Verkehr

Carsharing auch am Stadtrand

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Carsharing funktioniert in der Regel per App.
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In Frankfurt wird es bald Carsharing-Stationen im öffentlichen Raum geben. Die ersten Standorte sollen im Frühjahr zugeteilt werden. Anbieter dürfen abschleppen lassen.

In Frankfurt soll Carsharing künftig in der gesamten Stadt angeboten werden. Ein entsprechendes Konzept stellte Heiko Nickel aus dem Verkehrsdezernat am Montagabend im Verkehrsausschuss vor.

Die Carsharing-Anbieter bekommen demnach Standorte im öffentlichen Raum zugeteilt, die von innenstadtnahen Stadtteilen bis in die Randzonen reichen. Pro Station sind zwei Stellplätze geplant, die von jeweils einem Anbieter bestückt werden. In der Peripherie wird es in der Regel ein Carsharing-Fahrzeug pro Station geben.

Stadtgebiet wird in drei Zonen unterteilt

Die ersten Standorte würden in den Ortsbezirken 2, 6 und 7 im Frankfurter Westen geschaffen, führte Nickel aus. Hier sollen die ersten Plätze im Frühjahr vergeben werden. Es folgen Standorte in den Ortsbezirken 1, 4, 5, 11, 16 (Süden und Osten) sowie in den Ortsbezirken 3, 8, 9, 10, 12, 13, 14, 15 (Norden).

In den drei Zuteilungsgebieten sollen jeweils 70 Carsharing-Fahrzeuge an 35 Stationen angeboten werden. Die 16 Ortsbeiräte hatten dazu verschiedene Vorschläge gemacht. „Die Wünsche aus den Ortsbeiräten wurden berücksichtigt, das hat enorme Ressourcen gebunden“, sagte Nickel.

Die Stadt habe die Carsharing-Anbieter bei einem runden Tisch am 9. Februar über die Zuteilung informiert. Zu den in Frankfurt engagierten Anbietern zählen Book-and-Drive, Share Now, Flinkster und Stadtmobil. Weitere könnten hinzukommen. Nickel sprach von sieben Interessierten.

Mehr Stationen im öffentlichen Raum

Bislang finden sich die meisten Stationen in Hinterhöfen oder Garagen. Ein Teil der Carsharing-Fahrzeuge wird künftig im öffentlichen Raum zu finden sein. Dafür werden Parkplätze zu Carsharing-Parkplätzen umgewidmet und entsprechend ausgeschildert.

Neu ist auch, dass die Anbieter das Recht bekommen, Falschparkerinnen und Falschparker abzuschleppen. „Wir übertragen ihnen den Platz, sodass sie selber abschleppen können“, sagte Nickel. Die Anbieter hätten ein Interesse daran, dass niemand auf den Stationen falsch parke.

Die drei über das Stadtgebiet verteilten Zuteilungsgebiete werden zusätzlich in Bündel unterteilt. Die Anbieter erhalten jeweils vier A-Lagen, zwei B-Lagen und eine C-Lage. Damit will die Stadt verhindern, dass Stadtteile wie Harheim oder Nieder-Erlenbach beim Carsharing außen vor gelassen werden und sich alle Anbieter in der Frankfurter Innenstadt ballen.

Freefloating-Fahrzeuge können weiterhin frei parken

Nicht an den Stationen zu finden sein werden die Freefloating-Fahrzeuge; diese können weiterhin im öffentlichen Straßenraum stehen. Die Anbieter sind gehalten, die Flotte an E-Carsharing-Fahrzeuge auszubauen. Das Land Hessen fördert den Aufbau der Ladeinfrastruktur finanziell.

Laut dem Bundesverband Carsharing (BCS) gab es in Frankfurt zuletzt 0,73 Carsharing-Fahrzeuge auf 1000 Einwohner:innen. Die Stadt strebt an, diese Quote bis 2025 auf ein Fahrzeug pro 1000 Einwohner:innen auszubauen. Die gesamte Flotte in der Stadt würde damit um 210 Fahrzeuge wachsen. Laut BCS kann ein Carsharing-Fahrzeug bis zu 20 privat genutzte Pkw ersetzen. „Es gibt ein Riesenpotenzial“, sagte Nickel.

Er verwies auf eine Arbeit des Mobilitätsforschers Martin Lanzendorf, wonach mehr als 60 Prozent der Autos in bestimmten städtischen Quartieren im Alltag nicht bewegt würden. „Die Menschen können sich durchrechnen, wie viel sie sparen würden, wenn sie statt des eigenen Autos am Wochenende oder für den Urlaub ein Leihauto nähmen“, sagte Nickel.

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