Wer jetzt noch einen Ausbildungsplatz sucht, der hat richtig gute Chancen. Die Arbeitsagentur, die Kammern und die Betriebe bemühen sich um die Bewerber.
Für junge Leute, die bis jetzt noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, gibt es noch beste Chancen auf eine Lehrstelle. Laut Göttingens Agentur für Arbeit sind 913 von 2147 Lehrstellen beziehungsweise duale Studienangebote nach dem Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August noch immer nicht besetzt.
Laut Agentur für Arbeit gibt verschiedene Gründe für die Entwicklung. Da wäre zunächst der demografische Wandel. Es gehen inzwischen mehr Beschäftigte in den Ruhestand als Jugendliche neu in den Arbeitsmarkt kommen.
Junge Leute gehen länger zur Schule
Grund Nummer zwei: Nach wie vor beobachten die Arbeitsmarktexperten bei Jugendlichen den Trend, länger zur Schule zu gehen beziehungsweise vor dem Einstieg in den Beruf ein Studium zu absolvieren. Dabei macht die Agentur seit Jahren deutlich, dass ein Studium nicht der Königsweg ist und es auch im Handwerk hervorragende Aufstiegschancen gibt.
Ein weiteres Problem: Häufig entspricht die Vorstellung, die Jugendliche von einem Beruf haben, nicht unbedingt der beruflichen Wirklichkeit. „Daher werben uns Berufsberater offensiv dafür, sich bei kurzen Praktika selbst ein Bild zu machen“, heißt es von der Göttinger Agentur. Denn viele Berufe verändert sich aufgrund der technischen Neuerungen rasant und haben nicht mehr viel mit dem althergebrachten Image zu tun.
Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Und manchmal scheitert es einfach darn, dass der Ausbildungsbetrieb nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, der benötigte Schulabschluss nicht vorhanden ist oder der Bewerber mit seinem Zeugnis nicht überzeugen kann und erst gar keine Chance bekommt, sich persönlich vorzustellen. „Obwohl sich hinter schlechten Noten vielleicht ein toller Praktiker oder eine patente Auszubildende verbergen könnte“, wirbt die Göttinger Arbeitsagentur für potenzielle Auszubildenden.
Laut den aktuellen Zahlen gibt es immer noch auch in besonders beliebten Berufen offene Ausbildungsstellen. So sind im Bereich Göttingen nach wie vor offene Lehrstellen für Kaufleute im Einzelhandel (80), Verkäufer (61), Zahnmedizinische Fachangestelle (46), Medizinische Fachangestellte, Logistik-Fachkräfte (29), Köche (27) und Berufskraftfahrer (26) zu vergeben.
Agenturchefin macht Mut
Die Göttinger Agenturchefin Klaudia Silbermann macht Mut: „Wir eröffnen junge Menschen berufliche Einstiegsperspektiven.“
Berufsberater stehen für Gespräche bereit
Um jungen Leuten Chancen beim Übergang in die Arbeitswelt aufzuzeigen, stehen Berufsberatung und Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit am Donnerstag, 10. August, von 13 bis 18 Uhr im Göttinger Kauf-Park für Fragen und Beratung zur Verfügung. Dabei wird auch über berufsvorbereitenden Bildungsmöglichkeiten informiert. Das Angebot richtet sich an junge Leute, die noch keine Idee haben, in welche Richtung es beruflich gehen soll. (bsc)
Betriebe fragen bei den Kammern an
Die Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen und die für Südniedersachsen zuständige Industrie- und Handelskammer machen Bewerbern Mut, sich schnell auf attraktive Lehrstellen zu bewerben.
„Im Moment rufen uns Mitgliedsbetriebe an und fragen, ob wir ihnen noch Bewerberinnen und Bewerber für sehr interessante und vor allem krisensichere Ausbildungsberufe vermitteln können“, sagt Alexander Patzer, Gruppenleiter „Passgenaue Besetzung“ bei der Handwerkskammer HildesheimSüdniedersachsen. Zwar hatte die Handwerkskammer Ende Juni einen deutlichen Zuwachs bei den neu eingetragenen Lehrverhältnissen verzeichnen, aber in vielen Berufen ist der Bedarf nach Fachkräften jedoch so hoch, dass die Betriebe weiterhin auf der Suche sind.
Viele interessante Angebote
Offene Lehrstellen gibt es beispielsweise im Klimahandwerken Elektroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Maler und Lackierer, Dachdecker und Tischler. Auch in den Berufen Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Feinwerkmechaniker, Kraftfahrzeugmechatroniker und vielen anderen haben Schulabgänger noch richtig gute Chancen, auch nach dem 1. August ihre berufliche Karriere im Handwerk zu starten.
„Niemand muss nach den Ferien ohne Ausbildungsplatz dastehen. Die Vermittlung an die Ausbildungsbetriebe läuft über uns. Schüler oder ältere Interessenten müssen einfach nur den Kontakt zu uns Beratern aus der Passgenauen Besetzung aufnehmen. Wir kümmern uns gemeinsam um die Bewerbung“, macht Patzer für die Handwerkskammer deutlich.
Die Ausbildung in einem der insgesamt 130 Handwerksberufe richtet sich an Schulabgänger von allen Schulformen – ganz gleich welchen Alters oder Geschlechts. Viele der im Schnitt dreijährigen Ausbildungsberufe gehören zu den nachhaltigen Zukunftsbranchen, die schon heute maßgeblich zur Klima- und Mobilitätswende beitragen.
Auch IHK-Mitgliedsunternehmen suchen
Auch bei den Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover wird händeringend gesucht: „Die Unternehmen bemühen sich sehr intensiv darum, Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen“, sagt Silke Richter, Leiterin der Berufsbildung bei der IHK Hannover. „Alle ausbildungsreifen und ausbildungswilligen Jugendlichen haben daher hervorragende Chancen, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden.“
Unabhängig vom Schulabschluss sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz heute so groß wie selten zuvor, so die Einschätzung der IHK. Die Unternehmen suchen weiterhin intensiv Nachwuchskräfte. Ein Ausbildungsbeginn ist zum 1. September oder auch später noch möglich. Besonders gesucht sind Auszubildende in der Logistik, im Handel und bei den Kaufleuten für Büromanagement.
Chancen in vielen Bereichen
Aber auch im IT-Bereich und in gewerblich-technischen Berufen – zum Beispiel für eine Ausbildung zum Industriemechaniker oder zum Tiefbaufacharbeiter – gibt es noch Angebote. Die Erfahrung zeigt laut IHK darüber hinaus, dass regelmäßig Hunderte Jugendliche ihre Ausbildung zum 1. August aus den verschiedensten Gründen nicht antreten. (Bernd Schlegel)