Iran

Frankfurt: Protest gegen Iran geht weiter

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„Der Schrei der unschuldigen politischen und ideologischen Gefangenen“: Die Kunstform wird in einem Text auf dem Wagen erläutert.
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Ausdruck des Widerstands: Vor dem einstigen iranischen Konsulat in Frankfurt hat eine Gruppe einen Wohnwagen künstlerisch gestaltet.

Vor dem Gebäude in der Raimundstraße 90, dem einstigen iranischen Generalkonsulat, geht der Protest gegen das Mullah-Regime in eine neue Runde. Seit Ende Dezember gehen in dem islamischen Staat erneut Menschen auf die Straßen, diesmal gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage. Seitdem hat auch die iranische Community in Frankfurt wieder täglich Posten vor der ehemaligen Staatsvertretung bezogen.

Die Bundesregierung hatte Ende Oktober 2024 beschlossen, alle drei iranischen Generalkonsulate in Deutschland, darunter das in Frankfurt, zu schließen. Seit Mitte November desselben Jahres gab es dort keinen Publikumsverkehr mehr. Die Schließungen waren eine Reaktion auf die Hinrichtung des deutsch-iranischen Doppelstaatsbürgers Djamshid Sharmahd.

Aufruf von Oppositionsführer Reza Pahlavi

Obwohl das Konsulat geschlossen ist, sei das Gebäude „immer noch ein Symbol für die iranische Republik“, sagt Nasrin Jalil. Sie ist die Sprecherin der Gruppe „Hamgerei“, die die Mahnwachen organisiert. „Hamgerei“ ist Persisch und bedeutet so viel wie „Zusammenhalt“. Die Gruppe gibt es seit etwa zwei Jahren, rund 35 Menschen sind dabei.

Am Donnerstagmittag sind drei von ihnen gekommen, doch sie hoffen auf mehr Zulauf, zumindest für den gestrigen Abend und für Freitagabend. Für 17.30 Uhr unserer Zeit, was 20 Uhr im Iran ist, soll es dort zuhauf Proteste geben. Reza Pahlavi, der in den USA lebende Sohn des einstigen Schahs Mohammad Reza Pahlavi, den nicht nur „Hamgerei“ als Oppositionsführer ansieht, rief auf Instagram dazu auf.

Unauffällig sind die Protestierenden trotz ihrer geringen Zahl nicht. Da steht nämlich der Wohnwagen, den die Gruppe „Deutsch-iranische Kunst und Kultur und free Iran“ als Kunstobjekt gestaltet hat. Siavash Barzegar war von Anfang an beteiligt. Die persischen Texte, die auf dem Wagen stehen, seien Zitate von Menschen, die im Iran protestiert hätten, erläutert er. „Was für ein Mut steckt in diesem Land“, lautet eines. Und ein anderes: „Sag‘ Mama nichts.“ Das sagte der inhaftierte Regimegegner Mohammed Mahdi Karami am Telefon zu seinem Vater – Kerami wurde kurz darauf, am 7. Januar 2023, hingerichtet.

Ein Fenster des Wohnwagens ist wie mit Gitterstäben bemalt, ein Gesicht reckt sich heraus, den Mund zum Schrei geöffnet. „Dieses Bild steht symbolisch für den Schrei der unschuldigen politischen und ideologischen Gefangenen“, heißt es in einem informierenden Text, der neben vielen anderen ebenso auf dem Wagen abgebildet ist.

Kundgebung

Am morgigen Samstag, 10. Januar, beginnt um 11.30 Uhr auf dem Rathenauplatz eine Kundgebung gegen das iranische Regime.

Im Anschluss an die Kundgebung gibt es auch noch einen Demonstrationszug, der durch die Frankfurter Innenstadt verlaufen soll.

Die Veranstalter rechnen mit 300 bis 400 Teilnehmern und Teilnehmerinnen. pz

Ihre Forderungen will die Gruppe auch mit einer Kundgebung am Samstag auf die Straße tragen. Dazu gehört, keine diplomatischen Beziehungen mehr mit dem Iran zu pflegen und die iranischen Revolutionsgarden als Terror㈠organisation einzustufen.

Der tägliche Protest an diesem Ort begann im November 2022 nach dem Tod der 22-jährigen kurdischen Iranerin Jina Mahsa Amini. Sie war im September des Jahres an den Verletzungen gestorben, die ihr die Polizei in der Haft zugefügt hatte. Mehr als ein Jahr lang hätten sie diese Mahnwache aufrechterhalten, auch nachts.

Keine Verhandlungen mit den Mullahs

Unterdessen ist unklar, was aus dem Gebäude wird. Seitdem es geschlossen wurde, denkt die Stadtpolitik über einen Ankauf desselben nach. Aber man wolle mit dem Mullah-Regime nicht verhandeln, hieß es, zuerst sollten sich die politischen Bedingungen in dem islamischen Staat bessern. Daran habe sich bis heute nichts geändert, teilt das Baudezernat auf Anfrage mit. „Das ist richtig so“, sagt Jalali zur Position der Stadt. Barzegar ergänzt: Wenn das Gebäude jetzt verkauft würde, käme das Geld terroristischen Organisationen wie der Hisbollah zugute.

Von den Protesten infolge des Aufrufs von Pahlavi versprechen sich die Aktivist:innen einiges. „Kann sein, dass wir am Samstag feiern und nicht demonstrieren“, sagt Barzegar. „Ich bin voller Hoffnung.“ Selbst wenn der Abgang des iranischen Regimes noch dauern sollte – „solange die Mullahs da sind, bleiben wir auf der Straße“, sagt Jalil.

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