- VonMirko Luisschließen
Aktuell sind noch Hunderte Lehrstellen in Osthessen unbesetzt. Ähnlich wie in den Vorjahren kommen statistisch auf einen Schulabgänger zwei Ausbildungsplätze. Unterdessen ist die Azubi-Gewinnung auch im hiesigen Handwerk eine echte Herausforderung.
Fulda - „Bis Mitte Juli haben uns Betriebe 2101 Ausbildungsstellen gemeldet“, berichtete Melanie Bonacker aus der Pressestelle der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda. Diese Zahl bezieht sich auf offene Ausbildungsplätze, die von Betrieben oder Unternehmen bei der Agentur für Arbeit gemeldet wurden, um potenzielle Auszubildende zu finden.
Auszubildende in Fulda gesucht - viele offene Stellen zum Start
Der genannten Zahl der Ausbildungsplätze standen zum Stichtag 15. Juli dieses Jahres 1248 Bewerber gegenüber – ein Bewerber-Plus in Höhe von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten offenen Stellen gab es Bonacker zufolge zum Stichtag am 15. Juli für Verkäufer/innen (43), Kaufleute im Einzelhandel (40) und Kaufmann/-frau Büromanagement (40). „Die Aktivitäten am Ausbildungsmarkt laufen weiterhin auf Hochtouren“, betonte Bonacker.
„Wenige Unternehmen berichten von einer reibungslosen Besetzung der Stellen, davon bleiben in diesem Jahr sogar kaufmännische Bereiche nicht verschont“, konstatierte Denise Otto, Leiterin des Bereiches Aus- und Weiterbildung der IHK Fulda, in Vertretung des in Urlaub befindlichen IHK-Hauptgeschäftsführers Michael Konow.
Zum 31. Juli dieses Jahres lagen der IHK Fulda 884 unterschriebene Verträge vor. Angesichts der im Vorjahr abgeschlossenen Verträge (1086) werde dies aber nicht als „besorgniserregend“ gesehen, da einige Unternehmen erst nach dem Ausbildungsstart am 1. August Ausbildungsverträge zusendeten. „Erfreulich ist, dass nur noch 15 Prozent der eingereichten Verträge in Papierform sind und sehr viele Unternehmen bereits das Bildungsportal nutzen. Ab 2025 werden wir keine Papierverträge mehr entgegennehmen“, kündigte Otto an.
Auslandsrecruiting und Ausbildungsmobil: Das Werben um Nachwuchs
Aufgrund des Mangels an lokalen Schulabgängern zur Deckung des Bedarfs an Fachkräften, betont die IHK Fulda verstärkt die Bedeutung des Auslandsrecruitings für Unternehmen. Wie Otto ankündigte, finden im Herbst dieses Jahres in der IHK Informationsveranstaltungen zu Rahmenbedingungen und Onboardinghilfen statt. Im Fokus der genannten Recruiting-Aktivitäten stünden Nicht-EU-Länder wie Marokko, England oder Serbien.
Unverändert hoch bleibt die Ausbildungsbereitschaft der regionalen Handwerksbetriebe unterdessen nach Einschätzung der Kreishandwerkerschaft Fulda. „In den letzten Jahren haben sich im Landkreis Fulda jährlich etwa 500 Personen für eine handwerkliche Ausbildung entschieden. Wir hoffen, dass diese Zahl mindestens stabil bleibt“, sagte Silke Eiter, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda.
„Dennoch wird – wie in anderen Branchen auch – nur etwa einer von drei Ausbildungsplätzen besetzt“, so Eiter. Grund sei, dass die Schere zwischen Angebot und Nachfrage – insbesondere aufgrund der demografischen Lage – immer weiter auseinandergehe und die Lage zunehmend verschärfe.
Statements von Unternehmen
Wie sich die RhönEnergie, die Stadt Fulda und das Klinikum zu der aktuellen Lage auf dem Ausbildungsmarkt äußern, lesen Sie in der gedruckten Mittwochausgabe der Fuldaer Zeitung sowie im E-Paper.
Das Werben um Nachwuchs hat für die Kreishandwerkerschaft einen hohen Stellenwert. Mit Blick auf die vielfältigen Aktivitäten hebt Eiter das Projekt „Handwerk on the Road“ hervor, das in diesem Jahr mit der Unterstützung des Landkreises Fulda ins Leben gerufen wurde. „Mit unserem Ausbildungsmobil bieten wir in Schulen, auf Messen und sonstigen Veranstaltungen gemeinsam mit unseren Innungsbetrieben vor Ort Angebote zur Berufsorientierung an, um Jugendliche für die verschiedenen Handwerksberufe zu begeistern.“
