Den Umwelttätern auf der Spur

Illegale Müllablagerungen: Polizei und Ordnungsämter gehen Hinweisen nach

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Wieder wurden Mengen an Müll im Wald und der Feldmark abgeladen. Dieser Berg aus Schutt, Autoreifen und Verpackungsmüll wurde im Reinhardswald abgekippt. Es fanden sich Hinweise auf die möglichen Täter.
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Illegale Müllentsorgungen in Wald und Flur sind Taten, die fatale Auswirkungen auf die Natur haben können. Wenn dadurch giftige Stoffe in Boden und Grundwasser dringen, kann auch die menschliche Gesundheit belastet werden.

Hofgeismar/Calden – Direkte finanzielle Auswirkungen haben solche Taten indes auf Städte und Gemeinden. Als Ordnungsbehörden sind sie für Abtransport und Entsorgung der Abfälle zuständig. Die kostenintensiven Arbeiten werden letztlich durch das Geld der Allgemeinheit, also der Steuerzahler, finanziert.

Wenn viele Taten auch ungesühnt bleiben, gelingt es Ordnungsämtern und Polizei gelegentlich doch, die Spur aufzunehmen. So geschehen vergangene Woche im Reinhardswald. Dort hatten bislang noch Unbekannte ihren Müll in der Nähe vom Parkplatz Schneiders Baum bei Holzhausen entsorgt.

Da der Tatort im Wald und damit im Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Reinhardshagen liegt, untersuchten Mitarbeiter die Ablagerung näher. „In dem Müllberg fand sich ein Lieferschein mit Adresse drauf“, berichtet Klemens Kahle, Sprecher des Forstamtes. Die Spur führte zu einem Installationsbetrieb und dessen Kunden. Wie der Fall nun weiterverfolgt wird, „das ist Sache der Polizei“, sagt Klemens Kahle.

Polizei geht mehreren Spuren nach

Spuren kann die Polizei auch im Caldener Ortsteil Westuffeln verfolgen. Dort hatten unbekannte Täter am Radweg zwischen Westuffeln und Meimbressen eine große Menge Sperrmüll abgeladen: Verpackungsmüll, verschlissenes Haushaltsinventar und auch kaputte weiße Ware. „Und das einen Tag nach dem Tag der Umwelt, bei dem wir in Westuffeln unsere Gemarkung von anderem Müll befreit hatten“, empört sich Landwirt Günter Rüddenklau, der die Freveltat entdeckt und die Gemeindeverwaltung Calden informiert hatte. Die Jagdgenossenschaft hat eine Belohnung von 300 Euro für sachdienliche Hinweise zur Herkunft des Mülls ausgelobt.

Auf die Belohnung kommt es einem Caldener Bürger dabei nicht an. Aber seine Beobachtungen hat er unserer Zeitung als E-Mail gesandt. Möglicherweise bieten sie der Ordnungsbehörde und der Polizei Anhaltspunkte für ihre weiteren Ermittlungen.

„Leider sind solche Taten Dauerthema in unserer Gemeinde“, sagt Caldenes Bürgermeister Maik Mackewitz. Seitdem die Gemeinde einen Ordnungspolizisten beschäftigt, könne man möglichen Spuren jedoch gezielter nachgehen.

Der Bürgermeister kann nicht nachvollziehen, dass die Übeltäter das Risiko eingehen, erwischt zu werden „und dann saftige Strafen zu kassieren, wo doch der Müll für ‘kleines Geld‘ ordnungsgemäß auf der Kreismülldeponie entsorgt werden kann.“

Autokennzeichen auf Schuttberg gefunden

Wenige Kilometer weiter auf die Deponie Kirschenplantage zu fahren, war offenbar auch denjenigen zuviel, die Bauschutt und Müllsäcke über die Ostertage in der Nähe des Naturdenkmals Friedenseiche abluden. Als sollten die Ermittler direkt zu den Verursachern geführt werden, drapierten sie den Schuttberg auch noch mit zwei alten Autokennzeichen. Träfe dies zu, wäre die Tat an Dreistigkeit kaum zu überbieten.

Wie unvorsichtig Täter mitunter vorgehen, weiß Christian Lass vom Ordnungsamt der Stadt Hofgeismar. So hätten schon alte Kontoauszüge und Briefumschläge die Spur zu den Umwelttätern geführt. Bei manchen Delikten ermittelt die Polizei von sich aus, weil sie auf die Tat von Bürgern aufmerksam gemacht worden ist, meistens zeigen die Ordnungsämter die Taten an.

Ob die Verursacher dingfest gemacht werden können oder nicht: das Abräumen der Müllberge aus der Landschaft, der Transport auf die Deponie und die Entsorgungskosten zu tragen, das ist alles Sache der Gemeinden. „Wenn wir allerdings einen Verursacher erwischen, dann bekommt er dies alles in Rechnung gestellt“, sagt Lass.

Zusammen mit dem Bußgeld können die Gesamtkosten solch frevelhaften Tuns dann auch schon mal fünfstellige Dimensionen annehmen.

Die meisten Taten finden statt, „wenn Deutschland schläft -– in der Dunkelheit“, sagt Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen. Dass dennoch immer mal wieder einer erwischt werde, sei ein gutes Zeichen. Denn das sorge dafür, dass die Leute, die solche Schäden an der Umwelt anrichteten „sich niemals sicher sein können, dass sie beobachtet werden und ihre Taten zur Anzeige gebracht werden.“ (Gerd Henke)

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