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Mit dem Umzug ans Mainufer ergeben sich neue Möglichkeiten für den Christopher Street Day / Von George Grodensky
Der Christopher Street Day (CSD) in Frankfurt zieht ans Wasser. Das viertägige politische Festival ist vom 17. bis 20. Juli nicht mehr an der Konstablerwache zu finden, im Herzen der Innenstadt. Sondern am Mainufer, sozusagen, noch mehr im Herzen der Stadt, am Mainkai, zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke.
Gründe gibt es dafür einige. Der Frankfurter CSD ist der größte in Hessen und zieht immer mehr Menschen an. Mit 150 000 Gästen übers Wochenende rechnet der CSD-Verein. An der Konstablerwache ist es für die alle schlicht zu eng geworden. Am Mainufer soll es deutlich entspannter zugehen.
Da wäre auch der Punkt Klimawandel. Die Konstablerwache ist versiegelt, im Hochsommer heizt sich die Fläche auf, trotz der Bäumchen. Ein bisschen schöner ist es am Main auch. Als Fernziel hat man im Hinterkopf: So attraktiv werden, dass man in die Phalanx der CSDs von Köln und Berlin vorstoßen kann. Reiseziele.
Und: Mit dem Mainfest (1. bis 4. August) im Anschluss, lassen sich Synergieeffekte herstellen. Man kann sich etwa die Kosten teilen für Gehwegsperren, Schutzgitter, zusätzliche Mülleimer, solche Dinge. Der Umzug bringt Neuerungen mit sich. Natürlich muss ein neues Sicherheitskonzept her, das werde aber nicht teurer oder aufwändiger als an der Konstabler, versichert der Verein. Eher im Gegenteil, weil die Zugänge zur S- und U-Bahn wegfallen. Dafür braucht man die DLRG, falls doch jemand mal in den Main hüpft.
Ein Spielmobil ist auch vor Ort
Mehr Platz bringt mehr Möglichkeiten. Zum ersten Mal gibt es beim CSD einen Familienbereich. Für queere Familien, klassisches Vater-Mutter-Kind oder Freunde (mit Kind) von queeren Menschen. Der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald ist mit einem Spielmobil vor Ort, es gibt Sonnenschirme, Bänke und Tische, Kinder- und Erwachsenenschminken, ein historisches Riesenrad. Familien sollen auch beim Demozug am Samstag einen besonderen Ort bekommen. Sie laufen an der Spitze voraus, wo keine großen Laster unterwegs sind. Da ist es nicht so laut und Kinder müssen auch nicht unter den Abgasen leiden. Außerdem müssen sie nicht so lange in der prallen Sonne warten, bis sich der ganze Zug endlich in Bewegung gesetzt hat.
Immer wichtiger wird der Jugendbereich. Der soll eine beruhigte Zone sein, damit junge Gäste in all dem Trubel einen geschützten Raum zur Erholung finden. Sehr viele Minderjährige kämen eigenständig zum CSD, hat der Verein beobachtet. Sie können womöglich mit all den Eindrücken überfordert sein.
Die offizielle Eröffnung am Freitag, 18. Juli, 18 Uhr, übernimmt Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne). Herzstück bleibt die große Demo durch die Innenstadt, am Samstag, 19. Juli. Los geht's mit der Kundgebung um 11.30 Uhr vor dem Römer, wo auch die Regenbogenflagge gehisst wird. 108 Zugnummern haben sich angemeldet. Im Vorjahr waren es 122. Warum es weniger sind, kann der Verein nur vermuten. Es sind weniger große Wagen dabei, anscheinend wollen oder müssen manche Firmen schlicht Kosten sparen. Die Hauptsponsoren seien aber alle weiter an Bord, da habe niemand Bedenken angemeldet.
Was der CSD-Verein auch beibehalten hat: Sponsoren und Demoteilnehmer müssen darlegen, wie sie in ihren Unternehmen auch abseits des CSDs für Diversität einstehen.
Das Festival beginnt am Donnerstag, 17. Juli, mit einer Art Soft Opening. Von der Hauptbühne schallt etwas Musik herab, die ersten Stände öffnen, mit Einbruch der Dämmerung gegen 21.30 Uhr läuft im Open-Air-Kino an der Hauptbühne die romantische Komödie „What a Feeling“. Insgesamt gibt es drei Bühnen: neben der Hauptbühne mit Bands und Solokünstlern, eine Kleinkunst- und Kultur-Bühne, mit Poetry-Slams, Drag-Acts. Und einen Disco-Bereich mit etablierten DJs und Neulingen. Am Sonntag endet der CSD mit der Abschlusskundgebung um 22 Uhr. Neu ist auch ein Angebot der katholischen Kirche: St. Leonhard am nördlichen Mainufer wird an allen CSD-Tagen unter dem Motto „Sacred Silence“ zwischen 16 und 22.30 Uhr offen sein. Der Raum lade zum Ausruhen und Beten ein. Personal der katholischen Stadtkirche stehe für Gespräche und Fragen über „Gott und die Welt“ bereit. Zusätzlich gibt es einige Andachten und Gottesdienste.
Bus und Bahn
Zur Christopher-Street-Day-Demo am Samstag, 19. Juli, leitet die VGF von 10.30 bis 17.30 Uhr Busse und Trambahnen um. Die U- und S-Bahnen fahren wie gewohnt.
Die Linien 11 und 12 werden zwischen Fechenheim und Innenstadt zu einem Ringverkehr zusammengelegt. Die Linie 18 nimmt zwischen Nibelungenplatz und Hospital zum Heiligen Geist eine Umleitung über Bornheim, Zoo und Hanauer Landstraße. Der Ebbelwei-Expreß bleibt im Depot.
Die Buslinien 30 und M36 sind ebenfalls eingeschränkt: Die Linie 30 ist zwischen 9 und 17.30 Uhr im 30-Minuten-Takt zwischen Bad Vilbel und Bornheim Mitte unterwegs. Die Linie M36 wird von etwa 10.30 bis 17.30 Uhr geteilt und pendelt zwischen Westbahnhof und Unterweg sowie zwischen Hainer Weg und Südbahnhof.
