150 Parkplätze

Autofreie Liegewiese und Baden ohne Aufsicht - was die Stadt Schlitz am Pfordter See plant

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In den vergangenen Jahren durfte nur dann im Pfordter See geschwommen werden, wenn die grüne Flagge gehisst und somit eine Badeaufsicht des DLRG vor Ort war. Nun gibt es „die Möglichkeit, das Baden auf eigene Gefahr zu erlauben – dann aber ohne Rettungsschwimmer“. (Archivfoto)
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Eine autofreie Liegewiese, kostenlose Parkplätze und eine Konzentration auf die dem Wald zugekehrte Seeseite. Das sind wesentliche Ziele der Stadt Schlitz für den Pfordter See.

Pfordt - Die Situation dort ist seit langem alles andere als zufriedenstellend: Lärm durch Partys, vermüllte Landschaft, Personalsorgen bei der Badeaufsicht und am Straßenrand parkende Autos sind nur vier Stichworte für eine komplexe Problematik. Eine neue Park- und Badeordnung soll nun ein Schritt in Richtung Abhilfe sein. Im Haupt-, Finanz-, Wirtschafts- und Arbeitsausschuss der Stadtverordnetenversammlung stellte Bürgermeister Heiko Siemon (CDU) diese vor. Sie wurden einstimmig der Stadtverordnetenversammlung zur Annahme empfohlen.

Neue Vorgaben für den Pfordter See im Vogelsberg ab 29. Juni

„Der See beschäftigt uns schon mehrere Jahre und Legislaturperioden. Mit den Verordnungen machen wir einen ersten Schritt, um dort Klarheit und eine Regelung reinzubringen – in Abstimmung mit dem Landkreis, der Unteren Naturschutz- und der Unteren Wasserbehörde und der Bauaufsicht“, erläuterte Siemon die Zielsetzung.

Eine wesentliche Änderung ist eine „neue Parkfläche links vom Radweg in Richtung Üllershausen von der Kreuzung aus“. Diese sei inzwischen gemulcht und angesät worden. „Vom Rad- und Wirtschaftsweg aus reicht die Fläche 40 Meter nach oben. Sie ist 150 Meter lang. Wenn ordentlich geparkt wird, passen da etwa 150 Autos in drei Reihen hin.“

Ob dies mit dem Ortsbeirat und dem betroffenen Landwirt abgesprochen sei, wollte Frank Döring (SPD) wissen: Der Ortsbeirat war laut Bürgermeister nicht eingebunden, er habe aber mit Ortsvorsteher Herbert Schlosser telefoniert. „Es gab Irritationen mit Wünschen. Aber es gab kein Wunschkonzert. Was wir jetzt machen, ist das Maximum dessen, was bei den Behörden durchzusetzen war“, deutete der Rathauschef an, dass er gerne weitergehende Änderungen herbeigeführt hätte.

Da die Autos „wie an einer Perlenkette“ parallel zum See parken können wird im Gegenzug die Liegewiese komplett abgesperrt – „mit großen Steinen, da die Schranke immer wieder aufgebrochen wurde“ – und auch aus Gründen des Naturschutzes nicht mehr befahrbar sein. Erlaubt worden seien von den Behörden „zwei bis drei kleine Veranstaltungen auf der Liegewiese. Das heißt, dort dürfen ein Food-Truck und eine kleine Bühne hin“. So solle der See vor Verunreinigungen geschützt werden.

In den vergangenen Jahren durfte nur dann im Pfordter See geschwommen werden, wenn die grüne Flagge gehisst und somit eine Badeaufsicht des DLRG vor Ort war. Nun gibt es „die Möglichkeit, das Baden auf eigene Gefahr zu erlauben – dann aber ohne Rettungsschwimmer“. Stattdessen, so Siemon, werde es Rettungsringe und eine Notrufsäule des DLRG geben. Letztere sei autark, was die Stromversorgung angehe, und stelle eine Verbindung zur Rettungsleitstelle her.

Schwimmen im Pfordter See ab 29. Juni bis 3. September erlaubt

„Das Ganze haben wir in eine Badeordnung gefasst. Diese enthält auch ein paar Dinge, die ebenfalls in der geplanten Gefahrenabwehrverordnung enthalten sind. So sind Glasflaschen und offenes Feuer verboten“, betonte Siemon. Campingfahrzeuge würden auf dem Parkplatz nur für einen Tag geduldet. Erst, wenn alles ausgeschildert sei, werde die Verordnung in Kraft treten. Da das Schwimmen im Pfordter See ohnehin erst ab 29. Juni bis zum 3. September erlaubt ist, bleibt dafür noch etwas Zeit.

Die Neuerung bedeutet, dass sich das Badegeschehen am See künftig ausschließlich auf der dem Wald zugekehrten Seite abspielen wird. Die Wiese neben der jetzigen DLRG-Station darf nicht betreten werden – aus Naturschutzgründen. Das ist bereits jetzt der Fall. Siemon: „Wir werden dort allenfalls zwei Mal im Jahr mähen. Damit wird diese Liegewiese unattraktiv, zumal auf der Waldseite genug Platz ist.“ Für die Angler sei eine Regelung getroffen worden. Insgesamt handele es sich „um einen ersten Schritt in diesem sehr natürlichen Erholungsgebiet“. Auf Sicht müsse an „feste Toiletten gedacht werden. Aber das ist Zukunftsmusik. Wir nehmen das erste Jahr als Lehre“.

Ich regele nicht mit einer Verordnung die Dummheit der Leute.

Frank Döring (SPD) zu den Aussuchten die Situation zu verbessern

Döring fand die Lösung mit einem großen Stein „sinnvoll und richtig“, fragte aber nach einem Zugang für Rettungswagen. Einen solchen wird es nicht geben, da „die Entfernungen ähnlich wie bei anderen Einsätzen“ seien. In Zeiten mit extrem hohen Besucherzahlen werde sporadisch weiterhin ein Sicherheitsdienst eingesetzt.

Ihm sei bewusst, dass die neuen Vorgaben „nicht zu 100 Prozent“ eingehalten würden: „Nach der Saison werden wir das kritisch bewerten und unsere Schlüsse ziehen.“ Den Wegfall der Parkgebühren will die Stadt durch geringere Kosten bei Rettungsschwimmern und Sicherheitsdienst auffangen.

„Ich bin begeistert und froh, dass die Verwaltung das Thema angeht. Es ist vielen Schlitzerländern ein Dorn im Auge, wie dort mit der Natur und den Anlagen umgegangen wird. Das ist ein haltloser Zustand“, hob Markus Landgraf (CDU) hervor.

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