Frankfurt

Der Frankfurter Weihnachtsbaum heißt Sonny

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Der Baum wurde dutzendfach fotografiert.
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Auf dem Römer wird das Schmuckstück des Frankfurter Weihnachtsmarktes aufgestellt. Benannt ist er nach Helmut Sonneberg, einer Eintracht-Legende, die das KZ Theresienstadt überlebt hat.

Um kurz nach 12 Uhr am Mittwochmittag war es dann soweit: Der Baum für den Frankfurter Weihnachtsmarkt steckte im Köcher. Rund zwei Meter wurde der Stamm in einem Gulli versenkt, Beschäftigte der Feuerwehr und des Transportunternehmens, das den Baum angeliefert hatte, nahmen letzte Korrekturen vor. Seine volle Pracht entfaltet der Baum noch nicht – dafür hat er einen Namen: Sonny.

Verkündet hatte den Philipp Reschke aus dem Vorstand von Eintracht Frankfurt kurz zuvor. Sonny war der Spitzname von Helmut Sonneberg, jahrzehntelanges Eintracht-Mitglied, das wegen seines jüdischen Glaubens ins KZ Theresienstadt verschleppt wurde, dort aber überlebte. Er starb in diesem Jahr. „Er war eine Identifikations- und Integrationsfigur für den Verein“, so Reschke, und habe „tiefe Spuren in der Seele der Eintracht hinterlassen“.

Dass bei der Abstimmung unter den Mitgliedern von Eintracht Frankfurt 46 Prozent für Sonny gestimmt haben, ist aus Reschkes Sicht eine gute Wahl. Das sieht auch Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus + Congress GmbH, so. „Damit haben die Eintracht-Mitglieder eines feines Gespür bewiesen.“

Ein feines Gespür war auch beim Aufstellen des Baumes nötig. Mit dem, was in heimischen Wohnzimmern im Advent passiert, ist die Aktion nicht zu vergleichen. Auf einem Tieflader war der Baum am Vormittag angeliefert worden. Ein Polizeiauto machte den Weg frei, dann traten zwei Kräne in Aktion. Der Baum musste von seinem bisherigen „Schmuck“ befreit werden, von unzähligen Gurten. „Die haben wir dreieinhalb Tage lang angebracht“, erklärt Matthias Krug, der mit der Vorauswahl des Baumes im Spessart betraut war.

Als die Gurte gelöst sind, werden zwei andere – größere - um den Baum gelegt. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) gibt das Kommando „Hub auf!“, die Kräne lassen Ketten nach unten gleiten, sie werden mit den Gurten verbunden, und dann ist es soweit: Parallel ziehen die Kräne den 26 Meter hohen Baum in die Höhe. Augenblicke später schwebt er in der Luft. Zahlreiche Passanten und Passantinnen machen Fotos, eine junge Frau stibitzt einen auf dem Tieflader zurückgelassenen Zweig, dann wird der Baum durch die Kräne geneigt – und in den Köcher manövriert.

Dort steht er noch etwas derangiert. „Man sieht, auf welcher Seite er lag“, kommentiert Philipp Reschke angesichts der platten Äste. Da gibt Thomas Feda Entwarnung: „Das ist direkt nach dem Aufstellen normal. Der Baum wird ja noch aufbereitet in den nächsten Tagen.“ Spätestens am 27. November, zur Eröffnung des Weihnachtsmarktes, soll er in voller Pracht erstrahlen.

Das hofft auch Matthias Thoma, Leiter des Eintracht-Museums. Der freut sich natürlich sehr über die Namenswahl. „Sonny war ein großer Lokalpatriot, der sicher stolz wäre, dass sein Name genommen wurde“. Aber, so Thoma schmunzelnd, „Sonny war auch eitel. Hoffentlich sieht der Baum einigermaßen aus.“

Da lag er, später stand er. Noch fehlt aber der Schmuck.

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