- VonDennis Pfeiffer-Goldmannschließen
Von Mai bis August 2024 ist ständig was los am Mainkai in Frankfurt. Doch der verdrängte Verkehr sei kein Drama, sagt die Stadt.
Frankfurt – Auf eine lange Sperrung des Mainkais müssen sich Auto- und Lastwagenfahrer nächstes Jahr einstellen. Ein Vierteljahr lang bleibt die wichtige Ost-West-Straßenverbindung in der Innenstadt voll gesperrt. Von Ende Mai bis Ende August sind nahezu durchgehend Veranstaltungen auf der Uferstraße vorgesehen.
Auf die lange Sperrung hat Ulrike Gaube, Referentin von Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne), die Stadtverordneten jüngst im Mobilitätsausschuss aufmerksam gemacht. So dient der Mainkai von Mitte Juni bis Mitte Juli als Fanzone der Fußball-Europameisterschaft. „Der Aufbau dafür wird voraussichtlich Ende Mai beginnen“, erklärt Gaube. Anschließend folgen der City-Triathlon am 28. Juli, das Mainfest Anfang August, der Ironman am 18. August und das Museumsuferfest Ende August. Für die Phasen dazwischen plane die Stadt wieder die Reihe „Sommer am Main“, kündigt Gaube an. Deren Veranstaltungen einzureihen „müssen wir noch koordinieren“.
Mainkai in Frankfurt 2024 drei Monate gesperrt – Protest aus Sachsenhausen
Die Stadt hatte den Mainkai auf Wunsch von SPD und Grünen testweise von Mitte 2019 bis Mitte 2020 für 13 Monate gesperrt, um zu prüfen, ob ein dauerhafter Entfall der Straße möglich ist. Vor allem aus Sachsenhausen gibt es seither lautstarken Protest von Anwohnern, da viel Umfahrungsverkehr durch die dortigen Straßen rollt. Das versucht die Stadt seit 2022 mit weiträumigen Umleitungen über Anlagen-/Cityring, über den Alleenring und via Mörfelder Landstraße zu vermeiden.
Die Verzögerungen im Verkehrsfluss auf den Umleitungsstrecken seien diesen Sommer erneut gering gewesen, zeigten erste Auswertungen der Verkehrsdaten, erklärt Gaube. „Die Mainkai-Umnutzung hat keine großen Auswirkungen.“ So sei sie zum Beispiel auf dem Schaumainkai, der gegenüberliegenden Uferstraße, in der mittleren Reisezeit „kaum wahrnehmbar“.
In der Schweizer Straße sei nur während des Mainuferfests eine höhere Belastung festgestellt worden, sagt die Referentin. Das passiere jedes Jahr, da dann auch der Schaumainkai gesperrt ist. „Ausreißer“, starke Fahrzeitverlängerungen, gebe es nur, wenn „Einzelereignisse“ den Verkehrsfluss störten, erklärt Dezernent Siefert, zum Beispiel wenn Unfälle Alternativrouten blockierten oder dort der Verkehr zum Beispiel wegen der Müllabfuhr stocke.
Genaue Zahlen trage die Stadt gerade zusammen, erklärt Ulrike Gaube. Zudem solle es am 17. November einen „Bürgerdialog“ geben. Die ersten Grafiken, die sie präsentierte, zeigen auf, dass die Reisezeiten auf dem Schaumainkai während der zehnwöchigen Sperrung 2023 teils spürbar über den Werten während der achtwöchigen Sperrung 2022 lagen. Besonders in den ersten Wochen, die noch deutlich vor den Sommerferien lagen, waren die Staus dort viel intensiver.
In der Schweizer Straße hingegen lagen Staus und Reisezeitverlängerungen demnach auf dem Vorjahresniveau. Und, das zeigt die Tabelle vor allem: Die Reisezeit ist hier während der Mainkai-Sperrung nicht länger als in der Zeit ohne Sperrung. Dem widerspreche seine „subjektive Einschätzung“, sagt FDP-Verkehrspolitiker Uwe Schulz. „Die Belastung durch Lkw-Verkehr hat deutlich zugenommen“, habe er beobachtet, und er halte sich dort oft auf.
„Wir sollten uns mit den Fakten beschäftigen“: Mainkai wird zur Fanzone bei Fußball-EM 2024
„Wir sollten uns mit den Fakten beschäftigen“, mahnt Katharina Knacker, mobilitätspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. „Subjektives Wahrnehmen ist manchmal gestört.“ Allerdings räumt Siefert-Referentin Gaube auch ein: Die Datentechnik registriere nur, ob ein Fahrzeug fahre. „Es gibt keine Möglichkeit, Lkw und Pkw separat auszuweisen.“
Mit einem Gastronomie-Angebot und 80 Veranstaltungen auf dem Mainkai sei dieses Jahr die „Grenze zur Eventisierung des Raumes erreicht“ worden, erklärt Ulrike Gaube. Kritik an der Gastronomie übt Uwe Schulz: Würstchen und Pommes entsprächen nicht „modernen Anforderungen an gesunde Ernährung“. Nur mit Mühe habe die Stadt überhaupt einen Gastronomie-Anbieter gewinnen können, erläutert Ulrike Gaube. Auf eine Ausschreibung für den Standort Mainkai hin habe sich niemand beworben.
Abseits von den Veranstaltungen sei der Mainkai erneut „relativ trostlos“ gewesen, findet FDP-Politiker Schulz. „Es zieht die Leute eher ins Grüne und direkt an den Main.“ Dass so viele Menschen aber während der Veranstaltungen auf die Straße gekommen seien, „spricht für die Umnutzung“, meint Gaube.
Deshalb fordert Dezernent Siefert den nächsten Schritt ein: „Wir haben bald genug Erkenntnisse, um zu diskutieren, wie wir damit umgehen.“ Die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt hat nämlich vereinbart, den Mainkai bis zum Ende der Wahlperiode 2026 als Straße zu entwidmen - so wie bereits vor 50 Jahren die Zeil und 2009 die Hauptwache.