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Olaf Petersen kandidiert am 1. Dezember 2024 als Bürgermeister für Melsungen. Ehrlichkeit, Offenheit und Selbstkritik sind für den Kraftfahrer wichtig.
Melsungen – „Du bist kein Politiker, du bist zu ehrlich.“ Das sagte mal ein Journalist über Olaf Petersen. Und tatsächlich ist der 58-Jährige im Gespräch erstaunlich offen und ehrlich – vor allem aber selbstkritisch. Jedenfalls für jemanden, der sich um ein hohes politisches Amt bewirbt. Petersen ist einer der vier Kandidaten, die am 1. Dezember neuer Bürgermeister in Melsungen werden wollen. Petersen ist Mitglied der Freien Wähler. Als deren Kandidat konnte er nicht antreten, da es in Melsungen keinen Stadtverband gibt.
Im Wahlkampf ist er bisher am wenigsten in Erscheinung getreten. Das hat einen einfachen Grund: „Ich bin voll berufstätig. Ich muss hart und lange arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen.“ Er könne leider keine Sprechstunden während der Woche anbieten. An den Wochenenden kümmere er sich zudem um seine schwer pflegebedürftige Mutter in Melsungen. „Aktuell liegt sie leider in einer Einrichtung in Felsberg“, sagt Petersen. Es schmerze ihn ohnehin, dass er so wenig Zeit habe für seine Familie.
Wahlkampf
Olaf Petersen nutzt in Melsungen Plakate aus früheren Wahlkämpfen. Außerdem hat er 100 neue Plakate bestellt – Kostenpunkt 500 Euro. Außerdem hat er 8000 Flyer bestellt, die in den kommenden Wochen verteilt werden. Insgesamt hat er ein Budget von 1000 Euro, dass er komplett selbst trägt.
Der alleinlebende Berufskraftfahrer hat eine erwachsene Tochter und einen Sohn. Und dazu zwei Enkel: „Meine Enkelin ist elf Jahre als und mein Enkelsohn ein Jahr alt. Leider sehe ich sie zu selten.“ Er komme nicht mal dazu, Ausflüge zu machen.
Im Job mit dem Lkw unterwegs, in der Freizeit Interesse für dezentrale Energieversorgung
Tagsüber sitzt Petersen auf einem Lkw mit Kran. Er ist im Bergungsdienst beschäftigt. „Da bekomme ich schon heftige Sachen zu sehen.“
Nach einem Moment des Runterkommens verbringe er viel Zeit mit der Recherche von Themen am Computer. „Ich lese auch gerne Sachbücher“, sagt Petersen, der in allem, was er sagt, bodenständig wirkt.
Sein Thema sei die dezentrale Energieversorgung. „Wir reden zu viel über Kleinkram, streiten über Belanglosigkeiten. Wir müssen die wichtigen Dinge angehen.“ Er selbst bezeichnet sich dabei als Macher. „Ich will nicht sagen, dass ich ein guter Verwaltungschef wäre, aber dafür gibt es Profis in der Verwaltung.“
Unbequeme Wahrheiten aussprechen und den Menschen nichts vormachen
Seinen Job sehe er vielmehr darin, Prozesse anzustoßen, auch mal unbequeme Wahrheiten auszusprechen: „Sonst können wir uns doch nicht angemessen vorbereiten.“ Weltweit tobten Kriege um Ressourcen und Rohstoffe. Der Umbau der Wirtschaft müsse auch von unten kommen.
Auf Bundesebene gebe es zu viel Lobbypolitik. Solange die Industrie mit den vorhandenen Ressourcen noch Geld verdienen könne, kämen die guten Ideen nicht durch, sagt er. Er sehe es als Aufgabe der Bürgermeister an, den Menschen zu erklären, dass der Umbau der Wirtschaft und Gesellschaft nötig sei. „Wir stürzen als Deutschland sonst ab. Wir sind zu bequem.“
Den Melsunger Wahlkampf erlebe er mit gemischten Gefühlen. „Da wird versucht, es jeder Gruppe recht zu machen. Aber wir dürfen den Leuten nichts vormachen. Ich kann den Menschen nicht irgendwelche Versprechen machen und enttäusche sie dann.“ Dann nehme der Frust nur zu.
Das Streben nach Gerechtigkeit treibt ihn an
„Für mich ist es wichtig, mich im Spiegel anschauen zu können. Ich möchte etwas bewegen, aber ehrlich.“ Ein Kandidat verspreche zum Beispiel Dinge, für die ein Bürgermeister nicht zuständig sei.
Seine Motivation sei sein Gerechtigkeitssinn. Es laufe so viel falsch. „Ich möchte meinen Kindern und Enkel eine Welt hinterlassen, für die ich mich eingesetzt habe.“
Ihm sei klar, dass der künftige Melsunger Bürgermeister die großen Themen der Stadt wie den Leerstand, die Gesundheitsversorgung und die Außendarstellung anpacken müsse. Auch für die Jugend fehlten Angebote.
Er wünsche sich echte Beteiligung: Umsetzen würde er dazu ein Bürgerportal, über das er zu wichtigen Themen die Meinung der Melsunger abfragen würde. „Als Bürgermeister möchte ich die Richtung vorgeben.“ Ganz uneigennützig sei seine Kandidatur nicht, sagt er und lacht: „Meinen Lebensabend möchte ich in Melsungen verbringen, der Stadt in der ich geboren und aufgewachsen bin.“
Zur Person
Olaf Petersen (58) wurde am 17. November 1965 in Melsungen geboren und wuchs dort auf. Seit vielen Jahren lebt er in Kassel. Nach der Mittleren Reife hat er eine Ausbildung zum Dreher gemacht und sich für den Güterkraftverkehr weiterqualifiziert. Petersen arbeitet für ein Subunternehmer des ADAC im Bergungsdienst. Er ist geschieden und hat eine erwachsene Tochter und einen Sohn sowie zwei Enkel. Er lebt in einer Partnerschaft.
2009 kandidierte er als unabhängiger Kandidat für den Bundestag. Er war Mitglied bei den Piraten und schloss sich dann den Freien Wählern an. Für beide Parteien saß er in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung. 2011 kandidierte er außerdem für das Amt des Oberbürgermeisters. ddd
