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Übers Fronleichnamswochenende hat die S-Bahn Frankfurt einen Kollaps erlitten. Jetzt kommen die Gründe dafür ans Licht.
Frankfurt -Sehr viele kurzfristige Ausfälle haben am Fronleichnamswochenende den Betrieb der S-Bahn Rhein-Main in und um Frankfurt stark beeinträchtigt. Ursache waren offenbar sehr viele und teils kurzfristige Baustellen, die auf Personalknappheit bei der S-Bahn trafen. Das bekamen unter anderem Fahrgäste zu spüren, die per Bahn zu Großveranstaltungen wie dem World Club Dome im Waldstadion wollten.
Die Situation am Bahnhof Stadion sei am Wochenende „ziemlich unerträglich“ gewesen, berichtet Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne), der sich vor Ort umsah. Anders als sonst fuhren diesmal keine Sonderzüge zur Veranstaltung mit täglich 60 000 Besuchern. Ebenso fährt die S7 seit Mai zwei Monate lang wegen Bauarbeiten gar nicht zwischen Hauptbahnhof und Stadion. Allerdings erklärt eine Sprecherin der Bahn: „Nach unserer Information lief die An- und Abreise zum Großevent weitgehend reibungslos.“
S-Bahn-Netz in Frankfurt geht in die Knie: zu viele Bauarbeiten, zu wenig Personal
Das war aber sonst oft nicht der Fall. Beispielsweise fuhr am Sonntagabend plötzlich stundenlang keine S5 zwischen Frankfurt und Bad Homburg. Viele Fahrten von S8 und S9 fielen ab Frankfurt Hauptbahnhof nach Offenbach/Hanau aus. „In den vergangenen Tagen und am Wochenende war das Streckennetz der S-Bahn Rhein-Main von einem intensiven Baugeschehen geprägt“, erklärt die Bahn-Sprecherin. Zum Teil habe DB-Netz Bauarbeiten sehr kurzfristig angesetzt. Unter anderem habe es Oberleitungsarbeiten in Bad Homburg gegeben, die Camberger Brücke werde saniert. Nördlich des Stadions wird in Niederrad eine neue, dritte Mainbrücke gebaut und die S6-Strecke ist vom Westbahnhof bis Bad Vilbel eine einzige Baustelle.
Diesmal aber eskalierte die Lage außergewöhnlich: Die langfristigen und kurzfristigen Baustellen trafen bei der S-Bahn auf die allgemeine Personalknappheit. Schon zu Beginn der vorigen Woche hatte die Geschäftsleitung die Mitarbeiter deshalb in einem internen Rundschreiben, das der Redaktion zugespielt wurde, gewarnt, dass es „für die Betriebstage“ ab Fronleichnam „zu weitreichenden Lücken“ in den Dienstplänen komme. Es gebe im Raum Frankfurt doppelt so viele Baustellen wie im Vorjahr, erklärte die Geschäftsleitung.
Frankfurter Lokführer erfahren Fahrplan erst bei Dienstantritt
Hinzu kämen „wiederkehrende Signal- und Weichenstörungen“. Durch der „Vielzahl und Komplexität der baustellenbedingten Veränderungen“ komme man „zunehmend an Grenzen der vorhandenen Ressourcen“. Die Folge: „Zwischen dem 8. und 12. Juni war keine Schicht geplant“, berichtet ein Lokführer, der anonym bleiben möchte. „Wir sind zur Arbeit gegangen und kannten nur die Dienstzeiten. Alles andere wurde ad hoc disponiert.“ Der S-Bahn-Betriebsrat wertet die Vorgänge in einem internen Schreiben als Bankrotterklärung der Geschäftsleitung. „Seit Jahren ist uns allen bewusst, dass das massive Sparprogramm bei der DB uns irgendwann auf die Füße fällt.“
Bahn: „Sondersituation“ soll aufgearbeitet werden
Die Lage sei „für die S-Bahn eine Sondersituation gewesen“, betont die Bahn-Sprecherin. „Wir arbeiten die Prozesse derzeit auf und stehen dazu auch in intensiven Gesprächen mit dem Infrastrukturbetreiber.“
Fahrgäste müssen sich wohl darauf einstellen, dass jederzeit erneut kurzfristig S-Bahnen ausfallen. Intern warnte die S-Bahn-Chefetage vorige Woche: „Das konkrete Ausmaß und ein Ende der Einschränkungen sind derzeit leider noch nicht abschätzbar.“ (Dennis Pfeiffer-Goldmann)