Zukunft ungewiss

„Vielleicht ist die Insolvenz eine Chance“ - City-Marketing reagiert auf erneute Galeria-Pleite

Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof beantragt erneut ein Insolvenzverfahren. Es ist das dritte innerhalb weniger Jahre. Für Reginald Bukel (50), Vorsitzender des City-Marketings Fulda, kommt das nicht überraschend.

Fulda/Essen - Galeria hat beim Amtsgericht Essen einen Insolvenzantrag gestellt. Die mehr als 15.000 Beschäftigten müssen nun um ihren Arbeitsplatz zittern. Ob weitere Standorte schließen müssen, steht noch nicht fest. Das Geschäft in den Filialen soll dem Unternehmen zufolge normal weiter laufen. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin sagte, das Ministerium stehe in Kontakt mit der Warenhauskette. Neue staatliche Hilfen seien kein Thema der Gespräche.

Galeria-Insolvenz: Wie das City-Marketing Fulda die Situation beurteilt

„Galerias operativer Erfolg wird durch die Rahmenbedingungen der alten Eigentümerstruktur belastet. Wir sehen in dem heutigen Tag ausdrücklich einen Befreiungsschlag“, sagte Galeria-Chef Olivier van den Bossche. „Die Insolvenzen der Signa-Gruppe schädigen Galeria massiv, behindern das laufende Geschäft und schränken durch hohe Mieten und teure Dienstleistungen die künftige Entwicklungsmöglichkeit stark ein.“

Der vorläufige Galeria-Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus sagte, man werde einen Investorenprozess für das Unternehmen sehr kurzfristig starten. Ziel sei, „dass wir im Zeitfenster von sieben, acht Monaten dann auch dieses Insolvenzverfahren wieder verlassen können“. Es gebe bereits Interessenten: „Wir werden weitere Interessenten ansprechen. Die vorhandenen Interessenten können an diesem Prozess teilnehmen.“ Die insolvente Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof will dann mit einem neuen Eigentümer noch einmal durchstarten.

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (hier die Fuldaer Filiale) hat beim Amtsgericht Essen einen Insolvenzantrag gestellt.

„Es ist eine bedauerliche Entwicklung, aber leider haben wir inzwischen Erfahrung damit. Und bei den letzten beiden Malen haben wir gelernt, nicht in Panik zu verfallen, sondern erstmal abzuwarten, was kommt“, bewertet Reginald Bukel, Vorsitzender des City-Marketings Fulda, die Nachricht. Was das für den Galeria-Standort Fulda bedeutet, ist unklar.

Dass Galeria Karstadt Kaufhof überlebt, ist laut Bukel nur durch einen neuen Eigentümer möglich, „der dem Unternehmen Luft lässt für Entwicklungen. Vielleicht ist die Insolvenz eine Chance. Wir hoffen jedenfalls, dass es mit einem neuen Eigentümer weitergeht.“

„Ein dauerhafter Leerstand mitten im Herzen der Stadt wäre katastrophal. Ich mache mir aber keine großen Sorgen, dass das passieren wird. Ich denke, dass der Eigentümer der Immobilie sich schon nach der ersten Insolvenz einen Plan überlegt hat, wie es weitergehen könnte, auch wenn Galeria Kaufhof raus geht. Es ist eine 1-A-Lage. In den unteren Etagen würde sicher wieder Gewerbe sein, die oberen vielleicht als Büros oder Wohnungen genutzt werden“, sagt Bukel im Gespräch mit unserer Zeitung.

Galeria-Immobilie unter Denkmalschutz - welche Möglichkeiten gibt es?

Die Immobilie selbst steht unter Denkmalschutz. Große äußere Umbauten sind deshalb nicht möglich. Sollte man hier etwas weggehen von den starren Vorgaben? „Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man sich immer den aktuellen Begebenheiten anpassen muss. Das Gebäude befindet sich in einer so wichtigen Lage, wenn Änderungen zur Stadtentwicklung beitragen, müssen die Rahmenbedingungen verändert werden“, positioniert sich der 50-Jährige.

Die Idee einer Art Kleinmarkthalle, wo sich verschiedene Restaurants unter einem Dach zusammen tun, kommt immer wieder auf. Ein Zukunftsprojekt für Fulda? „Wenn es ein tragbares Konzept gibt, wäre das eine gute Ergänzung“, so Bukel. „Ich kann mir vorstellen, dass es funktioniert. Fulda ist schon ein paarmal unterschätzt worden. Es hieß früher auch, dass es keine Nachfrage für ein großes Hotel gebe. Dann wurde das Esperanto gebaut, das inzwischen gut ausgelastet ist und wodurch auch die umliegenden Hotels profitieren. Man muss Mut haben, Neues zu probieren.“

Auch beim Galeria-Kaufhaus in Kassel besteht trotz Unsicherheit Hoffnung, wie hna.de berichtet. Es habe gute Chancen, die erneute Insolvenz zu überstehen.

Das Land Hessen unterstützte zuletzt fünf Städte, die um die Zukunft ihrer Standorte der insolventen Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof bangen. Auch Hanau ist dabei. (dan, dpa)

Rubriklistenbild: © Jasmin Herzberg

Kommentare