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Christine Lagarde äußert scharfe Kritik an Frankfurts Bildungs- und Baudezernentin Sylvia Weber und verlangt schnellere Lösungen für die Europäische Schule.
Frankfurt. Christine Lagarde ließ keinen Zweifel: „Es war beschämend, den Kollegen zu erklären, dass ich nun zu einer Eröffnung von Containern fahre, die eine Schule sein sollen.“ Vor den neuen Unterrichtscontainern der Euro-Kids am Praunheimer Weg 107 – gegenüber der Europäischen Schule Frankfurt (ESF) – übte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) scharfe Kritik an der Stadt. An Bildungs- und Baudezernentin Sylvia Weber (SPD) gerichtet: „Denken Sie an unsere Abmachung. Wir brauchen eine richtige Schulanlage und außerdem Sicherheit, wo die Schule sein wird. Sagen Sie uns klar: wann, wie und wo?“ Der Applaus der anwesenden Eltern sprach Bände.
Europäische Schule: Es braucht eine endgültige Lösung
Die Lage ist zugespitzt. Die ESF platzt aus allen Nähten, die Container sind – noch – Rettungsanker. George Betts, „General Manager“ der Euro-Kids gGmbH, fordert von Weber einen Ort „an dem sich Kinder wohlfühlen“. Schon jetzt gebe es zu viele Kinder in der Schule. Bis 2032 rechnet man mit einem Anstieg von 1650 auf 2244 Schülerinnen und Schüler. Die Euro-Kids erweitert deshalb am Standort gegenüber der eigentlichen Schule – und lud zur Einweihung zweier neuer Container ein. Insgesamt 6,9 Millionen Euro kosten die beiden neuen hochmodernen Containergebäude die EZB. Ohne endgültige Lösung für die ESF wird es 2028 aber wohl einen Aufnahmestopp für berechtigte Kinder geben.
Ringen um neuen Standort der Schule
Im Hintergrund ringen Politik und Verwaltung um den künftigen Standort der ESF. Der Festplatz am Ratswegkreisel – Heimat der Dippemess, genutzt für Märkte, Fahrstunden, Großveranstaltungen – steht seit Jahren als möglicher Neubauort im Raum. Anwohner, Schausteller, Kleingärtner protestieren aber. „Frankfurter Kultur“ ginge verloren, der Grüngürtel würde beeinträchtigt. Deswegen existieren nun wohl bis zu 20 Alternativen.
Zurück am Praunheimer Weg präsentiert der Rundgang die Bruchlinien der Bildungspolitik. Lagarde hofft, „dass die jetzige Lösung wirklich temporär ist. Es geht von Container zu Container“. Und sie pocht auf Tempo. Der benachbarte Acker, der auch für den „Stadtteil der Quartiere“ vorgesehen ist, müsse „schnellstmöglich“ bereitgestellt werden. Gleichzeitig ließ sie Weber mit ihren Beschwichtigungen während des Rundgangs durch die neuen Container kaum zu Wort kommen.
Weitere Akteure äußern neben Christine Lagarde Kritik
Andreas Beckmann, Secretary General der European Schools, verschärft den Befund: „Wir erleben eine Eröffnung von Containern, statt einer richtigen Schule. Es braucht eine langfristige Vision. Versprechen müssen umgesetzt werden. Die jetzige Schule war nur für 900 Kinder geplant, bereits jetzt sind es viel zu viele.“
Für die Europäische Union stellt Christian Linder klar: „Wir müssen attraktiv für Familien in dem Bereich Finanzen bleiben. Diese Schule ist nicht nur für uns wichtig, sondern sogar für die gesamte EU sowie die Institution EZB und alle ihre Mitarbeiter.“ Es geht um Standortfaktoren, um die internationale Anschlussfähigkeit Frankfurts – und um verlässliche Schulplätze, die für die EZB essenziell sind.
Hilfe für Sylvia Weber von unerwarteter Seite
Sylvia Weber dankte lange und versprach viel Ungenaues. „Ich habe die Kinder nicht vergessen“, sagte sie. Konkrete Antworten blieben aus; ihr Ressort arbeite an einer Lösung, konkurrierende Anliegen – etwa Naturschutz – seien zu berücksichtigen. Bis Ende des Jahres habe man eine Lösung. „Wichtige Schritte stehen an.“
Was diese wichtigen Schritte seien könnten, erklärt der eigentlich unbeteiligte Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) auf Nachfrage dieser Zeitung: Er gehört selbst nicht zur städtischen Planungsgruppe für die ESF; auf Wunsch des Ortsbeirats 7 seien durch sein Dezernat die Alternativen gesucht worden. „In etwa drei Wochen wollen wir mit der EZB die Lösungsvorschläge abstimmen, um so eine gemeinsame Richtung zu finden“, erklärt er.