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Alexander Katzung kandidiert am 1. Dezember 2024 als Bürgermeister für Melsungen. Der Diplom-Soziologe hat viele Pläne für die Stadt. Machen ist sein Motto.
Melsungen – Alexander Katzung möchte Dinge ausprobieren. Oft fällt im Gespräch mit Melsungens viertem und letzten Bürgermeisterkandidat das Wort Pilotprojekt. Es ist ein Wort, das Katzung mag. Es steht fürs Machen – als das bezeichnet er sich auch: als einen Macher.
Gerade feierte der Diplom-Soziologe seinen 50. Geburtstag. Er habe ein grundsätzliches Interesse daran, wie Gesellschaft und Zusammenleben funktionieren – was Menschen antreibt und wie die Zusammenarbeit – auch größerer Gruppen – gelingen kann.
Er habe sich schon früh einbringen und Veränderungen anstoßen wollen: Schon an der Philipps-Universität in Marburg habe er sich im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) engagiert. In Marburg lernte er auch seine Frau kennen. Gemeinsam ging es nach Hamburg. Dort arbeitete er von 2004 bis 2017 für den Flugzeugbauer Airbus.
Aus Hamburg ging es zurück in die Heimat
Insbesondere die internationale Ausrichtung und die Selbstverständlichkeit, mit der auch Produktionsmitarbeiter zwischen den europäischen Standorten wie Toulouse und Bristol wechselten, fand er spannend und interessant.
„Wir sind beide auf dem Land aufgewachsen. Wir wollten zurück und näher ans Grüne, am liebsten an den Waldrand“, erklärt Katzung seine Motivation zurück nach Melsungen in seine Heimatstadt zu ziehen. Den Kontakt zur Stadt habe er in den Jahren nie verloren – gemeinsam mit Freunden organisierte er zum Beispiel alljährlich die Heimkehrer-Party im Gasthaus Adler.
Kommunalpolitik als Mittel zum Gestalten
In Melsungen habe er die Kommunalpolitik für sich wiederentdeckt. „In Hamburg waren der Job und die Familie wichtiger“, sagt Katzung. Mitglied in der FDP sei er seit 1994. Der Partei, die sein Vater Helmut gut 20 Jahre als Stadtverbandsvorsitzender führte. In Melsungen wurde er zur Kommunalwahl 2021 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, legte sein Mandat aber nieder und wechselte in den Magistrat. Die gute Zusammenarbeit in dem Gremium mit den Grünen, der FWG und der CDU hätten ihn ermuntert, eine Kandidatur zu erwägen. „Ich bin der Überzeugung, dass sich aktuell vieles verändert und wir uns als Stadt weiterentwickeln müssen. Das treibt mich an.“
Wahlkampf
300 Plakate hat Alexander Katzung aufgehängt. Außerdem hat er eine Internetseite für seine Kandidatur. Etwa 12 500 Flyer und drei Großplakate hat er drucken lassen. Dazu gab es eine Bürgerbefragung und den Ideenraum. Etwas über 20 000 Euro kostete der Wahlkampf. Eine Hälfte trage er, die andere seien Spenden. Er sei nicht freigestellt, nehme aber die zwei Wochen vor der Wahl unbezahlten Urlaub.
Er habe aber den Wunsch verspürt, dass mit einer größeren Gruppe zu machen. „Bei der Erarbeitung des Wahlprogramms habe ich gemerkt, was für ein Potenzial wir über die Parteigrenzen hinweg haben können.“
Die Bürger mitnehmen und Ideen umsetzen – Auch gegen Widerstände
Viele konstruktive Ideen und Vorschläge seien zudem durch die Bürgerbefragung hinzugekommen. Er wolle möglichst viele Melsunger mitnehmen auf seinem Weg und notfalls auch mutig gegen Widerstände die besten Ideen umsetzen. Seine Methodik ist dabei klar: „Lasst uns Pilotprojekte machen und daraus lernen.“ Nicht lange reden, sondern machen. „Wir müssen uns trauen, Neues auszuprobieren.“ Als Beispiel nennt er das E-Roller-Projekt. An dessen Ende gebe es belastbare Zahlen und dann könne man entscheiden, ob es sich lohne weiterzumachen. In die Fulda sei übrigens bisher keiner geflogen.
„Auch im Haushalt mag ich es, wenn man den Effekt direkt sieht“, sagt er. Laubrechen sei daher so eine Tätigkeit, die er gut finde. In der Küche finde man ihn hingegen seltener: „Wiener Schnitzel mag ich und mache es auch selbst. Ein echtes.“ Trotz aller Innovationsfreude sucht man Saug- oder Mähroboter vergebens: „Das mache ich lieber von Hand.“ Zum Runterkommen zieht es Alexander Katzung in den Wald, entweder allein beim Joggen oder mit der ganzen Familie. „Ich mache lieber etwas, als zum Buch zu greifen.“ Wenn er mal Ruhe brauche, sitze er mit einem Kaffee auf der Terrasse. Das Wichtigste sei ihm, Zeit für die Familie. Dann werfe er ein paar Körbe mit seinem Sohn (11) oder fahre mit der Tochter (8) zum Reiten. Alle vier seien große Fans von leckerem Essen – gerne im Restaurant. „Da kann man uns treffen“, sagt er. Oder im Wald mit den Kindern. „Das haben wir während der Corona-Pandemie viel gemacht und für uns entdeckt“, sagt Katzung. (Damai D. Dewert)
Zur Person
Alexander Katzung (50) wurde am 31. Oktober 1974 in Rotenburg an der Fulda geboren. Er wuchs in Melsungen auf. Nach seinem Abitur an der Geschwister-Scholl-Schule studierte er in Marburg Soziologie auf Diplom mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Organisation. 13 Jahre arbeitete er bei Airbus in Hamburg. Seit 2017 ist er bei B. Braun in Melsungen tätig. 1994 trat er in die FDP ein. 2021 wurde er bei der Kommunalwahl ins Melsunger Parlament gewählt. Er sitzt als Stadtrat im Magistrat. Katzung engagiert sich ehrenamtlich im Verein „Nordhessen Accelerate“, der Innovationen fördert und der evangelischen Kirche. Katzung ist verheiratet und hat zwei Kinder.
