Kassel

Apotheken schlagen Alarm: Betriebe in Kassel bleiben zum Protesttag am 14. Juni geschlossen

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Der Lieferengpass bei vielen Medikamenten und die damit verbundenen Kosten sind mit ein Grund dafür, dass die Apotheken für einen Tag geschlossen bleiben.
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Viele Apotheken in Stadt und Landkreis Kassel bleiben zum Protesttag am morgigen Mittwoch, 14. Juni, geschlossen.

Kassel – Viele Apotheken bleiben am morgigen Mittwoch, 14. Juni, in Deutschland geschlossen. Laut des Hessischen Apothekerverbands (HAV) beteiligen sich auch die Betriebe aller hessischen Kommunen nahezu lückenlos an der Aktion.

Grund dafür ist ein Protesttag, den die Apothekerverbände und Apothekerkammern initiieren. Sie reagieren damit auf gesundheitspolitische Entscheidungen der Bundesregierung, die für die Apotheken Lieferengpässe, Personalnot und eine seit Jahren bestehende Unterfinanzierung zur Folge hätten.

„Die Leute sollen wissen, dass der Protest nicht gegen die Patientensicherheit geht. Wir müssen heute schließen, damit es morgen noch Apotheken vor Ort gibt“, sagt Alexander Schopbach, Sprecher des HAV. Denn Apotheker geraten bereits an ihre Grenzen. Viele Betriebe müssen schließen: Allein 2022 habe sich die Zahl der Apotheken bundesweit um 400 reduziert.

Versorgung bei Notfällen ist möglich

Auch am Protesttag am 14. Juni bleibe die Arzneimittelversorgung aufrechterhalten – allerdings nur über die Notdienstapotheken. Diese sind online zu finden unter aponet.de (Stichwort: Notdienstsuche) oder im Aushang aller Apotheken vor Ort. Damit die Notdienste nicht überrannt werden, bitten die Apotheker jedoch darum, sich die benötigten Medikamente vorab zu besorgen.

Noch etwa 18 000 sind übrig. „Das ist das größte Apotheken-Sterben, das es jemals gab“, sagt Schopbach. Auch in Hessen verringert sich die Zahl der Apotheken von 1412 (Dezember 2021) auf 1377 (März 2023). „Das geht ungebremst weiter. Wir müssen jetzt gegensteuern“, sagt der HAV-Sprecher.

Aktuell meldet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 485 Medikamente, die für Deutschland nicht lieferbar sind – darunter Antibiotika-Säfte, Insuline und das Brustkrebs-Medikament Tamoxifen. Das liege vor allem an den Rabattverträgen der Krankenkassen und dem damit verbundenen Preisdruck für die Arzneimittelhersteller, so die Apotheker. Deshalb liefern viele Produzenten nicht mehr nach Deutschland, die Nachfrage kann nicht gestillt werden.

Es koste viel Zeit, fehlende Medikamente dennoch zu beschaffen und die Versorgung der Patienten somit aufrechtzuerhalten. Was den Apothekern fehle, sei die Wertschätzung der Politik und eine angemessene Vergütung. „Die Arbeitsbelastung ist hoch, uns fehlen Fachkräfte. Noch dazu wird alles teurer, aber unsere Vergütung ist weiter auf dem Niveau von 2004“, sagt Angela Müller-Rebstein, Inhaberin der Landgraf-Karl-Apotheke in Kassel.

Hinzu komme die Angst vor Retaxierungen – also dass die Krankenkassen Zuschläge oder Erstattungen bereits abgegebener Arzneimittel verweigern. „Durch ausufernde Bürokratie bekommen wir manchmal mehrere 1000 Euro nicht zurück. Das kann zu Existenzproblemen führen“, ergänzt Dennis Witt von der Kasseler Palmen-Apotheke Brückenhof.

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