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Der Weltkrebstag setzt sich dafür ein, dass die Versorgung von Krebserkrankten besser wird. Das Onkologische Zentrum am Klinikum Kassel setzt dafür auf personalisierte Medizin.
Kassel – Der Weltkrebstag setzt sich jedes Jahr am 4. Februar dafür ein, dass die Versorgung von Krebserkrankten besser wird. Einen Weg dahin zeigt nun eine Studie der AOK, die in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren und dem Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung der Technischen Uni Dresden entwickelt wurde.
Behandlungen in einem zertifizierten Krebszentrum senken das Sterberisiko der Betroffenen um bis zu 26 Prozent. Die Behandlungsergebnisse von zertifizierten Krebszentren sind dafür mit den Ergebnissen von nicht zertifizierten Kliniken verglichen worden. Seit zehn Jahren hat auch das Klinikum Kassel ein solches zertifiziertes Onkologisches Zentrum.
Durch demografischen Wandel steigt die Zahl der Krebserkrankungen
Im März dieses Jahres übernimmt nun Prof. Dr. Thomas Dimpfl, Klinikdirektor der Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie, dessen koordinierende Leitung. Der bisherige Leiter Prof. Dr. Martin Wolf geht in den Ruhestand.
Krebserkrankungen in Zahlen
31 Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen sind Brustkrebsfälle. Bei Männern ist Prostatakrebs mit 25 Prozent die häufigste Krebserkrankung.
40 Prozent aller Krebsfälle könnten durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden, heißt es vonseiten der Deutschen Krebshilfe.
300 Krebsarten sind aktuell bekannt, meldet die Gesellschaft „Stärker gegen Krebs“.
2250 Kinder und Jugendliche erkranken in Deutschland jährlich vor ihrem 18. Geburtstag an Krebs. Damit ist etwa jedes 330. Kind betroffen.
227.890 Menschen sind 2021 an Krebs gestorben. Für die meisten männlichen Todesfälle ist Lungenkrebs verantwortlich, bei Frauen Brustkrebs. Die Sterblichkeit geht aber zurück. Mehr als die Hälfte der Betroffenen kann mit Heilung rechnen, meldet der Krebsinformationsdienst.
500.000 Deutsche erkranken jedes Jahr neu an Krebs. Das meldet die Deutsche Krebshilfe. Expertinnen und Experten warnen, dass die Zahl der Krebsneuerkrankungen weiter steigen wird.
4.000.000 Deutsche leben mit der Krankheit.
„In onkologischen Zentren sind die Überlebenschancen der Patienten besser, weil die Operationen in hoher Anzahl und in guter Struktur stattfinden“, sagt er. Dimpfl möchte den Fokus am Klinikum künftig noch mehr auf die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachrichtungen im Onkologischen Zentrum lenken:
„Das Team ist zwar bereits gut eingespielt. Ich möchte die Interdisziplinarität aber darüber hinaus weiter voranbringen. Die Abstimmung untereinander soll noch besser werden.“
Das Onkologische Zentrum unterteilt sich im Klinikum Kassel in elf Organkrebszentren – diese Behandlungsbreite ist in Nordhessen in keinem anderen Krankenhaus gegeben. Etwa 2500 Menschen werden jedes Jahr dort behandelt. Dafür arbeiten alle 32 medizinischen Abteilungen des Klinikums eng zusammen. „Wir können alle Krebsarten behandeln, die es gibt“, sagt der Klinikleiter.
Durch den demografischen Wandel steigt die Zahl der Krebserkrankungen weiter an. „Das Alter ist der größte Risikofaktor“, sagt Dimpfl. Umso wichtiger sei es, durch eine gesunde Lebensweise Krebserkrankungen nicht noch zu begünstigen.
Bei therapeutischen Möglichkeiten hat sich viel getan
„Es gelten die allgemeinen Tipps: kein Nikotin, kein Alkohol, kein Übergewicht, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung sowie Bewegung sind wichtig“, zählt Dimpfl auf. Und auch die Vorsorge und Untersuchungen zur Früherkennung seien essentiell, betont er:
„Das sind Schlüssel, um die Erkrankung früh genug zu erkennen und dann nicht allzu aggressiv behandeln zu müssen.“ Das senke die Sterblichkeit durch Krebserkrankungen erheblich.
Was ebenfalls dazu beiträgt: Auch bei den therapeutischen Möglichkeiten habe sich in den vergangenen Jahren viel getan: „In den letzten fünf Jahren gab es eine regelrechte Revolution. Es gibt nun Heilungschancen, die wir uns vorher nicht vorstellen konnten“, sagt der Klinikleiter.
Onkologisches Zentrum in Kassel setzt auf personalisierte Medizin
Viel mehr arbeiten die Medizinerinnen und Mediziner mittlerweile nach dem Prinzip der personalisierten Medizin: „Früher hat beinahe jede Patientin mit Brustkrebs eine Chemotherapie bekommen. Heute sehen wir durch spezielle Untersuchungen und Tests viel eher, wer davon profitiert und wer nicht.“
Es gebe mehr Wissen über die Eigenschaften verschiedener Tumore, und auch das Vorgehen bei Metastasierungen sei deutlich effektiver geworden. „Das rettet Lebensjahre“, sagt Dimpfl. (Anna-Laura Weyh)
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