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Dauerregen in Hessen: Extreme lassen die Landwirtschaft leiden

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Vielleicht kommt der Sommer ja doch noch mal auf die Füße. Bis dahin ist man besser gut beschirmt unterwegs.
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Vielerorts ruht wegen der Nässe die Ernte. Der Dauerregen hat die lange Trockenheit abgelöst. Doch die Defizite in den Böden und im Grundwasser sind noch nicht ausgeglichen.

Noch zwei bis drei Tage mit dem Mähdrescher raus aufs Feld, so lange hätte es gedauert, und Matthias Mehl und sein Cousin, der einen benachbarten Hof bewirtschaftet, hätten das gesamte Getreide eingefahren gehabt. 80 Prozent waren bereits geerntet – dann kam der große Regen und auf Mehls Hof im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach und dem seines Cousins mussten die Großgeräte erst einmal in der Garage bleiben.

„Wir freuen uns natürlich über das Wasser von oben. Dem Mais, den Rüben und den Kartoffeln tut das gut, die sahen nach der langen Trockenheit Anfang Juli wirklich jämmerlich aus“, berichtet Mehl. Nun aber könnte es mal gut sein mit dem Regen, damit auch noch die restlichen 20 Prozent Winterweizen gedroschen werden könnten. „Zwei Tage Sonne und Wind, und wir legen los“, sagt der 55-Jährige. Regnet es aber auch in der nächsten Woche, fangen die Körner noch in der Ähre an zu keimen. Dann könnte Mehl die Ernte nur noch als Futterweizen losschlagen, mit erheblichen Einbußen beim Preis.

Erträge bei der Ernte sehr unterschiedlich

So wie auf seinem Hof sieht es vielerorts in Hessen aus. In Südhessen und dem Rhein-Main-Gebiet haben die Landwirte den Großteil des Getreides in der Scheune oder im Silo. Je weiter man aber nach Norden und in die Mittelgebirge kommt, desto mehr steht noch auf dem Acker. Auch Raps, Erbsen und Bohnen sind häufig noch zu ernten. „Aktuell stehen die Mähdrescher überall still“, berichtet Marie-Claire von Spee vom Hessischen Bauernverband. Der Regen sei notwendig gewesen, aber die Extreme – erst lange Trockenheit und Hitze, dann Dauerregen – seien für viele Betriebe problematisch. Die Erträge seien regional sehr unterschiedlich, sagt Karsten Schmal, Präsident des Bauernverbands. „Je nachdem, wie sich die Trockenheit auswirkte und wie viel Niederschläge in der jeweiligen Region gefallen sind.“

Vielerorts war es zuletzt fast schon zu viel des Guten. So gingen in Flörsbachtal-Flörsbach im Main-Kinzig-Kreis laut Deutschem Wetterdienst (DWD) im Juli 183 Liter je Quadratmeter nieder – Rekord für Hessen. In Schotten im Vogelsberg waren es noch knapp 170 Liter, bei einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von rund 80 Litern.

Dürre nimmt ab

Auch wenn gefühlt überall Land unter war in den vergangenen Tagen – und bis Anfang nächster Woche soll es auch noch so bleiben –, kam dies bislang doch vor allem den oberen Bodenschichten zugute. Diese Bereiche sind inzwischen fast durchgängig wieder etwas besser durchfeuchtet als zu Beginn des vergangenen Monats, wie der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung belegt, im Internet zu finden unter www.ufz.de

Geht man allerdings tiefer, sieht es schon anders aus. Dort ist das Wasser zumeist noch nicht angekommen, wirken die heißen Sommer und die insgesamt sehr trockenen Jahre der jüngsten Vergangenheit noch nach. So haben sich auch die Grundwasserstände noch nicht durchgängig erholt. Knapp die Hälfte der Messstellen zeigen unterdurchschnittliche oder sogar sehr niedrige Pegel, wie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) mitteilt. Nur bei sieben Prozent seien die Wasserstände höher als zu dieser Jahreszeit üblich. Die aktuellen Stände sind auf hlnug.de zu finden.

Während sich die einen durchaus noch mehr Regen wünschen, fallen für die hessischen Schulkinder die Sommerferien dagegen so ziemlich ins Wasser. Auch Veranstalter von Open-air-Events blicken sehnsuchtsvoll nach oben auf der Suche nach etwas blauem Himmel.

Hochwasserschutz nicht gefährdet

Immerhin: Für die 160 Kilometer Deiche, die in Hessen Rhein und Main und ihre Zuflüsse begrenzen, ist der Dauerregen kein Problem, sondern „eher förderlich“, sagt Otmar Leuthäuser, Vorarbeiter in der Deichmeisterei in Biebesheim (Kreis Groß-Gerau), die für die Pflege und Überwachung der Schutzanlagen und deren Verteidigung bei Hochwasser zuständig ist.

Durch den Regen werde die Vegetation gefördert, was gut für die Stabilität der Deichböschungen sei. Das Gras fange wieder an zu wachsen. Um die Deiche zu schädigen, müsste es „viel mehr regnen und dazu noch Hochwasser kommen“, beruhigt Leuthäuser. Doch ein solches ist nicht in Sicht, wie ein Blick auf die Übersicht der Wasserpegel ebenfalls beim HLNUG zeigt.

Und wie geht es weiter? Bis zum Sonntag wird es wohl weiter regnen und zudem recht windig bleiben. Der Trend, den der DWD von Montag an vorhersagt, lässt dann aber doch noch auf einen schönen Spätsommer hoffen. Tag für Tag soll es demnach wärmer werden, bis an die 30-Grad-Marke, und der Regen lässt bis Ende nächster Woche auch immer mehr nach.

Wohl dem, der beizeiten ernten konnte: Strohballen auf dem Acker in Frankfurt zwischen Zeilsheim und Unterliederbach.

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