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Die Justizvollzugsanstalt Butzbach ist 129 Jahre alt. Nun werden in den nächsten 15 Jahren unter anderem die Haftflügel saniert sowie eine Energiezentrale und ein Multifunktionsgebäude gebaut.
Stacheldraht. Kameras. Dicke Mauern. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Butzbach hat die höchste Sicherheitsstufe. Dort sind nur Männer mit langjähriger Haftstrafe untergebracht. Bis zum Jahr 2037 soll die Anstalt grundsaniert werden. An einigen Stellen haben die Arbeiten bereits begonnen. Justizminister Roman Poseck hat die JVA Butzbach besucht, um die ersten Baumaßnahmen zu besichtigen.
Die hohen Mauern, die die Häftlinge von der Außenwelt trennen, stammen aus einer anderen Zeit. 1894 wurde die damals genannte »Zellenstrafanstalt« gebaut. Es ist eine von 18 selbstständigen Justizvollzugsbehörden in ganz Hessen.
Mittlerweile liegt der Bau der Butzbacher JVA über ein Jahrhundert zurück. In ihrem Koalitionsvertrag legte die schwarz-grüne Landesregierung fest, dass die hessischen Anstalten erhalten und weiter modernisiert werden sollen. »Dabei werden bis 2030 insgesamt 800 Millionen Euro in die hessischen JVAs investiert. 150 Millionen davon fließen nach Butzbach«, sagt Poseck bei seinem Besuch in der JVA.
Bauarbeiten im laufenden Betrieb
Mit dieser Summe sind allerdings nur die Vorabmaßnahmen sowie der erste Bauabschnitt abgedeckt, erklärt Poseck. Von 2030 bis 2037 folgen dann noch Bauabschnitte zwei bis fünf. Alle Arbeiten werden im laufenden Betrieb der JVA stattfinden. »Das ist natürlich nicht immer einfach. Aber wir sind gut gerüstet«, sagt Uwe Röhrig, Leiter der Butzbacher Anstalt. »Und: Die Sicherheit wird während der gesamten Bauzeit natürlich immer gewährleistet«, ergänzt Frank Würster, Projektmanager vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen.
Es werde Wert darauf gelegt, die JVA zu modernisieren und gleichzeitig den Bestand zu erhalten. »Im panoptischen Zentralbau, in dem die Zellen sind, gibt es eine Galerie über drei Geschosse. Sie hat einen historischen Wert, den wir erhalten wollen«, sagt Würster. Für die Modernisierung werden alle Zellen jeweils vier Quadratmeter größer, und es soll einen größeren Sanitärbereich geben. »Weitere Fenster ermöglichen, dass Insassen herausschauen können.«
Rückbaut erfolgt Bauteil für Bauteil
Die Vorabmaßnahmen, die bereits laufen, umfassen den Rückbau der Werkhofküche und des Lagergebäudes. »Der Rückbau erfolgt Bauteil für Bauteil und nicht etwa mit einer Abrissbirne. Damit können wir die Baustoffe sortenrein trennen.«
Des Weiteren entsteht eine Energiezentrale, um die Stromversorgung zu verwalten. Außerdem werden begrünte Sicht- und Schallschutzwand gebaut, die angrenzende Wohnsiedlungen von Baulärm abschirmen sollen. »Diese Lösung ist dauerhaft und nicht auf die Zeit der Grundsanierung beschränkt«, sagt Würster. Das sei auch insofern sinnvoll, da in Zukunft der gesamte Fahrverkehr der JVA am Westen der Anlage entlang laufe.
Neuer Standort für Wirtschaftsgebäude
Im ersten Bauabschnitt, der laut Würster voraussichtlich im Frühjahr 2025 startet, sollen die Zwischenpforte, das Lagergebäude sowie das Wirtschaftsgebäude neu gebaut werden. Im Wirtschaftsgebäude können Häftlinge unter anderem in Schlosserei, Wäscherei, Bäckerei oder Metzgerei arbeiten. Der neue Standort des Wirtschaftsgebäudes ermögliche eine bessere Trennung zwischen Arbeit und Unterkunft der Häftlinge. Zuvor habe das Wirtschaftsgebäude mit all den Werkzeugen, die ein potenzielles Risiko bergen würden, mitten im Zellentrakt gelegen, sagt Würster.
Einwohner aktiv einbinden
Beim zweiten Bauabschnitt, der erst nach 2030 beginnen wird, soll ein neues Haftgebäude mit Sicherheitszellen entstehen. Außerdem wird die Hauptpforte neu gebaut.
Auf dem weiteren Plan der Grundsanierung der JVA stehen der Bau eines Multifunktionsgebäudes mit Besucherräumen und einer Krankenstation. Auch werden die drei Haftflügel sowie zwei Nebengebäuden saniert. Die Planung der Grundsanierung hat das Architekturbüro DHBT aus Kiel übernommen.
Um die Butzbacher in die Bauarbeiten der nächsten 15 Jahre einzubinden, kündigt Poseck an, dass es Bürgerversammlungen geben werde. »Wir wollen die hohe Akzeptanz der JVA in Butzbach aufrechterhalten.«
INFO: Die Butzbacher JVA
In der Justizvollzugsanstalt Butzbach sind knapp 500 Häftlinge untergebracht. Es sind besonders »erheblich strafrechtlich vorbelastete, gewaltbereite, ausbruchswillige, langjährig drogenabhängige und psychisch auffällige Gefangene«, heißt es auf der Webseite des Justizvollzugs Hessen. In der JVA Butzbach können die Häftlinge in verschiedenen Betrieben arbeiten. »Wir wollen die Grundlage für eine erfolgreiche Resozialisierung bieten«, sagt Justizminister Roman Poseck.