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Timo Riedemann kandidiert am 1. Dezember 2024 als Bürgermeister für Melsungen. Der Schwarzenberger tritt zum zweiten Mal in Melsungen an.
Melsungen – Timo Riedemann ist viel unterwegs. Viele Wochen im Jahr verbringt er in Hotels in ganz Deutschland. Vielleicht ist er auch deswegen so verbunden mit seinem Heimatort Schwarzenberg. „Ich bin mit meiner Schwester in diesem Haus aufgewachsen“, sagt der 43-Jährige. Timo Riedemann ist der zweite Kandidat für das Amt des Bürgermeisters in Melsungen, den wir vorstellen.
Eigentlich mag der SPD-Politiker keine Hotels. Das sei eben ein kleines Übel, das sein Beruf mitbringe. Riedemann ist stellvertretender Bezirksdirektor der Allianz Versicherung. Das sei so etwas wie ein Berater für die Allianz-Agenturen, erklärt er. „Ich stehe den Agenturen unterstützend zur Verfügung.“
Er wird in ganz Deutschland angefordert – ein festes Büro habe er daher gar nicht. Und obwohl Versicherungsfachwirt, habe er mit dem klassischen Versicherungsverkauf nichts zu tun.
Beruflich viel unterwegs, Zuhause in Schwarzenberg
Das sei aber nur etwa die eine Hälfte seines Berufs: Riedemann sitzt außerdem im Gesamtbetriebsrat der Allianz. „Ich könnte freigestellt sein, das wollte ich aber nicht.“ Er finde es wichtig, auch als Betriebsrat noch regelmäßig Kontakt mit der realen Arbeitswelt zu haben. Etwa 20 Wochen sei er jährlich auf Dienstreisen unterwegs – wegen seines einen und anderen Berufs.
Und dann gibt es neben dem Joggen noch eine weitere Leidenschaft: die Politik. Seit acht Jahren bekleidet er das höchste politische Amt in Melsungen. Timo Riedemann ist Vorsitzender Stadtverordnetenversammlung. Ein Amt, bei dem es auf Durchsetzungskraft und Unabhängigkeit ankommt. „Ich verstehe meine Aufgabe unbedingt als überparteilich“, sagt Riedemann.
Auch wenn er ein Mann der eher leisen Töne ist, das Parlament hat noch immer zur Ruhe rufen können. Das kommt an – die Stadtverordneten haben ihn nach der Kommunalwahl erneut zu ihrem Chef gewählt – einstimmig.
Kommunalpolitiker aus Leidenschaft
Außerdem ist er noch Ortsvorsteher in seinem Heimatort. Und das war schon sein Vater vor ihm. Der sei aber leider vor einigen Jahren gestorben. Jetzt wohnt Riedemann mit seinem Mann im elterlichen Haus und seine Mutter im Stockwerk darüber.
Häuslichkeit ist dem Paar wichtig, das spürt man in der modernen und wohnlichen Wohnung. Eine Sache sei ihm besonders wichtig gewesen, sagt er und geht zu seinem Lieblingsplatz: der Wintergarten. „Sollte ich je ein Haus bauen, dann nur mit Wintergarten“, sagt er und lacht. Auch wenn seine Parteifarbe rot ist, hat Riedemann einen grünen Daumen. Im Wintergarten wachsen zum Beispiel ein Affenbrotbaum und eine Kaffeepflanze. Die Samen hat er aus Namibia und Uganda mitgebracht. Dort war er jüngst mit sieben anderen Mutigen auf einer Expedition zu den dort heimischen Berggorillas. Als extrem respekteinflößend habe er die Begegnung mit den Menschenaffen wahrgenommen.
Ehrlichkeit ist im Wahlkampf wichtiger als Stimmen
Mutig und ehrlich möchte er auch im Politischen sein. Seine Homosexualität kam bei der zurückliegenden Bürgermeister-Kandidatur nicht bei allen Melsungern gut an. Er ging dennoch offen damit um. Während seiner Wahlkampfveranstaltungen halte er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. „Ein Kandidat muss ehrlich sein, auch wenn das Stimmen kostet.“ Er stehe für Transparenz und Hartnäckigkeit: „Ein Projekt verfolge ich, bis es umgesetzt ist“, sagt er und verweist auf den Regiotram-Halt in Schwarzenberg.
Wahlkampf
Die Kosten des Wahlkampfs übernimmt zu zwei Dritteln die SPD. Riedemann hat Flyer erstellen, eine Internetseite einrichten lassen, Plakate, Banner und Autowerbung organisiert. Dazu besuchte er alle Stadtteile und steht auf dem Marktplatz für Gespräche zur Verfügung. Freigestellt ist er nicht und hat auch keinen Sonderurlaub. Insgesamt hat der Wahlkampf etwa 20 000 Euro gekostet.
45 Prozent holte er 2018 gegen Amtsinhaber Markus Boucsein. In sechs der sieben Stadtteile gewann Riedemann. Er sehe das nicht als Niederlage, sondern als sehr gute Ergebnis. Motiviert erneut anzutreten hätten ihn dann die mehr als 6000 Stimmen bei der Kommunalwahl 2021.
Er sei zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit im Parlament nach der Bürgermeisterwahl wieder gut gelinge. Ein bisschen enttäuscht sei er gewesen, dass sich die Parteien ohne eigenen Bewerber schon vor Bewerbungsstart festgelegt hätten. Es sei gute demokratische Gepflogenheit das Ende der Frist abzuwarten.
Er freue sich auf die Wahl, die werde sicher spannend. Spannung mag Riedemann: Auf seinem Lieblingssessel liest er gerne Krimis von Nele Neuhaus.
Zur Person
Timo Riedemann (43) kommt aus Schwarzenberg. Die Gesamtschule Melsungen schloss er mit der Mittleren Reife ab. 1998 begann er eine Ausbildung bei der Allianz-Versicherung in Kassel als Versicherungskaufmann. Mittlerweile ist er Versicherungsfachwirt und stellvertretender Bezirksdirektor. Er ist SPD-Mitglied und seit 2011 Ortsvorsteher in seinem Heimatdorf Schwarzenberg. Seit 2016 ist der 43-jährige Stadtverordnetenvorsteher im Parlament Melsungen. Riedemann ist verheiratet. Seine Hobbys sind Joggen, Gärtnern und Reisen. (Claudia Feser)
