E-Rezept kommt zum 1. Januar

Medikamente gibt es bald per Code

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Apotheker Dirk Wieckenberg aus Moringen arbeitet schon länger mit der E-Rezept-Technik.
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Ab 1. Januar müssen Arztpraxen bundesweit das E-Rezept anbieten. Wir haben einen Arzt und einen Apotheker im Landkreis Northeim dazu befragt.

Northeim – Digitaler Code statt Ausdruck auf rosa Papier: Das elektronische Rezept, kurz E-Rezept, ist ab 1. Januar 2024 Pflicht in deutschen Arztpraxen. Apotheken sind schon seit 2022 in der Lage, E-Rezepte einzulösen. Im Landkreis Northeim hatten im Juli dieses Jahres erste Praxen das neue, digitalisierte Verfahren eingeführt, bei einigen war das Verfahren aber aus unterschiedlichen Gründen zunächst auf Ablehnung gestoßen. Doch nun müssen alle mitmachen.

Ob inzwischen tatsächlich alle Praxen im Kreis Northeim an das neue System angeschlossen sind, weiß Wolfgang Boldt, Allgemeinmediziner in Moringen und Vorsitzender des Northeimer Ärztevereins, nicht. „Aber alle Kollegen und Kolleginnen, die ich zuletzt bei einer Fortbildung an der Universitäts-Medizin Göttingen getroffen habe, sind bereit für das E--Rezept.“

Und wem bringt das E-Rezept eine Erleichterung? Laut Boldt auf jeden Fall den Patienten – wenn denn alles reibungslos läuft. Ihnen bleibe zum Beispiel die Abholung der Rezepte in den Praxen erspart. Die Mitarbeiter in den Praxen müssten nicht mehr drucken, sortieren, unterschreiben lassen, wegsortieren und bei Abholung die Rezepte herausgeben. In der Gemeinschaftspraxis in Moringen wird laut Boldt bereits mit dem E-Rezept gearbeitet – aber erst bei Verordnungen aus der Sprechstunde heraus. „Wir wollen und müssen immer noch einiges erklären.“

Die Möglichkeit, mit der eigenen Gesundheitskarte direkt in der Apotheke die Medikamente abholen zu können, spare zudem Papier und Toner, das sei ja auch gut für die Umwelt. „Bei uns in Moringen funktioniert das E-Rezept reibungslos. Wir werden das Verfahren auch noch weiter ausbauen.“ Und: Papierrezepte wird es weiterhin für Selbstzahler sowie für starke Schmerz- und Betäubungsmittel geben.

Jan-Dirk Wieckenberg, Eigentümer der Eichen-Apotheke in Moringen, ist mit dem neuen Verfahren insgesamt zufrieden: „Das klappt bisher sehr gut.“ Aber: Zu 100 Prozent umsetzbar sei das System noch nicht. „Was ist mit Menschen, die aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht in eine Arztpraxis gehen können oder im Pflegeheim leben?“, fragt er.

Der Apotheker gehe davon aus, dass sich auch dafür in nächster Zeit sichere Lösungen finden werden. Und: Wer kein Smartphone nutzt, kann sich beim Arzt den entsprechenden Code auf Papier ausdrucken lassen und damit in die Apotheke gehen. Aber: Wer darauf besteht, bekommt sein Rezept auch weiterhin wie bisher auf rosa Papier ausgedruckt.

Es stehen ab Januar 2024 drei Möglichkeiten zur Verfügung, ein E-Rezept einzulösen: Mit dem Smartphone über die E-Rezept-App, über die elektronische Gesundheitskarte oder mit einem Ausdruck auf Papier, der künftig nicht mehr rosa, sondern weiß ist. Die auf dem E-Rezept enthaltenen Daten werden verschlüsselt dargestellt. In der Apotheke wird der Code gescannt. Mit der Gesundheitskarte wird die Verordnung durch ein Kartenlesegerät übermittelt. (kat)

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