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Die Zahlen sind hoch, das Wissen jedoch gering: An einer Sepsis sterben mindestens 75 000 Menschen pro Jahr in Deutschland. Um über die landläufig Blutvergiftung genannte Krankheit aufzuklären, wird jedes Jahr am heutigen 13. September der Welt-Sepsis-Tag begangen. Was diese Erkrankung so gefährlich macht und mit welchen Symptomen sie einhergeht, erklärt Dr.
Thilo Schwandner, ärztlicher Direktor der Asklepios-Klinik Lich.
Herr Dr. Schwandner, was ist eine Sepsis überhaupt, und was macht sie so gefährlich?
Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Situation für einen Patienten aufgrund einer massiven Entzündung, die meist durch Bakterien oder Viren verursacht wurde. Meistens kommt irgendeine Art von Infektion in den Körper, die sich dann ausbreitet. Beispielsweise wenn sich eine Beinwunde infiziert, kann sich die Infektion durch die Blutgefäße ausbreiten. Der Körper versucht, diese abzuwehren, kommt aber nicht mehr hinterher, da mehrere Organe betroffen sind. In der Folge fährt der Körper das Immunsystem herunter.
Kann es bei jeder Infektion zu einer Sepsis kommen?
Theoretisch ja. Die meisten Sepsis-Fälle treten außerhalb des Krankenhauses auf, etwa bei einer Blasenentzündung, die in die Nieren aufsteigt. Auch eine Grippe oder Covid-19 können zu einer Sepsis führen. Seltener kommt es nach Operationen zu einer Infektion und einer Sepsis, insbesondere dann, wenn es dabei Komplikationen gab. In Krankenhäusern liegt darum ein besonderes Augenmerk darauf, solche Fälle schnell zu erkennen.
Wie oft kommt es in der Licher Asklepios-Klinik zu solchen Fällen?
Wir haben hier eine große Notaufnahme und Chirurgie, darum kommt es recht oft zu solchen Fällen. Im Schnitt diagnostizieren wir pro Tag ein bis zwei Sepsis-Fälle.
Wie gefährlich ist eine Blutvergiftung?
Man sollte die Sepsis nicht überdramatisieren, aber sie bedarf einer guten und schnellen Behandlung. Unbehandelt oder zu spät erkannt ist sie sehr gefährlich. Wir haben jedes Jahr viele Tote wegen einer unbehandelten Sepsis in Deutschland. Liegt tatsächlich eine Sepsis vor, zählt daher jede Minute, um diese zu erkennen. Es darf aber nicht vergessen werden, dass wenn ein Fall erkannt wird, sich dieser meist gut behandeln lässt.
Was heißt das genau?
Nicht die Behandlung ist das große Problem bei einer Sepsis, sondern diese rechtzeitig zu erkennen. Deshalb sind Aktionen wie der Welt-Sepsis-Tag auch so wichtig, denn das Krankheitsbild der Sepsis ist bei vielen nur wenig bekannt. Hier im Krankenhaus werden regelmäßig Fortbildungen zu diesem Thema durchgeführt. Denn die zeitnahe Diagnose ist nur mit viel Wissen und Erfahrung möglich.
Kann eine überstandene Sepsis zu Langzeitschäden im Körper führen?
Das hängt ganz von den betroffenen Organen ab. Besonders oft ist die Niere betroffen, und in der Folge kann es zur Einschränkung der Nierenfunktion kommen. Das kann so weit gehen, dass der Patient in der Folge zur Dialyse muss.
Auf welche Symptome sollte man achten, um eine Sepsis zu erkennen?
Das kann unterschiedlich sein, aber die allermeisten Fälle gehen mit Fieber einher. Auch ein erhöhter Puls ist ein häufiges Anzeichen, viele Patienten denken dann, dass etwas mit ihrem Herzen nicht stimmen würde. Dazu kommen Abgeschlagenheit, Rötungen der Haut und in manchen Fällen Abszesse und Schwellungen. Das Ganze kann bis hin zu Schocksymptomen gehen, wie einer schnelleren Atmung und dem Ausbruch von kaltem Schweiß.
Wie sollten sich Patienten verhalten, wenn sie diese oder ähnliche Symptome bei sich feststellten?
Dann sollte man schnellstens ins Krankenhaus gehen und sich untersuchen lassen. Es wird alles gecheckt. Die Blutwerte, Atmung, Entzündungswerte und Organe. Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf eine Sepsis, wird in unserem Labor eine Blutkultur angelegt und mikrobiologisch untersucht, um die Keime nachzuweisen und herauszufinden, um welche Art es sich handelt.
Und wie sieht dann im Anschluss die Behandlung aus?
An erster Stelle steht, die Ursache zu finden und diese zu behandeln sowie Begleiterscheinungen, etwa Herz-Kreislauf-Probleme. Die Behandlung erfolgt hier in Lich immer auf der Intensivstation. Meistens ist ein bakterieller Infekt die Ursache, der sich mit Antibiotika behandeln lässt. Sollte es zudem weitere Infektionsherde geben, etwa Abszesse oder Schwellungen, müssen diese auch chirurgisch behandelt und entlastet werden.
Was raten Sie Menschen, um einer Sepsis vorzubeugen?
Man kann auf sich aufpassen und gesund leben. Wenn man ein gutes Immunsystem hat, das selbst gut mit Infektionen klarkommt, ist das immer der einfachste Weg. Daneben sollte man auch auf die genannten Anzeichen achten und schnellstens zum Arzt gehen, wenn man den Verdacht auf eine Sepsis hat. Lieber geht man einmal zu viel zum Arzt als einmal zu wenig. Zudem gibt es auch noch Impfungen, die einer Sepsis vorbeugen können. Etwa die Influenza-Impfung. Selbst wenn eine Grippe nur abgeschwächt wird, sinkt schon die Wahrscheinlichkeit dafür, eine Sepsis zu entwickeln. Das gilt auch für die Corona-Impfung und andere. FOTO: CON
