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Laut der Kfz-Innung ist der Absatz von E-Autos 2024 deutlich zurückgegangen. Autohäuser aus Stadt und Landkreis Kassel äußern sich zum Thema.
Kassel – Deutlich weniger E-Autos als im Vorjahr wurden 2024 verkauft. „Nach dem abrupten Stopp des Umweltbonus kurz vor Weihnachten 2023 ist der Verkauf der rein batterieelektrisch betriebenen Fahrzeuge im Lauf des Jahres deutlich zurückgegangen“, sagt Lothar Ahlers, Obermeister der Kfz-Innung Kassel. In Hessen waren es laut Kraftfahrtbundesamt im November mit 3057 Neuzulassungen 29,2 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Jahreszwischenbilanz zeigt ein Minus von über 40 Prozent.
Obermeister: Nicht nur Preis ausschlaggebend für schwachen Absatz
Der Obermeister betont, dass neben dem Anschaffungspreis auch andere Faktoren wie die Ladeinfrastruktur und der Ladestrompreis eine Rolle bei der Kaufzurückhaltung spielen. „Wir brauchen Schnelllader, die für die Autofahrer gut erreichbar sind. Der öffentliche Raum ist knapp und sollte maximal nutzbar sein“, fordert Ahlers. Außerdem müsse der Ladestrompreis sinken, insbesondere für E-Autofahrer, die nicht zu Hause laden können. „Wenn für das Schnellladen Preise von über 80 Cent zu zahlen sind, ist dies verglichen mit Benzin oder Diesel deutlich teurer. Laden muss vom ersten Kilometer, von der ersten Kilowattstunde an deutlich günstiger sein als das Tanken fossiler Brennstoffe“, so der Obermeister.
Aktuell werde das Kaufverhalten durch die herausfordernde wirtschaftliche Lage beeinflusst. Nachrichten über drohende Arbeitsplatzverluste trügen zur Verunsicherung bei. Insbesondere private Kunden seien beim Neuwagenkauf zurückhaltend, fahren stattdessen ihr altes Auto weiter. Das Pkw-Durchschnittsalter liegt laut Innung derzeit inzwischen bei 10,3 Jahren. Vor zehn Jahren seien es noch 8,8 Jahre gewesen.
Autohäuser spären Zurückhaltung bei E-Autos
Auch bei der Glinicke-Gruppe spürt man seit dem Förderstopp eine deutliche Zurückhaltung der Kunden bei elektrischen Neufahrzeugen „und das markenübergreifend“, bestätigt Frank Brecht aus der Geschäftsführung. Angesichts des hohen Durchschnittsalters der Fahrzeuge gebe es jedoch Bedarf an Neuwagen. „Wir gehen davon aus, dass die Hersteller im kommenden Jahr verstärkt Angebote machen werden.“ Der Gebrauchtmarkt laufe sehr gut, die Preise seien nicht mehr so hoch wie zu Corona-Zeiten, aber noch sehr stabil.
Die Kfz-Innung vertritt die gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder innerhalb der Stadt Kassel, des Altkreises Kassel, des Altkreises Hofgeismar, der Altkreise Fritzlar-Homberg und des Werra-Meißner-Kreises.
„Für viele ist es vor allem eine finanzielle Frage, ob sie sich ein E-Auto kaufen“, sagt Alexander Host vom Autohaus Hetzler, das Filialen in Kassel und Fritzlar hat. Den Wegfall der Prämie spüre man deutlich.
Derzeit setzten Kunden verstärkt auf Verbrenner, um die Zeit zu überbrücken und die Entwicklung abzuwarten. Host weist darauf hin, dass Lieferengpässe wie während der Corona-Pandemie oder zu Beginn des Kriegs in der Ukraine derzeit kein Thema mehr seien. „Wir haben etliche Modelle vorrätig.“
Ähnliches weiß auch Vitali Klein vom Autohaus Ostmann zu berichten. „Die Kunden kaufen in der Regel dann Neuwagen, wenn die Leasingrate stimmt.“ Leasing werde auch deshalb bevorzugt, weil es für viele Kunden mit weniger Risiko verbunden ist – was den Restwert angeht. Auch bei der Batterietechnik gebe es Weiterentwicklungen.
„Wir erwarten, dass wir im Jahr 2025 wieder mehr E-Autos verkaufen werden“, sagt Klein. Er gehe davon aus, dass die Autohersteller Programme aufsetzen werden, um den Verkauf anzukurbeln.
Die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt seien wieder zurückgegangen, aber seit Sommer relativ konstant. „Die Kundennachfrage ist aktuell etwas geringer als im Vorjahr – der Markt ist zufriedenstellend“, sagt Klein. (von Daniel Seeger)
