VonEmily Spanelschließen
Die Landwirte im Werra-Meißner-Kreis werden an ihrer Protestwoche festhalten.
Werra-Meißner –Die geplanten Aktionen ab Montag, 8. Januar, werden trotz des teilweisen Einlenkens der Bundesregierung stattfinden, bekräftigte Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner, am Freitag gegenüber unserer Zeitung.
Am Donnerstagnachmittag hatte die Ampel-Koalition in Berlin per Presseerklärung verkündet, die geplanten Kürzungen von Subventionen für Landwirte teilweise zurücknehmen zu wollen: Demnach soll es keine Streichung der Kfz-Steuerbefreiung für die Landwirtschaft geben. Die Abschaffung der Steuerbegünstigung beim Agrardiesel werde schrittweise vollzogen. Zunächst soll im Jahr 2024 eine Kürzung um 40 Prozent stattfinden, im Jahr 2025 eine weitere Reduzierung um 30 Prozent und im Jahr 2026 sollen dann die verbleibenden 30 Prozent gekürzt werden. Das heißt, ab 2027 wird es keine Agrardieselvergütung mehr geben.
„Die Landwirte demonstrieren nun gegen eine zunehmend schnellere Verzerrung des Wettbewerbs innerhalb der EU und das wirtschaftliche Abhängen der deutschen Landwirtschaft von Weltmärkten. Die Streichungen der Steuerbefreiung und der Vergünstigungen beim Agrardiesel sind Teile der Ungleichbehandlungen“, sagt Uwe Roth. Die Landwirte wollen mit den Demonstrationen auf die Problematik politischer Entscheidungen aufmerksam machen, die direkte und fatale Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Betriebe haben.
„Die Konkurrenzfähigkeit der Landwirtschaft in Deutschland wird zunehmend schwächer. Unsere Kosten für die Herstellung von Waren steigen annähernd täglich, die Preise, für die wir am Weltmarkt verkaufen können, messen sich nicht nur mit Frankreich und den Niederlanden, sondern auch mit Russland, Brasilien und Argentinien“, sagt Uwe Roth. Die Landwirtschaft in Deutschland erhalte Prämien, damit sie mit der restlichen Welt auf Augenhöhe produzieren könne. „Streicht man diese Prämien, wird sich die deutsche Landwirtschaft vom Weltmarkt verabschieden.“
„Wettbewerbsfähigkeit steht auf dem Spiel“
Die Landwirte auch aus dem Werra-Meißner-Kreis gehen ab dem 8. Januar auf die Straße, um der Bevölkerung zu zeigen: Die Versorgungssicherheit mit eigenen erzeugten Produkten steht jeden Tag mehr auf dem Spiel. „Durch die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten werden zu teure deutsche Produkte nicht mehr gekauft“, mahnt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Die Folge daraus sei, dass zunehmend mehr Nahrungsmittel aus dem Ausland importiert werden müssen. „Wenn man mit offenen Augen durch das Gemüseregal der Supermärkte geht, wird man schon heute feststellen, dass über 70 Prozent der dort angebotenen Produkte aus dem Ausland kommen.“ Rein rechnerisch wird ab Mai der letzte in Deutschland gewachsene Apfel gegessen sein. In den folgenden sieben Monaten müssen dann Äpfel aus dem Ausland importiert werden.
Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, haben die Landwirte folgende Demonstrationszüge geplant, die am Montag im Kreisteil Eschwege ab 5.45 Uhr und im Kreisteil Witzenhausen um 7 Uhr starten:
Montag, 8. Januar
- Route B 27/ Eschwege, Rundkurs. Startpunkt B 27 ab Kreisel bei Wichmannshausen, durch die Eschweger Innenstadt, nach Bad Sooden-Allendorf und wieder zurück zum Kreisel Wichmannshausen. . Route B 400/ B 27: Startpunkt Kreisel Herleshausen-Wommen, Blinde Mühle-Ulfen-Breitau-Krauthausen bis zum B 27-Kreisel Wichmannshausen und zurück. . Route B 451/ B 80/ B 27: B 27-Kreisel Marzhausen bis Ludwigsteinparkplatz und zurück.
- B 80 Gertenbach-Witzenhausen-Unterrieden-Witzenhausen Kreisel an der Brücke
- B451 bis Ermschwerder Str.-Am Weidengraben-L3238 – Ermschwerd-Stiedenrode-Gertenbach und wieder von vorn.
- B 451 Großalmerode-Trubenhausen-Hundelshausen-Witzenhausenam Stieg – Ritzmühlenweg-Industriestr.-Am Eschbornrasen-Am Stieg und zurück. . Route B7: B 27-Kreisel Wichmannshausen-Oetmannshausen-Bischhausen bis hin zum A44-Kreisel und zurück.
- Der hessische Kreisbauernverband organisiert am Montag, 8. Januar, eine Sternfahrt mit Traktoren nach Wiesbaden. Anmeldungen per Mail: veranstaltung@kbv-kassel.de
Mittwoch, 10. Januar
Ebenfalls hessenweit organisiert ist eine Demonstration vor dem Regierungspräsidium in Kassel am Mittwoch, 10. Januar. Beginn ist um 10 Uhr. Traktoren, Busse und Autos aus dem Werra-Meißner-Kreis und aus den umliegenden Landkreisen werden erwartet.
Montag, 15. Januar
Der Höhepunkt der Protestwoche der Landwirte wird eine Großdemonstration in Berlin sein. Der Kreisbauernverband Werra-Meißner organisiert dazu Busse und Konvois. Anmeldungen sind per E-Mail möglich an info@kbv-kassel.de sowie an info@kbv-werra-meissner.de
Insbesondere am Montag, 8. Januar, ist im gesamten Werra-Meißner-Kreis mit erheblichen Behinderungen im Straßenverkehr zu rechnen. Hinzukommt, dass die Landwirte wohl nicht die einzigen sein werden, die auf die Straße gehen, um ihren Unmut kundzutun. Wie viele Menschen sich genau an den Protesten beteiligen, ist unklar. Eine Teilnehmerliste gibt es nicht.
Der öffentliche Personennahverkehr wird am Montag wie gewohnt fahren, hier ist jedoch ebenfalls mit erheblichen Verzögerungen zu rechnen. „Daher empfiehlt der NVV, sich vor Fahrtbeginn unter nvv.de/fahrplanauskunft, in der NVV-App oder beim Service-Telefon unter 0800/9 39 08 00 zu informieren“, sagt Sabine Herms, NVV-Pressesprecherin. (Emily Hartmann)
