VonAnnette Schleglschließen
Jens Joachimschließen
Erstmals ist nun auch im Kreis Bergstraße ein infiziertes Wildschwein gefunden worden. Die Jagd soll nun in der Pufferzone, die nun Sperrzone I heißt, intensiviert werden.
Einhausen/Südhessen - Erstmals ist im Süden von Hessen nun auch im Kreis Bergstraße ein Fall von Afrikanischer Schweinepest bestätigt worden. Wie das hessische Landwirtschaftsministerium in Wiesbaden am Wochenende mitteilte, wurde ein totes Wildschwein positiv auf die Tierseuche getestet. Das tote Tier war westlich der Gemeinde Einhausen von einem Landwirt am Rande eines Feldes gefunden worden. Der Bauer hatte es entdeckt, als er seine Felder mit einer Drohne absuchen ließ, um die Genehmigung für die anstehende Ernte zu bekommen.
Landwirte müssen derzeit wegen des Ausbruchs der Schweinepest sicherstellen, dass ihre Flächen frei von Schwarzwild sind, ehe sie mit ihren Maschinen auf die Felder dürfen. Der neue Fall führt nun zur Erweiterung der Sperrzonen wegen der Tierseuche – nach Angaben des Ministeriums fallen im Landkreis Bergstraße weitere rund 50 schweinehaltende Betriebe in die neu gezogenen Sperrzonen I und II.
Afrikanische Schweinepest: Einschränkungen nun auch in Baden-Württemberg
Erstmals seit dem Ausbruch der Schweinepest Mitte Juni gibt es nun auch in Baden-Württemberg Einschränkungen, Teile von Mannheim und des Rhein-Neckar-Kreises liegen nach Angaben des Ministeriums künftig innerhalb der neuen Sperrzonen I und II. Entsprechend einer EU-Vorgabe wird die frühere Restriktionszone von den Behörden nun als „Sperrzone II“ und die sich daran anschließende Pufferzone als „Sperrzone I“ bezeichnet.
Innerhalb der Sperrzone II gilt eine strikte Leinenpflicht für Hunde, außerdem dürfen die Wege nicht verlassen werden. Ferner gilt dort ein Jagdverbot, Arbeiten mit Maschinen auf landwirtschaftlichen Flächen müssen von den örtlichen Veterinärbehörden genehmigt werden. Alle Schweinehalter in der betroffenen Region sind gegenwärtig von den Behörden dazu aufgefordert, ihre Bestände täglich auf Krankheiten zu untersuchen und diese dem Veterinäramt des Kreises zu melden.
Südhessen: Jagd auf Wildschweine in der Pufferzone, die jetzt „Sperrzone I“ heißt
In der Sperrzone I werden Jägerinnen und Jäger nun zu verstärkter Jagd aufgerufen. „Ziel ist, die Wildschweinpopulation in diesem Bereich deutlich zu verringern, um die Ansteckungsgefahr für die Wildschweine einzudämmen“, erklärte das Ministerium. Die Rechnung ist einfach: Keine Wildschweine mehr, keine Schweinepest mehr.
Um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu unterbinden, wird nun an der südlichen Grenze des Landkreises Bergstraße die Region entlang beider Seiten der Landesgrenze nach toten Tieren abgesucht. Dabei sollen Drohnen und Hundeteams zum Einsatz kommen. Außerdem wird die Aufstellung von Elektrozäunen so angepasst, dass vorrangig eine Ausbreitung des Virus in Richtung Süden vermieden werden soll. Die Zäune sollen die Wanderung infizierter Tiere nach außen verhindern.
Jäger verstärkt bei der Bekämpfung der Schweinepest in Südhessen gefordert
Nach dem Ausbruch der Schweinepest in Hessen Mitte Juni, als bei Rüsselsheim-Königstädten eine infizierte tote Bache in der Nähe einer Landstraße gefunden wurde, sind neben den Landwirten auch Jägerinnen und Jäger massiv gefordert. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, werde die Expertise in vielerlei Hinsicht eingebracht, sagte Markus Stifter, Sprecher des Landesjagdverbands, auf dpa-Anfrage.
Unter anderem werde mit Wildkameras die Population überwacht und mit rund 50 ausgebildeten Kadaversuchhund-Gespannen nach toten Wildschweinen gesucht. Zudem würden weiterhin Landwirte bei der Ernte unterstützt – hier gehe die Hauptzeit aber dem Ende zu. Stifter sagte am Sonntag in einem Onlinegespräch, er gehe nicht davon aus, dass dieses Jahr noch innerhalb der Sperrzone II gejagt werden könne.
Schweinepest in Südhessen: Mit Drohnen auf der Suche nach Wildschweinkadavern
„Derzeit sind noch rund 20 Drohnen täglich im Ernteeinsatz unterwegs, da die abzuerntenden Flächen am selben Tag vor der Ernte mit einer Wärmebilddrohne überflogen werden müssen“, erklärte Stifter. „So soll möglichst ausgeschlossen werden, dass sich lebende oder auch tote Wildschweine in den Ackerflächen befinden.“ Schwarzwildkadaver könnten ansonsten etwa das Getreide mit dem Virus kontaminieren oder möglicherweise infizierte Tiere könnten vertrieben werden und die Krankheit verbreiten.
„Wir sind auf verschiedenen Ebenen aktiv, um diese fürchterliche Seuche mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen und lokal zu begrenzen“, bekräftigte der Sprecher des Landesjagdverbands. „Es ist nahezu unerträglich zu sehen, wie die Wildschweine so qualvoll verenden.“ Auch die Landwirte mit Schweinehaltung litten massiv, einige Betriebe dürften wirtschaftlich vor dem Aus stehen.
In Riedstadt-Erfelden im Kreis Groß-Gerau entsteht eine Kadaversammelstelle
Stifter warb bei den Bürgerinnen und Bürgern für Verständnis etwa für die Leinenpflicht. Diese sei wichtig im Kampf gegen das Virus, auch wenn die Schweinepest für Menschen und Haustiere keine Gefahr darstelle. Freilaufende Hunde könnten mit dem Blut von Wildschweinkadavern in Kontakt kommen und den Erreger verbreiten. Und schon ein Tropfen Blut reiche für eine Infektion, machte die Amtstierärztin des Kreises Groß-Gerau klar.
Die Einsammlung der Wildschweinkadaver ist kommunale Aufgabe. Auf dem Gelände des alten Wertstoffhofs in Riedstadt-Erfelden ist jetzt nach Angaben der Stadt eine Sammelstelle für die Kommunen Gernsheim, Biebesheim, Stockstadt und Riedstadt samt einer Desinfektionsschleuse für Fahrzeuge eingerichtet worden. Sie muss noch vom Kreis abgenommen werden. mit dpa



