Kreisstadt investieren wollte, allerdings nicht. Seitdem steht der Name Stiebel Eltron wie ein Elefant im Raum, eine offizielle Bestätigung gab es dafür aber nicht – bis jetzt die Tinte unter dem Kaufvertrag trocken war.

Im Hintergrund wurde in den vergangenen Monaten der Baubeginn intensiv vorbereitet. Deswegen wurde der Baubeginn jetzt schon auf April anvisiert. Das 34 000 Quadratmeter große Grundstück an der Thüringer Straße ist das letzte in dem Eschweger Gewerbegebiet. Derzeit lässt es die Stadt Eschwege vorbereiten, weil hier noch Aushub von den benachbarten Glasfaserarbeiten liegt.

Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dr. Lars Kleeberg ist froh, dass Stiebel Eltron die Investitionsentscheidung zugunsten der Region getroffen hat. „Wir freuen uns über diesen gemeinsamen Erfolg, das Bekenntnis zur Region und die damit verbundene zukunftsweisende Standortsicherung.“ Dieser Schritt von Stiebel Eltron sei ein klares Bekenntnis zu Eschwege als attraktiver Standort, sagte auch Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe nach der Vertragsunterzeichnung. Die neuen Arbeitsplätze eröffneten berufliche Perspektiven „und als Familienstadt hoffen wir, noch mehr Familien ein Zuhause zu geben“.

Stiebel Eltron wurde 1924 in Berlin gegründet

Das seit 1943 in Holzminden ansässige Unternehmen existiert seit 1924. Fast 6000 Mitarbeitende gibt es inzwischen weltweit in dem Familienunternehmen. Mit den zumeist eigenen Produkten gehört Stiebel Eltron weltweit zu den Markt- und Technologieführern in den Bereichen Haustechnik und grüner Technologie. Weltweit gibt es vier nationale und vier internationale Produktionsstätten mit 26 Vertriebsgesellschaften und mehr als 120 Vertriebsorganisationen und Vertretungen. Der Jahresumsatz mit den produzierten Warmwassergeräten, Wärmepumpen, Lüftungsanlagen und Raumheizgeräten betrug 2022 rund 1,1 Milliarden Euro.

Stiebel Eltron seit 1972 in Eschwege

In Eschwege ist Stiebel Eltron seit 1972 zu Hause. Damals übernahmen sie die Anlagen des Eschweger Betriebs Prometheus, der elektrische Haushaltsgeräte wie Heizlüfter, Staubsauger oder Toaster herstellte, am Baumesrain zwischen Eschwege und Niederhone. Hier wurden zunächst Kochendwassergeräte, Händetrockner und Warmwasserspeicher hergestellt. Das Werk trägt außerdem die Endgeräteverantwortung für Serienprodukte und ist zugleich Kompetenzzentrum für Kunststofftechnik der Unternehmensgruppe. 2019 wurde der Standort für rund 14 Millionen Euro ausgebaut.

Nahezu alle Kunststoffteile, die in der Unternehmensgruppe benötigt werden, kommen von den 175 Mitarbeitern aus Eschwege. Den größten Umfang stellt die Spritzgießtechnik thermoplastischer Bauteile dar. Neben der reinen Herstellung der Bauteile bildet die Konstruktion und Herstellung von Spritzgießformen eine der zentralen Kompetenzsäulen des Werkes.

Kunststofffertigung von Stiebel Eltron soll noch 2024 fertig sein

Durch die neue Kunststofffertigung, die noch in 2024 realisiert werden soll, sei man dann in der Lage, auch größere Kunststoffteile zu produzieren, die am bisherigen Standort nicht hätten gefertigt werden können – die aber für den Bereich Systemtechnik benötigt würden. Es sei eine zukunftsorientierte Investition in eine nachhaltigere Zukunft, so Heppe weiter. Vor Ort entstünden wegweisende Technologien. (Tobias Stück)

Kommentare