Bundestagswahl

Bei der Kasseler CDU gab es nur ein bisschen „Rambo Zambo“

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Das war noch nicht klar, wie der Abend für ihn ausgeht: CDU-Direktkandidat Maik Behschad mit seiner Frau Maryam Najaf-Gholi und den beiden Söhnen Novin (vorn) und Nikan im Kokotao.
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Nach Zweitstimmen hat die CDU in Kassel gewonnen. Ihr Direktkandidat Maik Behschad scheiterte dennoch. Bei der Wahl-Party muss er Fragen zur Taktik von Friedrich Merz beantworten.

Um kurz vor 18 Uhr macht Max Schäfer im Kokotao in der Kasseler Innenstadt eine verheißungsvolle Ansage. Irgendwann im Laufe des Abends wolle man „richtig Rambo Zambo machen“, verspricht der 22-Jährige, der mit der Vize-Parteichefin Alisar Dahere den Kasseler CDU-Wahlkampf organisiert hat. Schon Kanzlerkandidat Friedrich Merz hatte in Berlin den Begriff verwendet, um der Partei klarzumachen: Heute Abend darf gefeiert werden.

Es wird dann auch gefeiert, aber so richtig ausgelassen ist die Stimmung in dem ziemlich vollen Restaurant nicht, denn trotz aller Zufriedenheit wird am Ende des Abends das Gefühl bleiben, dass für die CDU mehr drin war. Direktkandidat Maik Behschad unterliegt dem Sozialdemokraten Daniel Bettermann, und auch das Bundesergebnis wird hier verhalten aufgenommen. Der Stadtverordnete Alexander Grotov gibt zu: „Wir hätten uns ein besseres Ergebnis gewünscht, mit einer 3 vorn.“

So richtig spricht es im Kokotao niemand aus, aber zwischen den Zeilen klingt durch, dass nicht alle zufrieden sind, was Merz in den vergangenen Wochen gemacht hat. Erst das gemeinsame Abstimmen mit der AfD über Migrationsfragen im Bundestag, worauf Zehntausende gegen die Union auf die Straße gingen.

Dann am Samstag die Äußerung des Spitzenkandidaten bei einem Auftritt in München angesichts von Demonstranten vor dem Haus: „Ich frage mal die Ganzen, die da draußen rumlaufen, Antifa und gegen Rechts: Wo waren die denn, als Walter Lübcke in Kassel ermordet worden ist von einem Rechtsradikalen?“ Dabei waren 2019 wenige Wochen nach der Tat 10.000 Menschen in Kassel gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen.

Die nordhessische Demokratie-Initiative „Offen für Vielfalt“ kritisiert die Äußerung von Merz als „erschreckend ahnungslos“. Auch sonst sind viele im Netz außer sich. Der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Decker fühlt sich von Merz als „linker Spinner“ verunglimpft. Direktkandidat Behschad will das alles nicht zu hoch hängen. Über den Lübcke-Satz sagt er: „Ich weiß nicht, warum er das gesagt hat.“ Und zur Taktik von Merz im Januar im Bundestag meint er: „Es hat vielleicht nicht geholfen.“

Warum es letztlich nicht für ihn gereicht hat, weiß er auch nicht. Er lobt seine Partei für die Unterstützung und verweist darauf, dass er zwei Prozentpunkte mehr geholt hat als die CDU bei den Zweitstimmen: „Insgesamt können wir zufrieden sein.“ Bereits als Jugendlicher trat er in die Junge Union ein und hatte seither viele Ämter inne. Nun stand er jedoch erstmals im Mittelpunkt: „Das war eine Herausforderung und eine schöne Aufgabe.“

Auch der Kasseler Parteivorsitzende Maximilian Bathon lobte den Kandidaten. Zudem wies der Landtagsabgeordnete, der 2023 bei der Hessen-Wahl überraschend im Kasseler Osten gewonnen hatte, auf die Vergangenheit hin, als es für die Christdemokraten in der einst roten Stadt fast nie etwas zu holen gab: „Von so einem Ergebnis wie heute haben wir vor acht Jahren noch geträumt. Es gibt einen klaren Trend, dass wir immer stärker werden.“ Grotov prophezeit sogar: „Ich gehe davon aus, dass wir langfristig eine CDU-Stadt werden.“

Die konstituierende Sitzung der neuen CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird am Dienstag in Berlin ohne den Kasseler Behschad stattfinden. Für heute hatte er nach einem kräftezehrenden Winter-Wahlkampf vor allem eines vor: ausschlafen und in Ruhe frühstücken. Also das Gegenteil von „Rambo Zambo“. (Matthias Lohr)

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