VonSteven Mickschschließen
Das Frankfurter Gesundheitsamt und ein Frankfurter Ärztevertreter sehen trotz Anstieg keinen Grund zur Besorgnis. Die Krankenhäuser testen in Verdachtsfällen.
Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Frankfurt steigt seit Anfang August wieder leicht – auf „sehr niedrigem Niveau“, wie das Frankfurter Gesundheitsamt mitteilt. In der zweiten Augusthälfte seien die Fallzahlen nicht weiter angestiegen, teilt das Amt auf Nachfrage mit. Die Sieben-Tage-Inzidenz betrug in der Stadt zuletzt 6,6 pro 100 000 Menschen. Da keine Testpflicht mehr besteht, dürfte die Dunkelziffer aber höher liegen.
Was weiter gilt, ist die Meldepflicht für eine Erkrankung. Labore, Praxen, Kliniken und weitere Einrichtungen melden dem Gesundheitsamt Ausbrüche. „Für die Anordnung allgemeiner Maßnahmen geben die insgesamt sehr niedrigen Inzidenzzahlen aus medizinischer Sicht aktuell keinen Anlass“, so das Amt.
Auch die Krankenhäuser haben Corona weiter auf dem Schirm, bestätigen aber die niedrigen Fallzahlen. Aus dem Bürgerhospital heißt es: „Trotz der wieder hohen Zahlen in der Bevölkerung beobachten wir aktuell keine steigende Zahl an Corona-Erkrankten auf unseren Stationen im Bürgerhospital, auch nicht im Intensivbereich.“ Patient:innen würden „bei entsprechender Symptomatik räumlich getrennt weiterbehandelt und auf Covid-19 getestet“. Auch Beschäftigte würden im Verdachtsfall getestet.
Ähnlich hält es das Varisano-Krankenhaus in Höchst. Tests gebe es nur in Verdachtsfällen. Wenn Beschäftigte positiv getestet seien, blieben sie fünf Tage zu Hause und könnten dann wieder zur Arbeit kommen, wenn sie symptomfrei seien. Ein paar wenige Infektion habe es im Mitarbeiterkreis schon gegeben. Bei den Patientinnen und Patienten habe es keine Einlieferungen wegen Corona gegeben. Es wurden aber Menschen im Zuge des Aufenthalts positiv getestet.
Eine Kennzahl, die auch ohne Testpflicht zuverlässige Aussagen ermöglicht, ist die Hospitalisierungsinzidenz. Sie gibt an, wie viele Corona-Patient:innen pro 100 000 Einwohner im Krankenhaus behandelt werden müssen. In Hessen lag sie am Montag mit 1,25 niedriger als in Gesamtdeutschland (1,4). Auf dem Höhepunkt der Pandemie waren in Frankfurt statistisch bis zu 7,7 von 100 000 Personen mit Covid im Krankenhaus.
Nicht nur aus diesem Grund sei der Anstieg der Fallzahlen „nichts, was besorgt stimmen müsste“, sagt Jürgen Burdenski, Bezirksvorsitzender des Hausärzteverbands Hessen und Allgemeinmediziner in Preungesheim: „Die Verläufe ähneln im Moment auch eher einer schweren Erkältung als den Verläufen aus der Anfangszeit der Pandemie.“ Viele seiner Patient:innen hätten das Virus aus dem Urlaub mitgebracht, „aus ganz verschiedenen Ländern“.
Infizierten mit milderem Verlauf rät Burdenski, sich zu schonen, viel zu trinken und eventuell auftretende Halsschmerzen mit Lutschtabletten zu mildern. Außerdem sollten sie sich von anderen Menschen fernhalten – oder zumindest in der Öffentlichkeit „eine der Masken tragen, die sie sicherlich noch zu Hause haben“. Denn selbst das sei im Moment eher die Ausnahme als die Regel.
„Wir hatten drei Jahre Pandemie. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen wenigstens das Wissen hinüberretten, dass, wenn man krank ist, eine Maske andere Menschen vor Ansteckung schützt.“ Das Gesundheitsamt erinnert: „Besonders gefährdete Personen können sich wie bisher dadurch schützen, dass sie in geschlossenen Räumen die AHA + L-Regeln, also „Abstand halten, Hygiene beachten, im Alltag Maske tragen, regelmäßig lüften“, einhalten.“
Auch eine Impfempfehlung besteht laut Ständiger Impfkommission nach wie vor nur für besonders gefährdete Gruppen, deren Angehörige und medizinisches Personal. Burdenski rät allerdings, mit der Impfung zu warten, bis der neue Impfstoff auf dem Markt ist, der an die momentan vorherrschende Omikron-Variante XBB.1.5 und ihren Subtyp EG.5 angepasst ist. Dieser könnte noch im September ausgeliefert werden. Eine durch den ursprünglichen Omikron-Erreger, der für die letzte große Corona-Welle verantwortlich war, verursachte Infektion wurde dem RKI das letzte Mal Mitte Juli gemeldet.
Rubriklistenbild: © dpa

