Bundesweiter Negativrekord

Kirchliche Statistik 2022: Bistum Fulda verliert mehr als 13.000 Katholiken

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Das Bistum Fulda hat im vergangenen Jahr mehr als 13.301 Katholiken verloren.
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Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat am Mittwoch die neue kirchliche Statistik vorgelegt. Demnach schrumpfte das Bistum Fulda 2022 um 13.301 Katholiken. Die Zahlen folgen dem bundesweiten Trend.

Fulda - Nach der neuen Statistik der DBK zählte das Bistum Fulda zum Stichtag (31. Dezember 2022) 347.777 Katholiken. Das sind 13.301 weniger als im Vorjahr (2021: 361.078). Insgesamt 7502 Kirchenaustritte hatte das Bistum im Jahr 2022 zu verzeichnen, 2201 mehr als im Jahr zuvor.

Bistum Fulda verliert 2022 mehr als 13.000 Katholiken 

Laut Statistik gab es im vergangenen Jahr 2071 Taufen (2021: 2060), 48 Wiederaufnahmen (2021: 59) und 44 Übertritte (2021: 34) sowie 4094 Bestattungen (2021: 4110). 2328 Kinder gingen zur Erstkommunion (2021: 2414), 1553 Jugendliche wurden gefirmt (2021: 2499). 598 Paare ließen sich kirchlich trauen (2021: 329).

Der Prozentsatz der Gottesdienstbesucher lag bei 7,5 Prozent (2021: 6,1 Prozent) und „steht damit noch unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie“, kommentierte das Bistum Fulda die neuen Zahlen in einer Mitteilung.

„Hinter den Zahlen stehen Menschen. Menschen, die möglicherweise Enttäuschungen oder Verletzungen durch die Kirche erfahren haben“, kommentierte der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber am Mittwoch die Zahlen der Kirchenaustritte. Ihm sei es ganz wichtig, diese Menschen im Blick zu haben. „Wir sind mit Menschen im Gespräch, die sich durch einen Kirchenaustritt von der Kirche abgewandt haben.“ Es sei notwendig, zu erfragen, welche Sehnsüchte und Erwartungen diese Menschen haben.

„Vertrauensverlust aufgrund kircheninterner Konflikte und Skandale“

Die Gründe für den Rückgang der Kirchenzahlen sind dem Bistum zufolge vielfältig. „Zum einen betrifft das gesamtgesellschaftliche Phänomen, dass die Bindungskräfte relevanter Gruppen, Kräfte und Initiativen nachlassen, die großen Kirchen ebenso wie etwa die etablierten Parteien, Gewerkschaften, Verbände und Vereine“, hieß es. „Hinzu kommen eine zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft und ein Vertrauensverlust aufgrund kircheninterner Konflikte und Skandale.“

Als Antwort auf diese Entwicklungen arbeite das Bistum Fulda seit Jahren an einem Kulturwandel hin zu einer inklusiven Kirche im Dialog mit der Vielfalt ihrer Mitglieder und der säkularen Gesellschaft. Auf Basis der biblischen Schriften und der kirchlichen Tradition sollen Menschen dabei angeregt werden, Gott auch in den Zeichen der Zeit zu entdecken.

Bundesweiter Negativrekord

Mehr als eine halbe Million Menschen sind 2022 in Deutschland aus der katholischen Kirche ausgetreten. Die Zahl der Austritte lag in dem Jahr bei 522.821, wie die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn mitteilte. Das sind so viele wie noch nie und deutlich mehr als im bisherigen Rekordjahr 2021. Damals hatten 359.338 Katholiken ihrer Kirche den Rücken gekehrt.

In Deutschland machten die restlichen 20.937.590 Katholiken nach den Zahlen von 2022 noch 24,8 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

In Hessen sind im Jahr 2022 mehr als 31.000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Wie aus der Statistik der Deutschen Bischofskonferenz hervorgeht, lag die Zahl der Katholiken in dem Bundesland zum Jahresende noch bei rund 1,24 Millionen. Das waren rund 490.00 Mitglieder weniger als ein Jahr zuvor.

Die Austrittswelle rollt nicht nur in der katholischen Kirche immer schneller. Auch die evangelische Kirche hat mit 380.000 Mitgliedern 2022 mehr verloren als im Jahr davor.

Begleitet wird diese Dialog-Kultur von einer Modernisierung der Strukturen und einem Konsolidierungskonzept mit dem Ziel, auch bei sinkenden Einnahmen die finanziellen und personellen Ressourcen zielgerichtet für die Kernaufgabe der Kirche einsetzen zu können. Diese Kernaufgabe laute: „Die Menschen von heute mit der frohen Botschaft in Beziehung bringen, die zahlreichen engagierten Akteure im Bistum Fulda dabei bestmöglich zu unterstützen und die Organisation auch in Zukunft fit zu halten für die zahlreichen Herausforderungen einer modernen Gesellschaft.“

Video: Razzia im Erzbistum Köln - Meineid-Verdacht gegen Kardinal Woelki

Vor allem nach der Vorstellung eines Gutachtens zum Missbrauch im Erzbistum München und Freising im Januar und der Diskussion um eine Mitschuld des inzwischen gestorbenen Papstes Benedikt XVI. waren die Austrittszahlen förmlich explodiert.

In der ersten Januarhälfte, also vor dem Gutachten, waren pro Arbeitstag in München etwa 80 Menschen aus der Kirche ausgetreten; nach dem 20. Januar, dem Tag der Vorstellung des Gutachtens, waren es dann zeitweise bis zu 160 Kirchenaustritte pro Arbeitstag - also etwa doppelt so viele.

Schlagzeilen machten im vergangenen Jahr auch Lügen-Vorwürfe gegen den umstrittenen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, bei dem es erst an diesem Dienstag eine Razzia gegeben hatte, und Rechtsstreits um Schmerzensgeld für Missbrauchsopfer in Köln und im oberbayerischen Traunstein. (mit dpa-Material)

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