Personal

Frankfurter Personaldezernent: „Wir müssen an unserem Ruf arbeiten“

+
Bastian Bergerhoff ist Kämmerer und Personaldezernent in Frankfurt.
  • schließen
  • Christoph Manus
    Christoph Manus
    schließen

Der Frankfurter Personaldezernent Bastian Bergerhoff sieht kurzfristig kaum Möglichkeiten, zusätzliches Personal in die Stadtverwaltung zu holen und setzt auch auf digitale Lösungen.

Etwa 15 Prozent der gut 10 000 Stellen in der Frankfurter Stadtverwaltung sind unbesetzt. Der Mangel macht sich in fast allen Ämtern bemerkbar.

Herr Bergerhoff, in der Ausländerbehörde stauen sich 20 000 unbeantwortete E-Mails. Hauptgrund ist fehlendes Personal. Nun soll ein neuer Internetauftritt für Entlastung sorgen. Sind technische Entwicklungen die Lösung für die Personalprobleme der Stadt?

Sie sind zumindest ein Teil der Lösung. Die Stadtverwaltung muss digitaler werden. Das ändert aber nichts daran, dass wir Personal brauchen. Nur: Das Personal muss erst einmal da sein und dann auch bleiben.

In der Bußgeldstelle des Ordnungsamts ist es offenbar nicht da. Jedenfalls werden jeden Monat Tausende Anzeigen von Privatleuten nicht bearbeitet. Das ist doch hochproblematisch, da entgeht der Stadt doch jedes Jahr eine siebenstellige Summe …

Ja, dadurch entgehen uns Erträge, und das ist unbefriedigend. Auch in anderen Ämtern haben wir Probleme bei der Personalgewinnung. Da bringt es auch nichts, wenn wir sagen: Wir schaffen noch einmal ganz viele Stellen … Wenn wir sie nicht besetzen können, ändert das nichts an den Problemen.

Wieso finden Sie denn keine Leute? Vor nicht allzu langer Zeit waren Jobs bei der Stadt doch sehr begehrt. Ein sicherer Arbeitsplatz, Tariflöhne … Warum zieht das die Leute nicht mehr an?

Bei der Stadt zu arbeiten, ist nach wie vor sehr attraktiv. Aber bei uns ist es nicht anders als in der freien Wirtschaft. Bisher war meist von Fachkräftemangel die Rede – aber wir haben sowohl bei der Stadt wie auch generell inzwischen einen Arbeitskräftemangel.

Aber auch in Frankfurt sind 5,8 Prozent der Menschen arbeitslos, in Offenbach sind es 8,5 Prozent. Das ist keine Vollbeschäftigung …

Ja. Aber wir können den demografischen Wandel nicht ändern. In den nächsten zehn Jahren werden wir 25 Prozent unseres Personals verlieren. Die gehen in den Ruhestand.

Also kapitulieren Sie?

Nein, ich nenne die Fakten. Natürlich müssen wir unsere Rekrutierungsstrategie ändern und noch mehr Ausbildungsplätze anbieten. Die Stadt muss als Arbeitgeberin noch attraktiver werden.

Der neue Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) hat im Wahlkampf einen Frankfurt-Zuschlag für Erzieher:innen vorgeschlagen. Was halten Sie davon?

Dem sind tarifvertraglich enge Grenzen gesetzt. Wir müssen aber sicher versuchen, gerade in personennahen Dienstleistungen wie Pflege und Kitas attraktivere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Denn dort werden wir sogar mehr Arbeitskräfte als bisher brauchen.

Die Stadt München zahlt aber doch eine Ballungsraumzulage.

Zur Person

Bastian Bergerhoff (54) ist seit September 2021 Frankfurter Kämmerer und Personaldezernent.

Der promovierte Physiker, der vor seinem Amtsantritt als Software-Spezialist arbeitete, stand lange mit wechselnden Kolleginnen im Vorstand an der Spitze der Frankfurter Grünen.

In der Kernverwaltung der Stadt Frankfurt arbeiteten Ende 2020 genau 11 237 Menschen. Ihr Durchschnittsalter lag bei gut 44 Jahren. Von 10 379 Stellen waren nur 8844 besetzt. Das entspricht einem Besetzungsgrad von 85,2 Prozent. cm

Wir sind über dieses Thema immer wieder im Gespräch, aber es ist schwierig. Im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst gibt es keine Grundlage für eine Ballungsraumzulage.

Wenn Sie den Frankfurt-Zuschlag für rechtlich schwierig umzusetzen halten, wie wollen Sie dann genau die Attraktivität erhöhen?

Wir müssen über ein ganzes Bündel an Maßnahmen sprechen. Oft wird auf die hohen Mieten in Frankfurt hingewiesen. Ein Element könnte zum Beispiel die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum für Mitarbeitende sein.

Schüler:innen der Berta-Jourdan-Schule, die unter anderem Erzieher:innen ausbildet, weisen ständig auf die riesigen Probleme der Schülerschaft hin, in Frankfurt eine für sie bezahlbare Bleibe zu finden. Wann entstehen Wohnheimplätze für angehende Erzieher:innen und Auszubildende?

Das ist eine Lücke, die wir schließen müssen. Die Stadt unterstützt bereits solche Projekte. Natürlich ist es aber auch eine Möglichkeit, dass wir selbst tätig werden. In Frankfurt Flächen für Wohnraum zu entwickeln, ist aber nicht so einfach.

Was kann die Stadt noch tun, um als Arbeitgeberin attraktiver zu werden?

An unserem Ruf arbeiten. Wir müssen besser werden bei Fragen wie Terminvergabe und Termintreue. Wir brauchen aber auch ein Verständnis dafür, dass wir als öffentliche Hand in keiner anderen Situation sind als private Dienstleister. Das Verständnis, das einem Handwerker entgegengebracht wird, würde ich mir auch für unsere Mitarbeiter:innen wünschen.

Wie ist denn der Ruf der Stadt Frankfurt?

Bei Befragungen stellen wir immer wieder eine Diskrepanz fest: Viele zeigen sich da allgemein unzufrieden mit der Stadt als Dienstleisterin. Wenn man nach den eigenen Erfahrungen fragt, sagt die Mehrheit, es war alles okay.

Es gibt das Vorurteil, es sei langweilig, in einer Verwaltung zu arbeiten.

Verwaltung gilt nicht als sexy, das stimmt. Dabei ist sie ein sehr vielfältiges Arbeitsfeld. Die allermeisten Beschäftigten würden weit von sich weisen, dass ihr Job langweilig ist.

Wenn es zumindest kurz- und mittelfristig keine Lösung für das Personalproblem der Stadt gibt, müssen Sie dann priorisieren? Sprich: Personal wird ins Ausländeramt oder ins Bürgeramt abgeordnet, weil es dort um Existenzen oder schlicht um gesetzliche Vorgaben geht.

Ich glaube, wir müssen dreierlei machen. Zum einen eine Entbürokratisierung. Die Arbeit in der Ausländerbehörde wird immer schwieriger, weil immer neue Regelungen hinzukommen. Auch unsere eigenen. Das hilft nicht weiter. Zum anderen müssen wir prüfen, welche Aufgaben wir an externe Kräfte vergeben können. Aber sicher werden wir von den Beschäftigten auch mehr Flexibilität verlangen. Wir müssen öfter sagen: Sie arbeiten in der Frankfurter Stadtverwaltung und nicht für alle Zeiten bei einem bestimmten Amt, und nun werden Sie an anderer Stelle dringend gebraucht.

Besonders unbeliebt sind die Posten mit Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern. Ist es nicht traurig, dass viele städtischen Beschäftigten nichts mit den Menschen zu tun haben wollen, für die sie eigentlich arbeiten?

Ich glaube nicht, dass das viele Beschäftigte so sehen. Aber natürlich ist die Arbeit mit Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern anspruchsvoll. Wenn Menschen lange auf einen Termin beim Bürgeramt warten, kommen sie dort oft schon richtig schlecht gelaunt an. Das verstehe ich zwar. Ich bitte aber schon darum, dass die Wut nicht an unseren Beschäftigten abgelassen wird. Das hilft nicht weiter.

Kommentare