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Bundestagswahl: Etwas Hoffnung im Frust bei der SPD in Frankfurt

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Die SPD-Direktkandidaten Lena Voigt und Armand Zorn am Wahlabend im Frankfurter Römer.
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Die SPD ist mit ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl auch in Frankfurt nicht zufrieden, sieht aber Lichtblicke. Armand Zorn liefert sich ein stundenlanges Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die Stimmungslage der Frankfurter SPD ist an diesem Wahlabend kompliziert. Zufrieden kann sie nicht sein, hat im Bund wie in Frankfurt deutlich an Prozentpunkten verloren, wird nicht mehr den Kanzler stellen. Doch es gibt Lichtblicke.

Hoffnung macht der SPD vor allem das gute Abschneiden bei den Erststimmen. Lena Voigt hat mit 18,6 Prozent ein deutlich besseres Ergebnis erzielt, als von vielen erwartet. Die 31 Jahre alte Berufschullehrerin, die zunächst nur wenigen bekannt war, landet im Wahlkreis 182 im Norden, Osten und Süden der Stadt auf Platz 3, ist aber nicht unzufrieden. Sie habe einen sehr kurzen harten Wahlkampf in einem für die SPD nicht einfachen Wahlkreis hinter sich, sagt sie am Abend der Frankfurter Rundschau. Auf ihr Ergebnis lasse sich aufbauen, sagt sie. Armand Zorn, der im Herbst 2021 überraschend den westlichen Wahlkreis gewann und in den Bundestag einzog, liegt nach einem stundenlangen Kopf-an-Kopf-Rennen wenige Stimmen hinter Yannick Schwander (CDU).

Auch das Frankfurter Ergebnis sei nicht das, „was wir uns vorstellen“, sagt der Frankfurter Ko-Vorsitzende der SPD, Kolja Müller, am Abend aber. „Das ist nicht unser Anspruch.“ Die Partei sei in den vergangenen Wochen sehr motiviert gewesen in Frankfurt, sagt er. Auch neue Gesichter hätten sich im Wahlkampf sehr engagiert. Die SPD in der Stadt stehe nur vor der Aufgabe, die Vielfalt Frankfurts personell noch stärker widerzuspiegeln, sich so aufzustellen, dass wir wieder Wahlen gewinnen können. Dabei sei es entscheidend, den direkten Kontakt zu den Menschen im Stadtteil zu suchen, gerade zu denen in Siedlungen mit geringerer Wahlbeteiligung.

Der Blick nach Berlin ist für die Partei frustrierend. „Das ist das erwartet schlechte Ergebnis“, sagt der SPD-Stadtverordnete Simon Witsch schon, als um 18 Uhr die ersten Zahlen bekannt werden. Die SPD habe das, wofür die Koalition angetreten sei, nicht umsetzen können. Olaf Scholz habe für einen Bundeskanzler zudem sehr schlechte Beliebtheitswerte. Im Nachhinein hätte die SPD schon im Herbst auf Boris Pistorius setzen müssen, sagt Witsch am frühen Abend. „Es tut weh, Weidel feiern zu sehen.“ Und spricht von einem beängstigenden Rechtsruck.

Im Bundestagswahlkampf stark auf das Thema Wirtschaft zu setzen, sei richtig gewesen, sagt Kolja Müller später. Die Angst vor dem Abstieg und die hohen Lebenshaltungskosten beschäftigten schließlich sehr viele Menschen. Auf Bundesebene könnte es nun wieder einmal eine Koalition mit der CDU geben. Klar sei: „Wir werden gebraucht“, sagt die Frankfurter Parteivorsitzende Ina Hartwig in einem ersten Statement. Die Situation sei nicht einfach, weltpolitisch eine neue Zeit angebrochen. Die demokratischen Parteien müssten pragmatisch zusammenarbeiten.

Die SPD sei in ihrer Geschichte immer bereit gewesen, staatsbürgerliche Verantwortung zu übernehmen, sagt Kolja Müller. „Stand jetzt“ gelte für ihn aber: „Wir dürfen nicht in eine Regierung mit Friedrich Merz als Bundeskanzler gehen.“ Der CDU-Chef agiere nicht nur arrogant, er habe noch in seiner letzten Rede vor der Wahl zudem bewiesen, dass er spalte anstatt zu einen.

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