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Es sind noch 140 Tage, bis in Eschwege das größte Volksfest startet. Mit Platzmeister Uwe Gondermann und Festwirt Steffen Rheinhardt haben wir uns den Festplatz schon mal angeschaut.
Eschwege – Nach dem Johannisfest ist für den Platzmeister und Organisator der Stadt Eschwege, Uwe Gondermann, auch schon wieder vor dem Johannisfest. Schon im Sommer beginnen die Ausschreibungen, die letzten Bewerbungen gehen bis zum 31. Oktober ein. Auf 70 bis 75 Standplätze kommen 300 Bewerber, die eine Jury nach den Vergaberichtlinien auswählt. Vor Weihnachten steht der Festplatz für das nächste Jahr schon. „Inzwischen sind alle Verträge unterschrieben zurückgekommen“, sagt Gondermann. Neue Stände und echte Attraktionen sind auch dabei.
Rummelplatz
Besonders stolz ist Uwe Gondermann, dass er das Fahrgeschäft Airwolf nach Eschwege bekommen hat. Denn die Konkurrenz war groß. Schausteller Thomas Weber hatte auch einen Platz auf der Rheinkirmes in Düsseldorf, die neun Tage lang fast zeitgleich gefeiert wird. Weber hatte sich aber für die vier Tage in Eschwege entschieden.
Das gerade generalüberholte Überkopf-Fahrgeschäft wird seinen Platz direkt am Eingang Mangelgasse bekommen. Durch die manuelle Steuerung der drei Bewegungsabläufe, das Drehen des Hauptarmes, die Rotation des Flugkörpers und durch Überschlagmomente sei jede Fahrt individuell, sagt Betreiber Thomas Weber.
Eschwege genießt einen guten Ruf in der Schausteller-Szene. „Düsseldorf ist zwar größer und dauert länger, die Konkurrenz ist aber auch viel härter“, erklärt Gondermann die Beweggründe, warum Schausteller sich gerne für Eschwege entscheiden. Das sorgt auch mal für Neid unter den Schaustellern – gerade bei denen, die es nicht auf das Werdchen geschafft haben. „Deswegen haben wir mit dem hessischen Städte- und Gemeindebund eine Vergaberichtlinie erarbeitet, nachdem eine fünfköpfige Jury ´über meine Vorschläge entscheidet. Neben bewährten Attraktionen müssen auch mindestens zehn Prozent laufender Standmeter mit neuen Anbietern beschickt werden. 2024 sind es sogar 30 Prozent.
Die fünfköpfige Arbeitsgruppe aus der Johannisfestkommission hat auch für das Solar Wheel eine Empfehlung ausgesprochen. Auf den ersten Blick handelt es sich hierbei um das klassische Riesenrad, das am Eingang Tränenbrücke fast in jedem Jahr aufgebaut wird. Auf den zweiten Blick verbirgt sich zeitgemäße Technik in dem Fahrgeschäft. Das 38 Meter hohe Solar Wheel ist nach Angaben des Betreibers Harvey Wegener aus Nordhorn das einzige Riesenrad der Welt, das seine Antriebsenergie direkt aus der Sonnenstrahlung bezieht. Dies ist mittels Photovoltaik möglich – das bedeutet, es ist auf all seinen Oberflächen mit Solar-Paneelen bestückt. Diese sorgen dafür, dass die Sonnenenergie auf dem gesamten Riesenrad in elektrischen Strom umgewandelt wird. Das Solar Wheel führt rechts und links an den Seiten große Energiespeicher mit sich. „Sogar bei schlechtem Wetter ist es den ganzen Tag autark“, sagt Wegener. Umweltfreundlichkeit ist auch ein Kriterium für die Entscheidung der Vergabejury.
Diese Auswahlkriterien müssen immer dann angewandt werden, wenn mehrere Bewerbungen für das gleiche Fahr-, Laufgeschäft oder Stand eingehen. Für Autoscooter, Laufgeschäfte und Kinderkarussells gehen traditionsgemäß die meisten Bewerbungen ein, berichtet Gondermann. Für das Kinderkarussell hat er in diesem Jahr eine Neuheit organisiert. Eines des Karussells fährt auf Schienen bergauf und bergab, sodass eine längere Strecke zurückgelegt wird. Gleiches gilt für eine Familien-Achterbahn gegenüber dem Autoscooter.
Beibehalten wird der Familiennachmittag am Freitag vor dem Altstadtfest. Ab 15 Uhr öffnet der Rummel und die Schausteller bieten Fahrten zu vergünstigten Preisen an. „Die Schausteller haben einen zusätzlichen Tag und man kann trotzdem noch am Abend die Innenstadt besuchen“, erklärt Gondermann das Konzept.
Festzelt
Ebenfalls jedes Jahr neu ausgeschrieben wird der Festwirt auf dem Werdchen. In diesem Jahr hat es erneut Steffen Rheinhardt aus Geismar geschafft. Seit 2018 übernimmt er jedes Jahr die Bewirtung in den Festzelten auf dem Werdchen. „Wir freuen uns, dass wir seit Jahren einen vertrauensvollen Vertragspartner aus der Region an unserer Seite haben“, sagte Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe bei der Vorstellung. Auch Rheinhardt schätzt die Zusammenarbeit mit Stadt, Ordnungsamt und Eschweger Polizei.
Vier Tage wird Rheinhardt das Festzelt öffnen, los geht’s am Donnerstag um 18.30 Uhr. Nach dem Erfolg der Inselparty im vergangenen Jahr setzt Rheinhardt auf ein ähnliches Konzept. Mit dabei sind wieder die Lokalmatadoren Michele Joy und DJ Ben E. Auch der Ballermann-Star Isi Glück kehrt nach Eschwege zurück. Neu ist Ikke Hüftgold.
Der Mann, der im wahren Leben Matthias Distel heißt und aus Limburg stammt, tritt seit 2009 als sogenannter Ballermann-Sänger auf Mallorca auf. Seine Markenzeichen sind eine schwarze Perücke, ein Trainingsanzug und sein erhobener Zeigefinger beim Betreten der Bühne. Diese Geste wird vom Publikum erwidert. Distel bezeichnet seine Figur Ikke Hüftgold selbst als Satirefigur. Seine Erfolge feiert er eher hinter der Bühne. Mit seinem Geschäftspartner Dominik de Leon zählt er zu den erfolgreichsten Partyschlagerproduzenten Deutschlands. Als Songwriter und Produzent hat er mehrere erfolgreiche Partyschlager für Kollegen geschrieben.
Auch die 33-jährige Isi Glück ist beim Party-Publikum der Baleareninsel ein echter Megastar. Geboren wurde sie als Isabel Gülck in Elmshorn. 2012 wurde sie im Alter von 21 Jahren zur Miss Germany gewählt. Seit 2017 verbucht sie Erfolge als Schlagersängerin. Keine Unbekannten sind in der Region Schlagersänger Michele Joy und DJ Ben E. Michele Joy trat bereits mehrfach beim Johannisfest-Opening auf und eröffnete das Festwochenende zuletzt 2022 mit seinem Onkel G. G. Anderson. DJ Ben E. legt seit fast 25 Jahren in den Clubs der Region und bei zahlreichen Partys in der Umgebung auf.
Die Eintrittskarten für die Insel-Party kosten 22,50 Euro im Vorverkauf und 25 Euro an der Abendkasse. Für die Abschlussklassen der Eschweger Schulen soll es vergünstigte Tickets geben. „Viele Abschlussklassen fahren nach dem Ende der Schulzeit ohnehin zum Partymachen nach Mallorca. In diesem Jahr holen wir die Party wieder nach Eschwege“, sagt Rheinhardt. Die Karten gibt es zunächst auf der Online-Plattform Eventim. Noch vor Ostern startet der Vorverkauf bei Lotto-Wagner, der Buchhandlung Heinemann und der Tourist-Information in Eschwege.
Alexander Heppe wird sein traditionelles Johannisfestgedicht am Donnerstagabend im Festzelt vortragen. Wie im vergangenen Jahr erstmals, gibt es das Gedicht zur Eröffnung aber auch am Donnerstagabend auf dem Marktplatz. Bevor der erste Johannisfestreiter vor dem Rathaus um 18 Uhr das Fest eröffnet, wird Heppe sein Gedicht für all die vortragen, die kein Ticket für das Festzelt haben.
Am Freitag ist das Festzelt auf dem Werdchen geschlossen, am Samstag geht’s weiter. Zusammen mit der Agentur Rebu, die auch die Musiker am Donnerstag gebucht hat, wurde für den Samstagabend die heimische Band Watzmann verpflichtet. Am Sonntag spielt eine Band namens Wanda und den Montag teilen sich die Frankenthaler und später Timeless. Nach dem Feuerwerk am Montagabend wird DJ Ben E. weiter auflegen.
An allen Tagen gilt weiterhin freier Eintritt ins Festzelt. Gläser dürfen nicht mit nach draußen genommen werden. Der Getränkepreis bleibt – Stand heute – beim Preis des letzten Jahres. 2,50 Euro kostete er 2023. Damit liegt der Liter Bier bei zehn Euro. Zum Vergleich: Der Bierpreis für das Oktoberfest 2023 betrug zwischen 12,60 Euro und 14,90 Euro für die Maß (ein Liter).
Von Tobias Stück


