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Die Frankfurter Feuerwehr muss zu 515 Einsätzen ausrücken. Der Südbahnhof steht unter Wasser und am Flughafen fallen mehrere Flüge aus.
Frankfurt – Am Donnerstagmittag sieht es in der B-Ebene des Südbahnhofs in Frankfurt fast wieder aus wie immer. Fast. Aus einem Rolltreppenschacht wird Wasser durch einen Schlauch abgepumpt und ins Gleisbett geleitet. Aus zwei Stellen an der Decke fließt noch Wasser, rot-weißes Sperrband flattert um die Stellen, auf die es fällt. Mehrere Dachdecker sind seit den frühen Morgenstunden am Arbeiten. Wegen des Starkregens stand der Bahnhof am Mittwochabend komplett unter Wasser. Videos zeigen, wie es sturzbachartig in die U-Bahn-Station fließt. Wie hoch der Schaden ist, konnte die Deutsche Bahn gestern noch nicht beziffern.
Schäden nach starkem Gewitter auch in Hessen und dem Rhein-Main-Gebiet
Ein großer Gewitterkomplex hat am Mittwoch in ganz Hessen und dem Rhein-Main-Gebiet Straßen überschwemmt, Bäume umgerissen und die Einsatzkräfte in Dauerstress versetzt. Der Starkregen verursachte hohe Schäden. Die Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen mussten zu mehr als 2000 Einsätzen ausrücken, alleine in Frankfurt waren es 515. „Dabei handelte es sich um 17 Brände kleineren Ausmaßes wie Rauchentwicklungen durch Wasser in der Elektroverteilung“, teile die Feuerwehr mit.
Flughafen Frankfurt ebenfalls von starkem Gewitter betroffen
Am Frankfurter Flughafen herrschte zwei Stunden lang stand. Allerdings nicht wegen des Starkregens, sondern der ungewöhnlich vielen Blitze. Die Meteorologen registrierten im Zeitraum von 20.40 bis 21.40 Uhr über dem Rhein-Main-Gebiet 25 289 Blitze. Zum Vergleich: Im gesamten vorigen Jahr waren in ganz Hessen 11 566 Blitze verzeichnet worden. „Bei Gewittern im Umkreis von zehn Kilometern wird die Abfertigung eingestellt“, erläutert ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Das sei aufgrund der vielen Blitze diesmal außergewöhnlich länger gewesen. Zwar erhielten 37 Flugzeuge eine Ausnahmegenehmigung, zwischen 23 Uhr und 24 Uhr abheben zu dürfen, 34 Maschinen jedoch mussten aufgrund des Nachtflugverbots am Boden bleiben. Betroffen waren 2500 Passagiere. Am Donnerstag kam es noch zu längeren Warteschlangen und Verspätungen.
Das Gewitter ging nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zwischen 20 und 20.30 Uhr über dem Rhein-Main-Gebiet los und dauerte bis etwa 23 Uhr. „Das ist selten“, sagte ein DWD-Sprecher über die Dauer des Unwetters. So etwas komme alle paar Jahre einmal vor. Laut DWD fielen teilweise innerhalb weniger Stunden 50 bis 80 Liter Regen pro Quadratmeter. Aufgrund der teils hohen Niederschläge kam es in Hessen zu steigenden Wasserständen.
Pegel der Gewässer in Frankfurt und Umgebung stark angestiegen
Insgesamt seien an mehr als 15 Pegeln Meldestufen überschritten, davon kurzzeitig an einem Pegel die Meldestufe 2, hieß es beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Betroffen seien die aus dem Spessart und Vogelsberg kommenden Gewässer im Einzugsgebiet der Fulda, der Kinzig und der Nidda sowie die Flüsse selbst. Das könne sich verschärfen. Insgesamt gibt es drei Meldestufen.
Und nach den schweren Gewittern kommt die Hitze: Der DWD gab am Donnerstag für weite Teile Hessens eine Hitzewarnung heraus. Am Wochenende soll die 30-Grad-Marke geknackt werden. (Timur Tinc/dpa)
Studieren in Hessen ist teuer: Eine aktuelle Analyse zeigt, dass in Frankfurt und Darmstadt die Hälfte oder mehr des Bafögs für die Miete draufgeht.
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