VonMichael Bayerschließen
Die DB krempelt während der Generalsanierung der Riedbahn den Regionalverkehr zwischen Frankfurt, Mainz und Mannheim völlig um. Ob am Ende alles klappt wie geplant, ist offen.
Für Zugreisende in Südhessen wird im kommenden Jahr alles anders. Während der geplanten Generalsanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt, Groß- Gerau und Mannheim ersetzen dort etwa 150 Busse den Regionalverkehr. Es entstehen 13 Buslinien mit mehr als tausend Fahrten pro Tag – teils auf Routen, die es bisher nicht gibt.
Auch der Zugverkehr auf den verbleibenden Strecken wird komplett umgekrempelt. Das Ersatzkonzept gilt bereits vom 1. bis 21. Januar – und dann fünf Monate lang vom 15. Juli bis zum 14. Dezember. Das hat die Deutsche Bahn am Donnerstag angekündigt.
„Wir werden Reisenden viel abverlangen“, räumte Klaus Vornhusen ein, der Konzernbevollmächtigte der DB auch für Hessen. „Auch schon jetzt während der vorbereitenden Baustellen.“
Zur gleichen Zeit arbeiteten wenige Kilometer weiter Fachleute den dritten Tag in Folge daran, eine Oberleitung zu reparieren. Sie war bereits am Dienstagabend zwischen Riedstadt-Goddelau und Groß-Gerau-Dornberg auf einen Regionalexpress gefallen. Die Passagiere kamen erst Stunden später weiter; der Regionalverkehr meldet seither viele Ausfälle und Verspätungen.
Ersatzbusse alle fünf bis 15 Minuten
Während der Generalsanierung 2024 sollen die Ersatzbusse alle fünf bis 15 Minuten starten. Sie rollen durch die Städte und Gemeinden entlang der Riedbahn. Die barrierefreien Überland- und Gelenkfahrzeuge halten nicht zwingend an den Bahnhöfen, sondern in den großen Durchgangsstraßen. Ein Teil verkehrt als Expresslinie – etwa ohne Halt zwischen Frankfurt und Riedstadt-Goddelau.
Andere Busse bringen die Fahrgäste von Gernsheim oder Riedstadt-Goddelau direkt nach Darmstadt. Auch eine Verbindung von Riedstadt-Goddelau über Groß-Gerau zur S-Bahn-Station Gateway Gardens in der Nähe des Flughafens ist geplant. Schließlich verbindet eine Linie Zeppelinheim, Walldorf und Mörfelden mit den Bahnhöfen in Neu-Isenburg und Langen.
Wer steuert die Busse?
Ersatzbusse teils alle fünf Minuten, mehr als tausend Touren pro Tag mit 150 Fahrzeugen – ein ehrgeiziges Unterfangen. Denn die ungefähr 400 Fahrerinnen und Fahrer, die dafür nötig sind, wollen erst einmal gefunden sein. Und das in einer Zeit, in der schon für die üblichen Aufgaben im Nahverkehr das Personal hinten und vorne fehlt.
Verkehrsverbünde und Aufgabenträger sind entsprechend besorgt. Zwar engagiere sich die DB „außerordentlich hoch“. Dennoch sei die Personalfrage ein Risiko für den Ersatzverkehr. Die Deutsche Bahn räumt „eine riesige Herausforderung“ ein. Man suche europaweit – und habe bereits als Rückfallkonzept Verträge mit Busunternehmen geschlossen.
Keine gute Lösung ergibt sich am südlichen Teil der Strecke: Die Ersatzbusse enden dort meist nördlich des Neckars in Mannheim-Luzenberg. Dort muss man in Straßenbahnen umsteigen, was 15 bis 20 Minuten extra kostet.
Die Bahn arbeitet an einer Alternative: Bis zum Start der Generalsanierung könnte eine kurze Schienenstrecke zwischen Bürstadt und Lampertheim-Hofheim eine Oberleitung bekommen. Dann könnten elektrische Triebwagen von Bürstadt über Worms zum Mannheimer Hauptbahnhof fahren.
Hauptbahnhöfe von Mainz und Wiesbaden nur eingeschränkt aus Darmstadt erreichbar
Die Hauptbahnhöfe in Mainz und Wiesbaden werden während der Generalsanierung der Riedbahn nur eingeschränkt direkt aus Darmstadt erreichbar sein. Die Regionalbahn 75 als wichtige Ost-West-Verbindung im Rhein-Main-Gebiet hält dann im Mainzer Zentrum nur in der Hauptverkehrszeit (montags bis freitags, 6 bis 8 Uhr und 15 bis 18 Uhr) – und lediglich jede Stunde.
Auch die hessische Landeshauptstadt wird nur stündlich von der RB75 angefahren. Üblicherweise werden beide Hauptbahnhöfe meist halbstündig erreicht. Das hat die Deutsche Bahn der Frankfurter Rundschau bestätigt.
Hintergrund der Einschränkungen: Die DB benötigt an der zentralen Stelle in Mainz Platz für zwischen Mannheim und Frankfurt umgeleitete Fernzüge. Deshalb fahren die Regionalbahnen aus Darmstadt im Haupttakt (Abfahrt Minute 38) während der Riedbahnsperre abweichend rechtsrheinisch über Mainz-Kastel nach Wiesbaden.
Die ergänzenden RB75 verkehren zur Hauptverkehrszeit über den Mainzer Hauptbahnhof und rollen statt nach Wiesbaden weiter nach Bingen. Zu den Nebenzeiten enden sie schon an der Station Mainz-Bischofsheim. Dort lässt sich während der Riedbahnsperre umsteigen in die S8 (Normalbetrieb) oder den RE2 und RE3 (beide im Zweistundentakt).
Die Sanierung
Die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim ist die erste Strecke, die nach dem Konzept einer fünf Monate dauernden Generalsanierung vollständig erneuert wird.
Folgende Arbeiten sind vorgesehen: Die Deutsche Bahn wird 117 Kilometer Gleise austauschen, 152 Weichen und 140 Kilometer Oberleitung. Sie ersetzt auf zehn Kilometern Lärmschutzwände sowie 1200 Elemente der Leit- und Sicherungstechnik wie Sensoren oder Signale. Es entstehen drei weitere Überholmöglichkeiten, und an einigen Weichen und Kurven werden höhere Geschwindigkeiten möglich.
Gebaut wird vom 1. . bis 21. Januar und dann fünf Monate lang vom 15. Juli bis zum 14. Dezember - Tag und Nacht. Die Kosten: rund 500 Millionen Euro.
Massive Auswirkungen auf der Main-Neckar-Bahn
Auf drastische Änderungen müssen sich auch all jene einstellen, die mit dem Zug auf den beiden verbleibenden Nord-Süd-Verbindungen unterwegs sind. Auf der Main-Neckar-Bahn zwischen Frankfurt, Darmstadt und Mannheim/Heidelberg entfallen sämtliche Regionalbahnen. Zudem halten in Bensheim und Weinheim keine Fernzüge.
Stattdessen steht ein Regionalexpress mit Platz für 800 Reisende halbstündlich im Plan. Aus jenen Gemeinden, die nicht von Zügen angefahren werden, bringen Busse die Menschen zu den Expressstationen. Ähnlich ist das Vorgehen westlich des Rheins zwischen Mainz und Worms.
Manche Verbindungen des Fernverkehrs enden in Frankfurt oder Mannheim. Die verbleibenden ICE-Züge fahren über Darmstadt oder Mainz – und damit etwa 30 Minuten länger sonst.
Die Bahn arbeitet die Änderungen in ihren Fahrplan ein. Die konkreten Verbindungen für die Zeit der Riedbahnsanierung sollen vom 11. Oktober an in den elektronischen Auskunftsmedien wie bahn.de oder in der App DB Navigator abrufbar sein.
Bund und Bahn wollen die Sanierung von wichtigen Strecken komplett neu organisieren. Den Anfang macht die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Verkehrsminister Volker Wissing und Bahnmanager informieren sich vor Ort - und die FR war auch dabei. Die FR-Reportage.
Kommentar zum Thema: Es ist konsequent, die Gleise der Riedbahn komplett zu sperren. Für Reisende muss es aber mehr Entschädigung geben. Der FR-Kommentar.

