Meißner

Auf ein Neues im Schwalbenthal

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Im Schwalbenthal könnte schon bald wieder eine Gastronomie eröffnen: Zumindest wenn es nach dem Willen der neuen Eigentümer geht. Doch die bisherigen Probleme mit Hessen Mobil sind noch nicht ausgestanden und der Hang könnte weiter abrutschen.
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Der Inhaber Dieter Kohl verkauft sein Anwesen – die neuen Besitzer haben für das Haus Schwalbenthal ein neues Konzept geplant.

Meißner – Das Haus Schwalbenthal am Hohen Meißner hält die Gemeinde und die Inhaber seit Jahren in Atem. Immerhin drückt der Hang dahinter so fest gegen das denkmalgeschützte Haus, dass der Küchentrakt schon nicht mehr benutzt werden kann.

Nachdem das Haus über mehr als zehn Jahre nicht mehr leer gestanden hat, gibt es jetzt eine neue Perspektive. Zwei Berliner haben das Anwesen gekauft.

Jahrelang tobt inzwischen ein Streit darüber, wer für die Schäden und Kosten einer Hangsicherung aufkommt und welche Variante die sicherste für das Haus und die darüberliegende Landesstraße ist.

Auch die Gemeinde Meißner ist inzwischen nicht mehr gut auf Hessen Mobil zu sprechen. „Wir wurden rausgenommen und kurzgehalten“, sagt Bürgermeister Friedhelm Junghans.

Trotz der schwierigen Umstände haben sich jetzt zwei Berliner ein hohes Ziel gesetzt: Im Schwalbenthal wieder ein florierendes Gästehaus mit Seminarangeboten und einem Café zu betreiben.

Erst vor Kurzem haben Jens Herrmann und Nanosch Beckmann dafür das Schwalbenthal von Vorbesitzer Dieter Kohl gekauft. Inseriert war es für 150.000 Euro, wie viel die beiden am Ende noch bezahlt haben, möchten sie nicht verraten.

Neue Besitzer

Sie haben eine Vision: Nanosch Beckmann (links) und Jens Hermann haben das Haus Schwalbenthal gekauft.

Kohl hat das Gebäude nach jahrelangem Streit mit Hessen Mobil und dem Regierungspräsidium Kassel über die Kosten der Hangsicherung abgegeben.

Obwohl ihm das sehr schwergefallen sei, wie er erklärt. „Ich konnte jetzt einfach nicht mehr, es ging so lange. Aber der Verkauf tut wirklich weh“, sagt Kohl bewegt. Der Senior hatte zuletzt auch mit massivem Vandalismus und Diebstahl auf seinem Anwesen am Hohen Meißner zu kämpfen.

Diebe stahlen Kupferleitungen und zerstörten Badezimmer. Für Kohl ist das Kapitel Schwalbenthal nun geschlossen, für Nanosch Beckmann und Jens Herrmann geht es aber gerade erst los.

Bei der Frage, warum sie sich solch ein Mammutprojekt ausgesucht haben, lächeln beide und erklären: „Es waren der Wald, der uns gelockt hat, und die lieben Menschen, denen wir hier schon im Vorfeld begegnet sind.“

Die Lage mitten in der Natur, die große Terrasse mit Gastronomie-Option und die vielen Geschichten der Menschen, die fast alle eine Erinnerung an das Schwalbenthal haben, all das sei stärker gewesen als die Zweifel.

Die Zweifel bleiben

Trotzdem sind Beckmann und Herrmann in ihrer kurzen Zeit im Schwalbenthal auch schon Zweifel an ihrem Projekt gekommen. Und sie haben die volle Wucht der Bürokratie zu spüren bekommen.

„Wegen des laufenden Planfeststellungsverfahrens mussten neben der Unteren Naturschutzbehörde jetzt auch Hessen Mobil, das Regierungspräsidium sowie die planenden Ingenieure über die Fällung eines jungen Baumes, der zu nah am Haus steht, entscheiden – wegen der Sicherheit des Hanges“, sagt Hermann.

Das Hin und Her dauerte vier Monate, jetzt steht aber fest: der Baum darf abgemacht werden. Das Zögern der Behörden hatte aber in der Zwischenzeit eine Waschbärfamilie genutzt und es sich über die Baumbrücke hinweg im Dachstuhl des Hauses gemütlich gemacht und eine Kinderstube eingerichtet.

Der 50-jährige Referent für politische Bildung, Jens Herrmann, kann sich das Lachen nicht verkneifen, wenn er von den umständlichen Behördenwegen berichtet, mit denen die beiden beinahe täglich zu kämpfen haben.

Trotz aller Probleme, die beiden bleiben optimistisch – und diplomatisch: „Wir wollen mit Hessen Mobil eine konstruktive Lösung finden, mit der alle Beteiligten zufrieden sind. Und es gibt auch schon Ideen und Austausch dazu“, sagt Beckmann.

Auf Anfrage unserer Zeitung will Hessen Mobil keine weiteren Angaben zur Sicherung des Haus Schwalbenthal machen. Ein Sprecher erklärt: „Die Hangsicherungsmaßnahme dient der Sicherung des Straßenkörpers der L 3242.“

Man werde jedoch im Fall des Mauerbaus darauf achten, dass das Schwalbenthal während der Arbeiten nicht beschädigt werde: „Bei einem Erörterungstermin wurde eine erschütterungsarme Bauweise zugesagt“, so der Sprecher weiter.

Doch die neuen Inhaber sorgen sich nicht nur um die Erschütterungen bei eventuellen Bauarbeiten. Auch die Mauer selbst sehen sie teils kritisch – auch wenn sie grundsätzlich nichts gegen den Mauerbau haben, wie sie versichern.

Ihnen gehe es darum, das Schwalbenthal nachhaltig vor dem abrutschenden Hang schützen, erklärt Beckmann. „Wir haben bei einem Treffen vor Ort angemerkt, dass es nur Sinn ergibt, wenn die Mauer auch die Gleitschicht abdeckt und der Hang nicht irgendwann unter der Mauer durchrutscht.“

Inhaber alleingelassen

Die Inhaber konnten ihre Einwände zwar vorbringen, in manchen Fragen fühlten sich die beiden aber nicht ernstgenommen. „Der Hang drückt den Keller ein und da fiel schon mal die Bemerkung, wir könnten ihn ja mit Beton auffüllen“, erzählt Herrmann, von den weniger hilfreichen Tipps.

Und nicht nur mit Behörden haben die Schwalbenthal-Besitzer alle Hände voll zu tun, auch Eindringlinge machen ihnen zu schaffen. „Um zu verhindern, dass eingebrochen wird, ist immer jemand hier und passt auf das Haus auf“, sagt Beckmann.

Zwar haben die beiden inzwischen schon für etwas Ordnung im Inneren gesorgt, aber schon bald könnte Wache halten im Schwalbenthal besonders ungemütlich werden, denn die Heizung funktioniert noch nicht.

Und einen kleinen Rückschlag mussten die Berliner auch schon einstecken: ein weiterer Unterstützer ist gleich zu Anfang aus dem Projekt ausgestiegen. Zu groß schienen ihm die Herausforderungen.

In Zukunft wollen Beckmann und Herrmann ein ganzes Team im Schwalbenthal versammeln. Menschen, die sich ihrer Vision anschließen möchten, mitanpacken und später das Anwesen mitbewirtschaften.

Nächstes Jahr wollen die beiden die Terrasse auf der anderen Straßenseite, mit Blick ins Grüne, wieder in Betrieb nehmen. Dann wollen sie dort gesunde Snacks und Getränke servieren, auch kulturelle Veranstaltungen sind geplant.

Schon in diesem Herbst will Hermann ein Seminar am Hohen Meißner veranstalten und hofft auf viele Besucher. Dann wäre zum ersten Mal seit Jahren wieder Leben in dem ehemaligen Berginspektor-Haus im Schwalbenthal.

Weitere Informationen unter schwalbenthal.org

(Kim Hornickel)

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