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Seit diesem Monat werden Kassenbons nur noch auf ausdrücklichen Kundenwunsch ausgedruckt, trotz der nach wie vor hohen Inflation.
Werra-Meißner – Ausschlaggebend für die Entscheidung war der Umweltaspekt, denn der Papierverbrauch war durch die Pflicht enorm gestiegen. Was hinzukommt: Viele Unternehmen wissen nicht, wie sie die Bons richtig entsorgen können. Im Werra-Meißner-Kreis kritisieren die Kaufleute weiterhin die Bonpflicht.
Anders als in Frankreich, wo die Bonpflicht Anfang dieses Monats komplett abgeschafft wurde, ist man in Deutschland weit davon entfernt. Eingeführt wurde sie 2020, vor allem im Kampf gegen Steuerhinterziehung. Die Bonpflicht gilt für alle elektronischen Kassen – im Supermarkt, der Apotheke und beim Bäcker.
Die Apothekerin
So auch Pharmazeutin Andrea Bräutigam, Inhaberin der Adler-Apotheke in Eschwege. „Die meisten Kundinnen und Kunden wollen den Kassenbon nicht haben“, berichtet Bräutigam, die seit 1992 das Geschäft am Obermarkt betreibt. „In der Regel geht es nur darum, ob Rezeptgebühren von fünf Euro, 7,50 Euro oder zehn Euro anfallen.“ Die Kunden würden meist vor dem Bezahlen fragen, was die rezeptfreien Produkte kosten und gegebenenfalls wissen wollen, ob es eine günstigere Alternative gibt.
„Unsere Stammkunden sind in unserer digitalen Kartei hinterlegt, wo auch die Kassenbons gespeichert werden, deshalb wollen sie in der Regel den Zettel nicht“, erklärt Andrea Bräutigam. Lediglich Kundinnen und Kunden, die für andere einkaufen – beispielsweise Pflegedienste oder Enkel für ihre Großeltern – würden den Kassenbon verlangen.
Der Bäckermeister
„Wir haben täglich zirka 2000 Kundinnen und Kunden. Fast niemand verlangt den Kassenzettel“, weiß Bäckermeister Thomas Wolf, Mitinhaber der Bäckerei Wolf. In ihren acht Filialen in Eschwege, Wanfried und Bad Sooden-Allendorf würden die Verkäuferinnen und Verkäufer täglich unzählige Male die Aussage „Den Zettel brauch’ ich nicht“ hören.
„Zum Glück war unser Kassensystem auf dem neusten Stand – wir mussten also nichts umstellen“, erinnert sich der Bäckereimeister. Der Kassenbon werde nur ausgedruckt, wenn der Kunde explizit danach frage. „Das passiert eigentlich nur, wenn die Kunden jemandem etwas mitbringen.“ Alle Einzelbons werden im Kassensystem gespeichert und seien bei Bedarf noch längere Zeit rückwirkend abrufbar.
Die Kauffrau
Im Frankershäuser Tegut-Lädchen würden rund 80 Prozent der Einkäufer auf den Kassenbon verzichten. Bei täglich zirka 200 Kundinnen und Kunden sei das schon eine Menge Papier, die dabei eingespart wird, erklärt Susanne Schüler, Marktleiterin. „Meist sind es ältere Menschen, die den Kassenzettel haben möchten. Generell fragen wir aber immer beim Kassieren ab, wenn die Kunden von sich aus nichts sagen“, berichtet die Kauffrau.
Die nicht benötigten ausgedruckten Kassenbons müssten sie zu Tegut nach Fulda schicken, dort würden sie dann korrekt entsorgt werden. „Da es sich um Thermopapier handelt, dürfen wir die Bons nämlich nicht einfach in den Papiermüll werfen.“ Alle drei sind sich einig: Die Bonpflicht sei Papier- und Ressourcenverschwendung, da heutzutage die Kassenbons sowieso digital im System gespeichert werden. Eine Abschaffung halten die Kaufleute aus dem Kreis für sinnvoll. (Theresa Lippe)

