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Schweres Unwetter: 25.289 Blitze in einer Stunde – Nächste Gewitter rollen auf Hessen zu

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  • Florian Dörr
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    Caspar Felix Hoffmann

Das schwere Unwetter sorgt am Mittwochabend in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet für Überschwemmungen und reichlich Chaos.

+++ 14.03 Uhr: Während sich Hessen auf die nächste Gewitterwelle vorbereitet, die der Deutsche Wetterdienst für Donnerstagnachmittag und -abend (17. August) erneut vor allem für die südliche Hälfte Hessens vorhersagt, zeigt eine Statistik besonders deutlich, wie heftig das Unwetter am Mittwochabend (16. August) über dem Rhein-Main-Gebiet wütete: Zwischen 20.40 Uhr und 21.40 Uhr registrierten Wetterexperten im Rhein-Main-Gebiet 25.289 Blitze. Das waren mehr als doppelt so viele Blitze wie im gesamten Jahr 2022 in Hessen gemessen wurden (11.566).

Der Blitz-Informationsdienst von Siemens hält diese Zahl auf Anfrage dieser Redaktion für möglich. Die Zahlen seien zwar beeindruckend. Der Ausreißer sei aber nicht ungewöhnlich, solch starke Gewitter gebe es immer wieder. Eine Ursache sei der schwül-warme Sommer in diesem Jahr. Möglicherweise hätten wir aber schon gestern die blitzreichste Nacht des Jahres erlebt.

Lage am Flughafen Frankfurt weiter angespannt

+++ 10.41 Uhr: Während die Aufräumarbeiten nach dem schweren Unwetter in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet begonnen haben, ist die Lage am Flughafen Frankfurt weiterhin prekär. Auch am Donnerstag kann es zu Verspätungen und Ausfällen am Frankfurter Airport kommen. Ein Fraport-Sprecher erklärte: „Im Moment herrscht hier noch ein angespannter Betrieb, aber das sollte sich im Laufe des Tages wieder einruckeln. Wichtig ist, dass die Passagiere zweieinhalb Stunden vor Abflug am Flughafen sind und sie die Websites ihrer Airlines checken.“

Am Mittwoch waren wegen des Starkregens dutzende Flüge an Deutschlands größtem Flughafen ausgefallen. Das Rollfeld stand teils knietief unter Wasser, wie Videos in den sozialen Medien belegen.

Blitze entladen sich am Abendhimmel während eines schweren Gewitters über den Häusern im Stadtteil Sachsenhausen.

Nächste Gewitter rollen auf Hessen zu

+++ 9.06 Uhr: Nach dem Unwetter von Mittwochabend über Hessen wird es offenbar nicht ruhiger in Hessen: Auch für Donnerstag (17. August) prognostiziert der Deutsche Wetterdienst (DWD) Gewitter und mögliche Unwetter mit Hagel und Sturmböen. Vor allem am Nachmittag und Abend gebe es lokal Unwettergefahren wegen heftigen Starkregens.

Derweil steigen die Temperaturen im Norden Hessens auf 24, im Süden auf 29 Grad. Am Freitag und am Wochenende beruhigt sich das Wetter erstmal. Am Freitag gebe es im Norden noch vereinzelt Schauer, im Süden werde es laut DWD bei bis zu 32 Grad sonnig. Am Samstag werde es bei Temperaturen bis zu 34 Grad noch heißer, teilten die Meteorologen mit. Im Norden seien am Nachmittag einzelne Schauer möglich. Am Sonntag liegen die Temperaturen zwischen 27 und 32 Grad. Es werde heiter bis wolkig und es gebe nur selten kurze Schauer.

Schweres Unwetter: Frankfurter Südbahnhof vollgelaufen - Dutzende Flüge ausgefallen

+++ 7.53 Uhr: Um 8 Uhr am Donnerstagmorgen endet auch für Mittel- und Nordhessen die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). In ganz Hessen sorgten schweren Gewitter in Verbindung mit Starkregen für Feuerwehreinsätze.

Die Polizei in Offenbach vermeldete 30 Einsätze, dabei ging es um Bäume auf Fahrbahnen und einen Erdrutsch auf einer Landstraße in Jossgrund (Main-Kinzig-Kreis). Verletzt worden sei niemand.

In Ost- und Südhessen sprach die Polizei unter anderem von herausgedrückten Gullydeckeln und Bäumen auf Straßen. In Alsfeld schlug in der Nacht zu Donnerstag ein Blitz in ein Einfamilienhaus ein, es entstand ein Schaden von geschätzt etwa 10 000 Euro, wie die Polizei in Fulda am Morgen mitteilte.

Überschwemmungen, vollgelaufene Keller, ausgefallene Flüge: Der Starkregen hat in Frankfurt seine Wirkung gezeigt.

Frankfurter Südbahnhof vollgelaufen - Dutzende Flüge ausgefallen

Update vom Donnerstag, 17. August, 7.24 Uhr: Vollgelaufene Keller, überflutete Straßen, umgestürzte Bäume: Das ist die Bilanz des Unwetters, das am Mittwochabend im Rhein-Main-Gebiet und vor allem in Frankfurt gewütet hat. Die Frankfurter Feuerwehr bewältigte nach eigenen Angaben rund 600 Unwettereinsätze. Bis in die frühen Morgenstunden kämpften die Einsatzkräfte gegen die Wassermassen.

Besonders betroffen vom schweren Unwetter waren die Frankfurter Stadtteile Sachsenhausen, Niederrad und Zeilsheim. So stand der Südbahnhof aufgrund eines Wassereinbruchs plötzlich unter Wasser. Der öffentliche Nahverkehr kam dort am Abend zum Erliegen, da weder Straßenbahnen noch U-Bahnen fahren konnten. Menschen mussten offenbar zudem aus einer überfluteten U-Bahn gerettet werden, in die Wasser eingedrungen war. Inzwischen fahren die U-Bahnen im Südbahnhof wieder, wie die Hessenschau am Donnerstagmorgen vermeldete.

Überschwemmungen, vollgelaufene Keller, ausgefallene Flüge: Der Starkregen hat in Frankfurt seine Wirkung gezeigt.

Schweres Unwetter wütet im Rhein-Main-Gebiet

Auch der Flughafen Frankfurt war massiv vom Unwetter betroffen. Dort fielen am Abend dutzende Flüge aus, weil sich am Vorfeld große Wassermengen gesammelt hatten, wie ein Sprecher des Flughafens gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) berichtete. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen, Flüge konnten nicht rechtzeitig abheben oder mussten zu anderen Flughäfen umgeleitet werden.

Für mehr als zwei Stunden sei zudem die Bodenabfertigung am Flughafen gänzlich eingestellt worden. Wegen der späten Wiederaufnahme der Abfertigung hätten 34 Maschinen am Mittwochabend nicht mehr rechtzeitig abheben können, sagte ein weiterer Sprecher. Andere Flüge waren da bereits von den Airlines selbst gestrichen worden. Auf der Webseite des Flughafens waren rund 70 Flugstreichungen bis zum Beginn des Nachtflugverbots vermerkt. Auch 23 geplante Ankünfte seien aufgrund des Nachtflugverbots auf andere Flughäfen umgeleitet worden. Nach ersten Schätzungen des Frankfurter Flughafens war eine Passagierzahl im vierstelligen Bereich von den Problemen betroffen.

Überschwemmungen, vollgelaufene Keller, ausgefallene Flüge: Der Starkregen hat in Frankfurt seine Wirkung gezeigt.

DWD warnt vor Gewittern in ganz Hessen

Erstmeldung vom Mittwoch, 16. August, 14.50 Uhr: Kassel/Frankfurt/Gießen/Offenbach – Da kommt offenbar einiges auf Hessen zu: Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach hat eine Vorinformation zu Unwettern herausgegeben, die das Bundesland von Mittwoch (16. August) auf Donnerstag (17. August) treffen sollen. Einmal mehr bleibe Deutschland wohl „nicht von den Unwettern verschont“, die sich wie ein Gürtel über Hessen ziehen könnten, melden die Wetterexperten.

Wörtlich heißt es dort auch: „Von Frankfurt greifen schwere Gewitter auf Deutschland über und verlagern sich bis Donnerstagmittag über die Mitte hinweg nordostwärts.“ Laut der aktuellen Unwetter-Vorinformation der Meteorologen trifft es Hessen zwischen Mittwochabend um 22 Uhr und Donnerstagmorgen um 8 Uhr. Betroffen sind alle Regionen im Bundesland, sowohl im Norden rund um Kassel wie in der Mitte rund um Gießen und im Süden rund um Frankfurt.

Gewitter ziehen über Hessen: Bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter in kurzer Zeit

Der DWD warnt mit Blick auf die schweren Gewitter, die über Hessen ziehen können, auch vor heftigem, lokal auch extremem Starkregen mit Mengen zwischen 30 und 60, an manchen Orten auch bis zu 100 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit oder wenigen Stunden. Auch mit teils schweren Sturmböen müsse in diesem Zusammenhang gerechnet werden. Hagel mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern sei ebenfalls nicht ausgeschlossen.

Unwetter-Alarm in Deutschland: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vorab vor einem Gewittercluster (Grafik).

DWD sieht noch Unsicherheiten bei von Gewitter betroffenen Gebieten in Hessen

Noch gibt es jedoch Unsicherheiten: Vorinformationen wie die aktuelle zu schweren Gewittern über Hessen gibt der DWD heraus, wenn eine genaue räumliche Einordnung der Zugbahn sowie die Begleiterscheinungen noch nicht sicher sind. Konkret heißt es bei den Wetterexperten in Offenbach: „Dies ist ein Hinweis auf eine Wetterlage mit hohem Unwetterpotential. Er soll die rechtzeitige Vorbereitung von Schutzmaßnahmen ermöglichen.“

In einigen Landkreisen in Hessen kann es schon am Nachmittag zu schweren Gewittern kommen. Konkret warnt der Wetterdienst aktuell in folgenden Kreisen vor Unwetter:

  • Stadt und Kreis Kassel
  • Schwalm-Eder-Kreis
  • Kreis Hersfeld-Rotenburg
  • Vogelsbergkreis
  • Kreis Gießen
  • Kreis Fulda
  • Kreis Bergstraße
  • Odenwaldkreis
  • Stadt Darmstadt
  • Kreis Darmstadt-Dieburg
  • Kreis Groß-Gerau
  • Werra-Meißner-Kreis
  • Kreis Limburg-Weilburg
  • Main-Taunus-Kreis
  • Stadt Frankfurt
  • Stadt Offenbach
  • Kreis Offenbach
  • Hochtaunuskreis
  • Main-Kinzig-Kreis
  • Kreis Marburg-Biedenkopf

Auch könne das Unwetter nur in einzelnen Teilen Hessens spürbar werden. Denn Gewitter mit den genannten Begleiterscheinungen treten typischerweise sehr lokal auf und treffen mit voller Intensität meist nur wenige Orte. Es bleibt also zunächst vage, wie und wo die Menschen in Hessen die schweren Gewitter zu spüren bekommen werden. Die Vorabinformation gilt derzeit (Stand: 16. August, 14.45 Uhr) für alle Kreise und kreisfreien Städte in Hessen. (fd/nhe)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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