VonAndreas Ungermannschließen
Die Pläne für den Abschnitt B der Fulda-Main-Leitung von Dipperz bis Bergrheinfeld werden konkreter. Netzbetreiber Tennet hat seinen Vorschlagskorridor für die Starkstromtrasse „P 43“ vorgestellt, der durch den Fuldaer Südkreis und Sinntal führt.
Region Fulda - Gut einen Kilometer ist die Trasse breit, die Tennet für die Fulda-Main-Leitung in die genauere Betrachtung nimmt. Diese führt von Dipperz vorbei an Künzell, über Eichenzell, Neuhof, Kalbach, Schlüchtern und Sinntal nach Unterfranken. „Nach der Prüfung des Korridornetzes hat sich diese Variante als am verträglichsten für Mensch, Umwelt und Natur herausgestellt“, erklärt Tennet-Pressesprecher Thomas Wagner.
Fulda-Main-Leitung: Starkstrom durch Kalbach - Tennet präsentiert Vorschlagskorridor
Berücksichtigt worden seien dabei unter anderem bestehende Leitungs- und Verkehrsadern, Umweltschutz, Bebauungen sowie Entwicklungspläne von Städten und Gemeinden. Hinweise, die Teilnehmer an den Infomärkten vor gut einem Jahr vorgebracht hätten, seien ebenfalls in die Überlegungen eingeflossen. Nach dieser Prüfung hätten sich die weiter östlich durch die Rhön und Unterfranken verlaufenden Trassen im Vergleich als ungeeigneter erwiesen als der „Strang A“.
Dies gilt auch für den zehn Kilometer kürzeren „Strang B“, der entlang der A 7 verlaufen wäre und zeitweise als Vorzugsvariante betrachtet worden war. Dieser hätte neben der Gemeinde Ebersburg die Kalbacher Ortsteile Uttrichshausen und Heubach sowie das östliche Sinntal betroffen. Laut Wagner läge aber genau bei Uttrichshausen eine Engstelle vor, die den größten Knackpunkt im „Strang B“ darstelle.
Bei Bad Brückenau stelle ein Wasserschutzgebiet, in dem aufgrund der Wasserschutzverordnung keine Bauwerke – auch keine Masten – zulässig seien, ein Ausschlusskriterium dar. Zudem sei im Bereich von Bad Bocklet wegen der Heilquellen keine Erdverkabelung möglich.
Der Tennet-Sprecher bezeichnet die Fulda-Main-Leitung als ein Pilotprojekt für die Erdverkabelung. Geprüft werde diese zwischen Dipperz und Künzell bis hin zur A 66 bei Eichenzell sowie im letzten Teilabschnitt zwischen Werneck und Bergrheinfeld.
Für Dipperz – genauer für Wisselsrod – gibt es zudem eine weitere neue Nachricht: Die Erweiterung des Umspannwerks soll nur noch halb so groß ausfallen wie bislang geplant. Das berichtet der Fuldaer Bundestagsabgeordnete Michael Brand aus einem Gespräch am Mittwoch mit Tennet, an dem auch der Landtagsabgeordnete Sebastian Müller (beide CDU) teilgenommen hat.
Termin
Ein Informationsabend, an dem Interessierte mit Fachplanern von Tennet ins direkte Gespräch kommen können, findet am Mittwoch, 18. Oktober, von 18 bis 21 Uhr in Rothemann im Bürgerzentrum statt.
„Die Gespräche der letzten Wochen in Berlin haben zu einem ersten Erfolg geführt, wenn die geplante Erweiterung jetzt 50 Prozent kleiner wird und zudem hier Erdverkabelung umgesetzt wird. Und natürlich werden wir, sobald die konkreten Unterlagen vorliegen, die Pläne sehr genau mit den kommunalen Verantwortlichen anschauen“, erklärt Brand.
Die Leitung selbst soll in wesentlichen Teilen überirdisch geführt, aber mit bestehenden Leitungen und Verkehrswegen gebündelt werden. Konkret meint der Netzbetreiber damit die Masten und Kabel bei Hattenhof, von wo aus der Korridor dann entlang der Schnellbahnstrecke Hannover – Fulda – Würzburg bis nach Zeitlofs führen soll.
Südlich der unterfränkischen Marktgemeinde sehen die Pläne die Bündelung mit der Gasleitung Sannerz-Rimpar vor, ab Gemünden am Main bis Bergrheinfeld dann mit einer von Frankfurt kommenden bestehenden Tennet-Leitung.
Auch wenn wir als Netzbetreiber eine Vorzugsvariante als Vorschlag einreichen, heißt das noch nicht, dass diese so umgesetzt wird.
Im nächsten Schritt wird der Netzbetreiber seine Pläne bei der Bundesnetzagentur als genehmigender Behörde einreichen. Dann folgt die Offenlage, während der Kommunen, Verbände und Bürgerinitiativen Eingaben zu dem Projekt einreichen können. „Diskutiert werden diese in einem Erörterungstermin – voraussichtlich Anfang 2024“, kündigt der Tennet-Sprecher an.
Er räumt aber ein: „Auch wenn wir als Netzbetreiber eine Vorzugsvariante als Vorschlag einreichen, heißt das noch nicht, dass diese so umgesetzt wird. Die Bundesnetzagentur kann auch eine andere Entscheidung treffen. Komplett zurücklehnen können sich die Anwohner an der A 7 also noch nicht.“
Rückblick
Im vergangenen Jahr hatte der Übertragungsnetzbetreiber Tennet zu Infomärkten eingeladen – darunter in Petersberg und Sinntal-Sterbfritz. Damals hatten Anwohner aus der Rhön, dem Südkreis Fulda sowie dem östlichen Main-Kinzig-Kreis Bedenken und Unmut geäußert.
Infomarkt-Teilnehmer aus der Rhön fürchteten die hohen Masten und betonten: „So eine Riesenleitung, an Hof und Wald ist nicht ohne!“ Im Gegensatz zu den Uttrichshäusern präferierten sie eine Bündelung entlang der Autobahn. In dem Kalbacher Ortsteil sprach man sich unterdessen vehement dagegen aus. Dieser sei mit der Autobahn schon über Gebühr belastet, die Stromleitung stelle dann eine Überbündelung beziehungsweise -belastung dar. Der Uttrichshäuser Ortsvorsteher Volker Röbig hatte damals kritisiert, Topographie, Wohnbebauung, Naturschutzbelange und andere Belastungen seien seiner Meinung nach zu wenig in der Planung berücksichtigt worden.
Ebenso wie die Nachbarn aus Heubach verwiesen die Uttrichshäuser damals auf den Flugplatz zwischen den Kalbacher Ortsteilen, für den ein Bestandsschutz gelte. Hier hätte eine vor einem Jahr neu zu prüfende Querspange entlang laufen können. Eine solche wäre nach Vorgabe der Bundesnetzagentur auch bei Hattenhof in Betracht gekommen. Hier hatten Einwohner des Neuhofer Ortsteils eingewandt, dass am Rippberg Bodendenkmäler und Schwarzstorchpopulationen betroffen wären.
In Sterbfritz argumentierten die Sinntaler mit der Landwirtschaft und ihrer einzigartigen Kulturlandschaft gegen die Leitung. Die hohen Masten zerstörten das Naturbild, die Erdverkabelung wirke sich negativ auf landwirtschaftliche Erträge aus, befürchteten sie.
Die Fulda–Main-Leitung soll ab 2031 auf einer Länge von rund 130 Kilometern die Umspannwerke Mecklar und Dipperz mit dem Umspannwerk Bergrheinfeld/West verbinden. Jüngst hat die Stadt Hünfeld, die im Abschnitt A (bis Dipperz) der 380-kV-Wechselstromleitung liegt, Widerspruch gegen die Pläne eingelegt – wegen „sehr hoher und hoher Raumwiderstände“.

